
Calw - "Mama, Opa, meine Fackel brennt schon", hallte es von weitem über dem Georgenäum durch den Wald! Und so manch schauerliche Geschichte von Geistern oder Sage war an diesem Abend auch zu hören.
Die erste Fackelwanderung des Calwer Schwarzwaldvereins machte allen Teilnehmern, egal ob Jung oder Alt, sichtlich Spaß. Eine große Zahl junger Familien mit Kindern, Großeltern oder einfach Interessierte trafen sich vor dem Rathaus auf dem Marktplatz, um bei der ersten Calwer Fackelwanderung des Schwarzwaldvereins mit Ute und Horst Rentschler dabei zu sein. Gleich den Stadtgarten hoch machten die Kinder mächtig Tempo, denn am Literaturgarten wartete Margit Rentschler mit den Fackeln. Nachdem alle mit der notwendigen Lichtquelle ausgestattet waren, konnte es richtig losgehen. Schnell war auf dem Ostweg den Berg hinan der Gimpelstein erreicht. Das Felsmassiv zeigte sich im Schein der zuckenden Fackeln so richtig geheimnisvoll.
Plötzlich war eine laute, tiefe Stimme zu vernehmen, es war der Geist des Gimpelsteins. Er erzählte von schauerlichen Geschichten, die sich hier einst abgespielt haben sollen. Furchterregend fand so mancher den weiteren Weg, denn hinter jedem Ast oder Baum wurde ein Gespenst ausgemacht. Richtig froh waren deshalb die meisten, als das in einer Waldlichtung stehende ehemalige Schafott auftauchte. Die Treppenstufen zu dem zylinderförmigen Podest waren mit Kerzen beleuchtet, und oben glänzte im Lichte ein silbernes Schwert auf einem Holzpflock.
Horst Rentschler berichtete über die letzte Hinrichtung an dieser Stelle. Gertrude Pfeiflin aus Bad Teinach wurde hier vor fast 200 Jahren, am 18. August 1818 getötet, nachdem sie zuvor im Langen in Calw eingesperrt war, wegen Mordes an einer Vagantin. Die Vollstreckung fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt, sogar die Schulkinder mussten dieses grauenvolle Geschehen mit ansehen. Der Kopf der Pfeiflin wurde anschließend, wie von den Gerichten beschlossen, auf einen Spieß gesteckt und öffentlich ausgestellt.
Gespannt folgten Kinder und Erwachsen auch den Sagen und Anekdoten, die anschließend Jürgen Rust vortrug, wie "Der Teufel als Geißbock" oder "Der dreiteilige Geist" vom Zavelsteiner Brückle. Gestärkt mit einem Becher Punsch oder einem Glühwein machten die Wanderer sich wieder auf den Heimweg.