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Calw Ganz schön sportlich, Saskia Esken!

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Eine Gemeinde, die sich sehen lassen kann: Albert Schindler zeigte Saskia Esken sein Empfingen – hier vor der Allee mit den Bäumen des Jahres. Foto: Ganswind

Kreis Calw - Ihre Schritte sind schnell und dynamisch. Saskia Esken präsentiert sich ausgesprochen fit. "Ich habe 20 Kilo abgenommen", erzählt sie. Das passiert selten im Deutschen Bundestag, in dem viele Politiker mit ihren Pfunden kämpfen. "Es ist schon schwer, bei den vielen Sitzungen und Terminen Sport zu machen. Ich jogge morgens schon um 5 Uhr."

Die SPD-Kandidatin zeigt sich in ihrem Wahlkampf von der sportlichen Seite. Den ganzen Wahlkreis hat sie durchwandert, ist dabei mit Bürgermeistern und auch Bürgern ins Gespräch gekommen. So wie mit Empfingens Bürgermeister Albert Schindler. Der hält an diesem Tag locker mit. Der erfahrene Schultes, der bald altersbedingt aufhört, ist Ausdauersportler. Von den Buchhöfen, die noch zu Nordstetten gehören, laufen beide in "seine" Gemeinde. Bei dem Tempo muss sogar Esken ein bisschen durchschnaufen und zückt passend ihr Empfingen-Handtuch, das sie vor einigen Jahren bekommen hat.

Auf der Tour zu Fuß erfährt man mehr

Esken zeigt in ihrem Wahlkampf also Kämpferqualitäten im wahrsten Sinne des Wortes. "Ich möchte zuhören, sehen, wo in meinem Wahlkreis der Schuh drückt. Und das erfährt man am besten, wenn man zu Fuß unterwegs ist." In Empfingen gibt es allerdings nicht viel zu beklagen. Die Gemeinde ist bestens aufgestellt, schuldenfrei und wächst in der Zahl der Einwohner und auch in der Wirtschaftskraft, wie Schindler ihr berichtet. Was Esken auf ihrer Tour so erfahren hat? "Der Fachkräftemangel ist ein großes Problem. Viele Unternehmen berichten, dass sie Stellen ganz schwierig besetzen können."

Vor der Wanderung mit Schindler hatte Esken Station beim Alten- und Pflegeheim Ita von Toggenburg in Horb gemacht. "Dort wurde deutlich, wie schwierig es ist, Personal für die Altenpflege zu bekommen." Doch wo sieht die SPD-Politikern da Lösungen? "Bessere Bezahlung, flexiblere Arbeitszeiten, Ausbau der Kinderbetreuung, und auch Zuwanderung ist notwendig. In einer Pflegeeinrichtung im Wahlkreis wird beispielsweise mit Vier-Tage-Woche gearbeitet, das bringt eine Entlastung und kommt auch den Pflegekräften entgegen, die weiter entfernt leben." Auch in einer prosperierenden Gemeinde wie Empfingen kennt man solche Probleme. "Mein Nachfolger hat die Aufgabe, die Kinderbetreuung weiter auszubauen", erzählt Schindler, der selbst von der Schwierigkeit berichtet, Erzieherinnen zu finden. Dabei ist ein gutes Betreuungsangebot ein wichtiges Qualitätsmerkmal für eine Kommune, um für potenzielle Neubürger attraktiv zu sein. Esken hört Schindler aufmerksam zu und bestätigt ihn. "Es ist wichtig, mit so erfahrenen Bürgermeistern im Gespräch zu sein."

AfD-Anhänger bleiben meist in Deckung

Wahlkampf kann aber auch unangenehm sein. Die SPD-Politikerin überlässt ihren Gastgebern auch, welche Firma man zum Beispiel besichtigt. Schindler hat das Pellets-Unternehmen Biopell ausgesucht. Und da hat Esken nicht unbedingt ein Heimspiel. Geschäftsführer Reinhold Gies macht keinen Hehl daraus, dass er politisch nicht gerade auf der Seite der Sozialdemokratin steht. Er ist zwar zufrieden, wie es für sein Unternehmen, das mittlerweile mit der BayWa als Vertriebspartner im gleichen Haus arbeitet, läuft. "Für mich wäre es aber leichter, wenn ich Kündigungen auch mal unbürokratisch aussprechen könnte", klagt Gies.

Politik muss glaubwürdig sein

Esken redet dem Unternehmer nicht nach dem Mund und verteidigt den Schutz der Arbeitnehmer. Unternehmen hätten durchaus die Chance, flexibel zu sein. "Dafür gibt es ja Möglichkeiten wie befristete Arbeitsverhältnisse, Leih- und Kurzarbeit." Auch das Erneuerbare-Energie-Gesetz, das die bevorzugte Einspeisung von Strom erneuerbarer Quellen fördert, ist dem Biopell-Geschäftsführer ein Dorn im Auge. Esken sagt: "Eine nachhaltige Entwicklung ist doch wichtig, es bringt auch Chancen und passt ja auch bestens zu ihrem Unternehmen."

Politik müsse glaubwürdig sein, sagt die SPD-Frau. Sie möchte sich nicht verbiegen, auch wenn ein Termin dann vielleicht netter laufen würde. "Neulich war ich mit einigen Politikern bei einer evangelischen Veranstaltungen. Beim Mittagstisch haben dann plötzlich einige die Hände gefaltet, die sonst mit der Kirche nichts am Hut haben."

Nun geht es in den Wahlkampfendspurt. Nach den Wanderungen hat sich Esken ein paar Tage Pause zum Kraftschöpfen genommen. Jetzt kommt sie zum Beispiel auf Marktplätzen mit Menschen ins Gespräch. Auch mit AfD-Anhängern und anderen Unzufriedenen? "Die kommen eigentlich meistens nicht so aus der Deckung. Dafür umso mehr auf Facebook. Sie wollen gar nicht wissen, welche Beleidigungen man sich da anhören muss. Das ist unterirdisch." Esken merkt man die Kraftanstrengung der letzten Tage an. Wahlkämpfen ist umso anstrengender, wenn man ständig auf der Stelle tritt – und so scheint es ihrer Partei zu gehen. "Natürlich ärgert mich das total, wenn man merkt, dass die Umfragen so stagnieren, obwohl man das Gefühl hat, dass man die richtigen Themen anspricht und das auch von den Bürgern so mitgeteilt bekommt." Woran das liegt? "Die SPD macht sich angreifbar, weil sie Konzepte hat und Themen offen anspricht. Wenn man nichts sagt, wie Frau Merkel und die CDU, dann ist man nicht angreifbar." Martin Schulz macht sie keinen Vorwurf – auch nicht beim großen TV-Duell. "Dort wurde die erste Hälfte über Themen gesprochen, bei der sich die große Koalition einig ist. Wie soll man dann Unterschiede herausarbeiten?" Esken hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die SPD noch einen Aufschwung erlebt. "Auch 2005 waren die Umfragen schlecht, am Ende trennten CDU und SPD ein Prozent."

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