Calw - Für seine Gesinnung geht Karl Braig aus Stammheim schon mal ins Gefängnis. Das war im Jahr 2010 so, als er als Gentechnikgegner 14 Tage lang in der Justizvollzugsagsanstalt Rottenburg einsaß. Und das ist jetzt wieder so. Braig hat nämlich am Montag ebenfalls in Rottenburg eine 15-tägige Haft angetreten. Zuvor hatte er auf dem Marktplatz der Bischofsstadt mit mehreren Mitstreitern eine Mahnwache mit Redebeiträgen abhalten abgehalten, um sich anschließend mit einem kleinen Demonstrationszug zur Justizvollzugsanstalt zu begeben,

Nordflügel des Stuttgarter Bahnhofs besetzt

Am 26. Juli 2010 hatten Stuttgart 21-Gegner den zum Abriss freigegebenen, unter Denkmalschutz stehenden Nordflügel des Stuttgarter Bahnhofs besetzt. Unter ihnen war eben Karl Braig. Das Amtsgericht, das Landgericht und das Oberlandesgericht verurteilten ihn zu 55 Tagessätze à 15 Euro wegen "Hausfriedensbruch". Bei dieser Gesamtstrafe wurde noch eine Strafe wegen einer Feldbefreiungsaktion von genmanipulierten Amflorakartoffeln mit einbezogen. Solche Widerstandsaktionen, und darauf ist Braig stolz, hätten mit dazu beigetragen, dass die Firma BASF sich aus dem Anbau von genmanipulierten Kartoffeln in Europa zurückzieht.

In Sachen Stuttgart 21 legte Karl Braig Verfassungsbeschwerde ein, die noch nicht beschieden ist. Er entschied sich aber, die Strafe nicht zu bezahlen. Dafür ging er in den Knast.

"Solche Großprojekte, die von den Lobbyisten der Wirtschafts- und Finanzwelt gegen jede Vernunft den Menschen aufgezwungen werden, dürfen wir nicht akzeptieren", meint Braig dazu. Diese Großprojekte seien unnötig, und in diesem Fall seien sie ursächlich für die Zerstörung von Kulturgut und Lebensräumen.

Er sieht diese Aktion als einen Beitrag, um auf eine Entwicklung aufmerksam zu machen, gegen die er seit etwa vier Jahren intensiv mit vielen anderen kämpfe. Ähnlich hat Braig auch argumentiert, als er wegen der Vernichtung von Genmais in Haft musste: "Ich gehe ins Gefängnis, um auf den Genmais-Skandal aufmerksam zu machen. Ich bin nicht bereit, Geld für meine Tat zu bezahlen. Ich habe einen – annerkanntermaßen – für die Umwelt gefährlichen Mais entfernt." Einzelne Gentechnik-Kritiker könne kann man einsperren. Gentechnik-Pollen aber nicht.