Calw Bürger suchen Disput mit Politik

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Das Publikum beteiligte sich rege an der Debatte. Foto: Kunert Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Axel H. Kunert

Calw. Alle reden über Flüchtlinge – auch im aktuellem Landtagswahlkampf. Aber es gibt auch andere wichtige Themen – den Umweltschutz zum Beispiel. Dachten sich Volkshochschule (VHS) sowie die Naturschutzverbände BUND und Nabu – und luden die Kandidaten für den Kreis Calw der vier im Landtag vertretenen Parteien zur Podiumsdiskussion.

Die Resonanz beim Publikum war groß. Moderator Jérôme Brunelle aus Horb öffnete den Diskussionsreigen von Anfang an auch fürs Publikum, so dass diese sofort reichlich Gebrauch davon machten, sich einmal selbst aktiv einzumischen. Zum Beispiel beim Thema Hesse-Bahn. Und den Fledermäusen in den beiden dafür zu reaktivierenden Tunneln der alten Schwarzwaldbahn.

Es sei Unsinn, die Fledermäuse umsiedeln zu wollen – wie vorgeschlagen – so eine Zuhörerin in Richtung von Thomas Blenke (CDU), Daniel Steinrode (SPD), Herbert Müller (FDP) und Johannes Schwarz (Grüne). Die wiederum als Kommunalpolitiker seltene Einigkeit zeigten bei diesem Thema – ihr Statement über Parteigrenzen hinweg: Das "Jahrhundertprojekt für den Kreis Calw" müsse umgesetzt werden. Und dürfe nicht an den Fledermäusen scheitern. Allerdings: die auch von manchen Zuhörern geforderten Kompromiss-Vorschläge, mit Tempolimits oder gar Busersatzverkehren den Fledermäusen "Vorfahrt" zu geben, wenn die das bräuchten (sechs Wochen im Jahr, zur "Schwärmzeit"), wurden mal komplett abgelehnt. Blenke: "Das ist Quatsch". Mal zumindest als Grundlage für weitere Erörterungen der Fach-Gremien eben auch an diese verwiesen (Steinrode, Schwarz).

Wobei FDP-Mann Müller darauf hinwies, dass die Fledermäuse ja "alleine gekommen" seien. Und im Zweifel sich auch auf ihre Art von ganz alleine und auf natürlichem Wege mit einer Reaktivierung der Tunnel, die ja für die Nutzung durch Menschen gebaut worden seien, arrangieren würden. Dieser Hinweis blieb jedoch weitgehend ungehört – wie auch jener Einwand aus dem Publikum, dass es die Fledermäuse in den Tunneln schon früher gegeben habe, als die Schwarzwaldbahn noch mit Dampf durch diese Tunnel fuhr. Ohne dass es die Fledermäuse damals gestört hätte, wie Zeitzeugen berichten würden.

Derweil ging der muntere Schlagabtausch zwischen Publikum und Politiker weiter. Nächstes Thema: Zersiedlung der Landschaft – Flächenverbrauch im Land und Kreis. Der eigentliche Disput auch hier: Die Skepsis der anwesenden Bürger, dass die Lippenbekenntnisse der Politik zu Anlässen wie diesem nachher bei realen Entscheidungen auch Bestand hätten. Beispiel aus dem Publikum: Der geplante Neubau des Krankenhauses in Calw in einem ausgewiesenen Gewerbegebiet – weshalb für echtes "Gewerbe" ein neues Gewerbegebiet "mitten im Wald" (Lindenrain) geplant werden müsse. Anstatt am bisherigen Standort des Krankenhauses wirklich "nachzuverdichten". Oder bestehende Industriebrachen wie das Bauknecht-Areal vorrangig dafür zu verwenden.

Womit der offene Schlagabtausch zwischen Bürger und Politik sich dann noch den "großen Themen" Klimaschutz und CO2-Reduzierung und Elektromobilität zuwandte. Wobei sich vor allem am Aspekt "Windkraft" wieder die Geister und Parteien scheiden sollten. Von "Windkraft passt nicht in unsere Region" (Blenke) bis "der Schutz des Landschaftsbildes ist vor dem Hintergrund der Auswirkungen des Klimawandels ein Luxusproblem, das wir uns nicht mehr leisten können" (Schwarz) reichten hier die Positionen. Wobei auch hier die "Lust" der anwesenden Bürger allgegenwärtig war, sich mit Sachverstand in die Themen der Politik mit einmischen zu wollen. Vielleicht die eigentliche Botschaft dieser gelungenen Veranstaltungs-Premiere von VHS und Naturschutzverbänden: Politiker, lernt mehr auf eure Bürger zu hören!

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