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Calw Einblicke in eine prosperierende Stadt

Schwarzwälder-Bote, vom 02.02.2012 04:30 Uhr
Aus der Fromanns’schen Sammlung von 1737 stammt dieses Calwer Wappen. Später wird der Löwe wieder rot dargestellt. Foto: Schwarzwälder-Bote
Aus der Fromanns’schen Sammlung von 1737 stammt dieses Calwer Wappen. Später wird der Löwe wieder rot dargestellt. Foto: Schwarzwälder-Bote

Calw (hms). "Calw hat so einen stattlichen Bahnhof, mir ist die Bahngeschichte fast etwas zu kurz gekommen", meinte in der Fragerunde nach einem von gut 60 Bildern begleiteten und anderthalb Stunden dauernden VHS-Vortrag in der Alten Lateinschule ein Zuhörer. Der von der stellvertretenden Leiterin der Volkshochschule (VHS) Gabriele Hutter begrüßte Referent, Hans Schabert, wusste dazu noch mehr.

Zwischen Calw und Nagold 1872, auf voller Strecke 1874 wurden die Schwarzwaldbahn von Stuttgart und die damalige Nebenstrecke aus dem badischen Ausland von Pforzheim her in Betrieb genommen. Auch Hermann Hesse sei mit den für den Personen- wie Güterverkehr bedeutenden Linien zu einem der wichtigsten Gewerbeplätze und Bahnknoten Württembergs gefahren; er habe in seinem literarischen Nachlass eine Fahrt auf Calw zu geschildert.

Dies gilt auch für eine Floßpartie, die er gerne unerlaubterweise als Junge ein Stück weit unternahm, und von der er festhält: "Schöneres und Spannenderes gibt es für einen Knaben nicht auf der Welt, als eine Floßfahrt."

Immerhin passierten 1900 noch 20 Flöße die Nikolausbrücke, 30 Jahre zuvor waren es noch 200. Der 1877 geborene Hesse hatte zu seiner Knabenzeit noch um 100 solche Mitfahrgelegenheiten jährlich.

Sitten, Bräuche, altes Handwerk und Gewerbe fanden in dem Referat breiten Raum. Welche besonderen Persönlichkeiten im Calw des 19. Jahrhunderts die Welt erblickten kam zur Sprache, ebenso dass es seit 1826 ein Wochenblatt gab. Dieses wurde 1908 zur Tageszeitung und vier Jahre später – vor 100 Jahren – in Tagblatt umbenannt. Die Gründung der 400 Mann starken Bürgerwehr 1848/49, der Calwer Feuerwehr 1850 oder die Entstehung von Stadt- und Kreiswappen waren ebenso Thema, wie der um 1850 im Herbst von der männlichen Schuljugend wochenlang täglich gepflegte Fackelzug über den hohen Fels zum Brühl.

Vielerlei Quellen und Archive waren die Grundlage für den Einblick ins Geschehen einer prosperierenden Stadt mit einem interessanten Umland im 19. Jahrhundert. Eine davon war die Oberamtsbeschreibung. Für Calw wurde diese 1860 herausgegeben. Für die mit Calw 1938 zum Landkreis vereinigten Oberämter erschien der gedruckte, meist etwa 300 Seiten dicke Band über Nagold 1862, für Neuenbürg 1860.

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