Tübingen/Calw-Hirsau - Um die Allgemeinheit vor weiteren Gefährdungen durch eine 27-jährige Frau zu bewahren, hat die Staatsanwaltschaft Tübingen den Antrag auf zwangsweise Unterbringung gestellt. Das Ansinnen wurde auch im Plädoyer aufrecht gehalten. Auch der Verteidiger schloss sich dem an.

Wie berichtet, hatte die Beschuldigte im Frühjahr vergangenen Jahres zunächst im Klinikum Nordschwarzwald in Hirsau zwei Pflegekräfte angegriffen. Eine von ihnen wird durch Narben wohl dauerhaft an die erlittenen Bisswunden erinnert, wie sie im Prozess darstellte.

Nachdem die Beschuldigte schließlich nach Tübingen verlegt worden war, drückte sie einer anderen Patientin ein Kissen auf das Gesicht. "Falls wir in unserer Beratung zum Urteil keinen Vorsatz für eine Tötung feststellen können, käme auch eine gefährliche Körperverletzung oder der Versuch dazu in Betracht", gab der Vorsitzende Richter Ralf Peters der 5. Schwurgerichtskammer am Landgericht Tübingen den so genannten Rechtshinweis für die Gesamtbeurteilung.

"Mehrere Pfleger und Ärzte berichteten von solchen Absichten, weil sie in die Forensische Psychiatrie wollte", erkannte Staatsanwalt Tobias Freudenberg sehr deutliche Tötungsabsichten. So habe sie bereits nach den Angriffen in Hirsau gefragt, ob sie denn erst jemanden umbringen müsse. Außerdem sei sie bereits wegen exakt der gleichen Straftat verurteilt worden.

"Meine Mandantin ist schuldlos krank geworden"

Gleichzeitig verwies Freudenberg darauf, dass die Richter den Angaben der Beschuldigten, sie habe zu viele und falsche Medikamente bekommen, nachgegangen sei. "Aufgrund der verabreichten Menge und Dosierung fand der Sachverständige aber keine Grundlage, die zu paradoxen Reaktionen führe", fasste er die Erkenntnisse zusammen. Vielmehr sei von einer krankhaften seelischen Störung auszugehen, die Symptome mit bizarren Vorstellungen hervor bringe. "Formale Denkstörungen haben wir auch in der Verhandlung erlebt, und der Zusammenhang zwischen Störungen und Straftaten ist deutlich", führte Freudenberg in seinem Plädoyer aus.

Aufgrund der Biografie seien chronische Episoden erkennbar, in denen der Rückfall in die Gewalttätigkeit einhergehe. Seinem Antrag, die Unterbringung in ein psychiatrisches Krankenhaus anzuordnen schloss sich schließlich auch Verteidiger Christoph Geprägs an. "Meine Mandantin ist schuldlos krank geworden, aber unbehandelt besteht die Gefahr weiterer Straftaten", erläuterte er.

Zwar betonte die Beschuldigte in ihrem Schlusswort die Überzeugung, eine manische Psychose erlitten zu haben, brachte aber gleichzeitig ihr Bedauern über das Geschehen zum Ausdruck. Am Freitag verkündet die Kammer das Urteil.