Von Marion Selent-Witowski

Calw. Gemeinsam ist man stärker und kann etwas erreichen. Diesem Leitgedanken folgt eine Initiative von Friseur-Innung Calw und Landkreis: "Nicht mit mir! Schluss mit häuslicher Gewalt" heißt die nun gemeinsam gestartete Aktion.

"Wir als Innung wollen jedes Jahr ein positives Zeichen nach außen setzen und haben dafür einen festen Posten im Etat", sagt Roswitha Keppler, Obermeisterin der Friseur-Innung und fügt hinzu: "Uns geht es gut, deshalb wollen wir auch etwas für andere tun." Sowohl bei den rund 70 Innungsbetrieben als auch beim Landkreis fand Keppler für die diesjährige Aktion sofort Gehör.

Durch das gemeinsame Projekt "Schneiden und Stoppen" erhalten Betroffene ganz unkompliziert Unterstützung. Ziel ist zum einen, Kundinnen der Friseurbetriebe über häusliche Gewalt zu informieren. Zum anderen soll deutlich gemacht werden, dass die Friseure im Landkreis Gewalt an Frauen sowie Kindern im häuslichen Bereich nicht tolerieren. "Wir wollen damit gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt setzen", erklärt die Obermeisterin, die das Projekt zusammen mit Innungskollegen sowie Vertretern von Polizei, Weißem Ring, des Landkreises und des Frauenhauses vorstellte.

"Dieses Projekt ist etwas ganz Besonderes, wir waren sofort davon begeistert", sagte Sozialdezernent Norbert Weiser. Seines Wissens sei diese Kooperation einmalig. Der Landkreis hat die Kosten für die 2000 Flyer übernommen. Er informiert über die Formen häuslicher Gewalt und listet Beratungs- sowie Hilfsangebote auf. Sämtliche Kontaktdaten von der Telefonseelsorge, über das Kreisjugendamt bis hin zu Frauenhaus, Weißem Ring, Polizei-Notruf, Diakonischen Bezirksstellen, Kinderschutzbund, Caritas-Zentrum sowie Pro Familie Pforzheim sind aufgelistet.

Wie die Innungsobermeisterin betonte, soll die Aktion alle Betroffenen ansprechen, die sich noch nicht dazu entschlossen haben, die Polizei einzuschalten. Sie werden ermuntert, sich wenigstens an eine Person ihres Vertrauens oder an eine der aufgeführten Beratungsstelle zu wenden. "Hauptsache, die betroffene Person handelt und versucht, die Gewaltspirale zu durchbrechen", sagt Keppler.

Häusliche Gewalt kennt keine Grenzen und kommt in allen gesellschaftlichen Schichten vor. Diese Erfahrung machen Keppler und ihre Berufskollegen oft im eigenen Salon: "Da ist man oft mehr Seelsorger als Friseur und bekommt die Probleme der Betroffenen hautnah mit."

Deshalb werden die Flyer auch in den Friseursalons ausgelegt. Dafür hat die Innung rund 80 kleine Tonnen, die als Hocker genutzt werden können, geordert. Diese werden von der Kunsthalle in Göppingen gestaltet und zum Selbstkostenpreis geliefert. Der Großteil der Tonnen wird in den Friseurbetrieben aufgestellt, weitere sollen in Schulen und an öffentlichen Plätzen aufgestellt werden. "So können Opfer häuslicher Gewalt, die sich nicht trauen, über ihr Problem zu sprechen, wenigstens unauffällig einen der Flyer mitnehmen und sich so Hilfe holen", erläutert Keppler.

Die Obermeisterin und ihre Kollegen binden bei der Aktion auch die Kunden ein. Diese werden darum gebeten, keine Weihnachtsgeschenke vorbei zu bringen, sondern für das Projekt zu spenden. So kann das Thema häusliche Gewalt zum einen mehr ins Bewusstsein gerückt werden. Zum anderen bekommen Betroffene mit dem niederschwelligen Angebot Zugang zu kostenloser Beratung, die durchaus auch anonym vonstatten gehen kann.