Calw Flüchtlingsheim in Altburg: Ortschaftsrat lehnt Standort ab

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Foto: Verstl

Calw-Altburg - Der Ortschaftsrat Altburg lehnt den Vorschlag der Stadtverwaltung ab, auf dem Gelände hinter dem Feuerwehrmagazin ein Übergangswohnheim für 180 Flüchtlinge zu bauen. Stattdessen soll nach anderen Standorten gesucht werden.

Das ist das Ergebnis der Ortschaftsratssitzung am Mittwochabend in der Schwarzwaldhalle. Kurzfristig wurde die Sitzung vom evangelischen Gemeindehaus dorthin verlegt. Und die war dann auch gut gefüllt. Das Gremium dürfte wohl noch nie vor einem so großen Auditorium getagt haben.

Viele Sorgen und Befürchtungen äußerten die Altburger Bürger. Vor allem anfangs kochten die Emotionen hoch. Da wollten Zuhörer Stadt und Kreis in Verantwortung nehmen, sollte Kindern etwas zustoßen. Eine Mutter befürchtete, traumatisierte Flüchtlingskinder würden für Unruhe in den Klassen sorgen. Das sei nicht der Fall, versicherte eine Lehrerin der Wimberg­schule. Die Zahl der Schüler sei durch die Flüchtlinge um zehn Prozent gestiegen. Die Probleme mit diesen Kindern seien nicht größer als mit deutschen Schülern.

Vorkommnisse in Köln schüren Ängste

Mit Verweis auf die schlimmen Vorfälle in Köln in der Silvesternacht sei der Standort eines Kindergartens und der beiden kirchlichen Gemeindehäuser nicht ideal. Vor allem Mitglieder des TV Altburg wiesen darauf hin, dass in der Schwarzwaldhalle viele Kinder- und Frauengruppen Sport treiben. Es wird befürchtet, das in dem Heim überwiegend Männer untergebracht sind.

"Diese Sorgen und Ängste kann ich nicht verstehen", sagte Pfarrer Walter Hummel. Da würden die gleichen Befürchtungen geäußert wie vor dem Bau des Heims auf dem Wimberg, die sich dann "in Luft aufgelöst haben", so der stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises Asyl. Aus dem Saal schallte ihm da ein "Verlogen!" entgegen.

Keine großen Probleme auf dem Wimberg

Auch Norbert Weiser, der den Altburgern die gesamte Flüchtlingsproblematik ausführlich darlegte, versicherte, dass es auf dem Wimberg bislang keine nennenswerte Probleme gegeben habe. Bei 1600 Einwohnern leben dort inzwischen einschließlich der Unterkunft in der Oberriedter Straße nahezu 250 Asylbewerber. Mehrere Helfer aus dem Kreis der Liebenzeller Gemeinschaft betonten in der Debatte immer wieder, dass der Umgang mit den Flüchtlingen problemlos sei und ermunterten die Bürger, auf diese Menschen zuzugehen.

Für manche Befürchtungen zeigte Oberbürgermeister Ralf Eggert durchaus Verständnis. Um diese Sorgen zu äußern sei der Abend auch gedacht gewesen. "Mit dem Standort bin ich nicht verheiratet", sagte der OB mit Blick auf mögliche Alternativen. Der Hinweis, den Flüchtlingen sei, sollte das Heim beim Hundesportplatz gebaut werden, lautes Gebell nicht zuzumuten, wurden vom Großteil des Publikums mit Gelächter quittiert. Zu dem ist das Gelände ähnlich weit abgelegen wie das Gewerbegebiet Würzbacher Kreuz, lässt also eine Teilhabe der Asylsuchenden am gesellschaftlichen Leben nicht zu und ist deshalb planungsrechtlich nicht umzusetzen.

Auf der Suche nach Alternativen

Nun müssen Alternativen gefunden werden. Diskutiert wurde über das Baugebiet Dole am Altburger Ortseingang aus Richtung Wimberg. Dort, so Eggert auf Nachfrage unserer Zeitung, bestehe das Problem, dass das in Frage kommende städtische Grundstück nicht an den Kreisverkehr angebunden werden könne. Dafür müsste ein privates Grundstück erworben werden.

"Wir sind dabei, verschiedene Flächen zu prüfen", hatte Ortsvorsteher Davide Licht eingangs der Veranstaltung gesagt. Es sei noch nicht einmal sicher, ob das Heim in Altburg gebraucht werde.

Bau von Zeltstädten soll vermieden werden

Zunächst wird laut Eggert, das zeichne sich derzeit ab, die Unterkunft im Gewerbegebiet Stammheimer Feld gebaut. "Wir müssen die Flüchtlinge unterbringen und müssen uns Zeit nehmen, für das, was da auf uns zukommt", betonte der OB. Nur dadurch lasse sich der Bau von Zeltstädten und die Belegung von Sporthallen vermeiden.

Eggert betonte, dass Stadt und Kreis ausführende Organe sind. Einfluss auf den Zustrom der Flüchtlinge könne man nicht nehmen. Auch was, die von Weiser kritisierte schleppende Rückführung abgelehnter Bewerber anbelange, empfiehlt der OB den Bürgern, mit den Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel (CDU) und Saskia Esken (SPD) zu diskutieren.

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