Von Andrea Fisel

Calw. "Für kurze Zeit war ein großer Friede in Gonzales Hütte. Es gab nicht arm oder reich, nicht Herren oder Landarbeiter, nicht vornehme Damen oder arme Indiofrauen, in diesem Augenblick waren sie alle nur Menschen"

So wie sich die Bewohner der Anden seit jener Nacht in der ärmlichen Hütte immer wieder erzählen, wie sie einen kurzen Blick in eine andere Welt werfen durften, so hörten auch unzählige Zuhörer in der Calwer Stadtkirche, als Vikarin Elisabeth Hartmann-Gaiser die Geschichte von Paco und seiner Krippe vorlas, die christliche Botschaft von Friede und Erlösung zum wiederholten Male.

Bei der vierten Klangrede in de Stadtkirche feierte die Calwer Kantorei unter Leitung von Bezirkskantor Martin W. Hagner mit zwei Kompositionen von Ariel Ramirez Weihnachten im lateinamerikanischen Stil: Melodien, Texte, Rhythmen sowie Tänze beruhten auf kreolischer und indianischer Folklore. Die kreolische Messe "Misa creolla" mit ihren fünf liturgischen Teilen entstand in den Jahren 1963/64 nach dem Beschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils, Gottesdienste auch in der jeweiligen Landessprache zuzulassen.

Auch die Weihnachtskantate "Navidad Nuestra" sah die Weihnachtgeschichte mit den Augen Südamerikas: Maria und Josef reisten durch die unwegsame Pampa, die Hirten kamen durch den Olivenhain mit Basilikum und Weyrauch, Thymian und Lorbeer, die Könige brachten als Geschenk einen Poncho aus Alpaka. Sechs Lieder im Rhythmus unterschiedlicher lateinamerikanischer Tänze erzählten von der Verkündigung des Engels an Maria bis hin zur Flucht nach Ägypten.

Als intensivster Ausdruck von Gefühlen gilt in Lateinamerika die Bewegung des Körpers – der Tanz. In einer außergewöhnlichen Choreographie brachte Christine Lang-Genthner Geschehen und Empfindungen eindrucksvoll zur Geltung: ehrfurchtsvoll anbetend, staunend verharrend, lustvoll tanzend, freudig erwartend, furchterfüllt am Boden kauernd oder verzweifelt suchend.

Die klaren Frauenstimmen des Chores, insbesondere der Solistinnen Claudia Plappert und Annette Zehle, ließen Engel und himmlischen Glanz erahnen, mit Rhythmusinstrumenten dagegen brachten Raoul Nies, Marvin Stutz und Francisco Toll die emotional geprägte, südländische Mentalität zur Geltung. Helmut Rauscher vervollständigte dieses Bild mit seinem virtuosen Gitarrenspiel.