Calw "Die spielen ja wie beim Handball"
Bettina Bausch, 18.06.2012 17:00 UhrCalw - Gutes Wetter, beste Stimmung, Fähnchenschwingen, erwartungsvolle Spannung und Vorfreude auf dem Brühl. "Fußball ist schön, aber als Gemeinschaftserlebnis ist es noch viel schöner", haben sich mehr als 1000 Fußballfans am Sonntagabend gedacht und strömten zum Public Viewing auf dem Brühl. Dort erlebten sie ein prickelndes Fußballfest. Schon in der zweiten Minute kommt beste Stimmung auf, als Thomas Müller brandgefährlich vor dem dänischen Tor auftaucht und in der sechsten Minute die Chance zur deutschen Führung hat.
Ein enttäuschtes Raunen, als dann Mario Gomez in der 12. Minute fast getroffen hätte. Aber da gibt es ja noch Lukas Podolski, der bei seinem 100. Länderspiel besonders motiviert stürmt. In der 19. Minute zieht er ab und der Ball zappelt im dänischen Netz. "Toor, Toor, Toor", erschallt es vielstimmig. Viele springen auf ,umarmen sich begeistert, Jubel allenthalben. Für Fußball-Deutschland ist die Welt endlich in Ordnung. Doch die Freude daran dauert nur ganze vier Minuten.
Aus einer Standardsituation fällt unerwartet ein Treffer für die Dänen. Ein Stöhnen geht durch die Menge. Dann betretene Stille. Nach einigen Minuten geht es dann mit einem 1:1-Unentschieden in die Halbzeitpause. Jetzt geben einige hundert Calwer Bundestrainer lautstark ihre Meinung kund und wissen, warum das deutsche Spiel zwar bisher etwas überlegen, jedoch am Ende zu wenig effektiv war. "Gomez ist heute nicht richtig in Form, Löw muss Klose bringen", meint einer der Fans.
Unbeschreiblicher Jubel!
Ein anderer weiß, endlich müssten einmal die Dortmunder Ballzauberer zum Zuge kommen. Die Unzufriedenheit der Fans wird noch größer, als sich in der zweiten Halbzeit auf deutscher Seite ein eher behäbiges Spiel ohne Biss entwickelt und die Dänen mehrmals gefährlich vor dem deutschen Tor auftauchen. Sollte Deutschland am Ende noch in der Vorrunde ausscheiden? Banges Warten. "Die spielen wie beim Handball immer vor dem gegnerischen Tor hin und her, dann passiert nichts", ruft ein verärgerter Fan. Endlich kommen Miroslav Klose und Andre Schürrle. Das Spiel der Deutschen wird wieder etwas gefährlicher. In der 80. Minute fällt endlich das befreiende Tor zur 2:1-Führung durch den Neuling Lars Bender.
Tausend Calwer sind aus dem Häuschen und ganz Fußball-Deutschland atmet auf. "Jetzt wird doch hoffentlich kein Tor mehr fallen gegen Deutschland", bangen viele. Dann der Schlusspfiff, großer Jubel, freudige Gesichter. Das Fußball-Märchen kann am kommenden Freitag weitergehen. Auch die Menschen an den Verkaufsständen und die ehrenamtlich diensttuenden Mitglieder vom Ortsverein Calw des DRK sowie die portugiesischen Mitbürger freuen sich riesig. Auch ihr Team hat es geschafft und bleibt weiter im Wettbewerb. Ein nicht enden wollender Autokorso bewegt sich bis um Mitternacht zwischen Calw und Hirsau hin und her, und deutsche und portugiesische Fußballfans jubeln in den Abendhimmel.


