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Calw Bestens auf Karwoche eingestimmt

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Bei der Aufführung der Johannes-Passion in der Stadtkirche glänzten alle Akteure. Foto: Tröger Foto: Schwarzwälder-Bote

Einmal mehr wurde in der Calwer Stadtkirche unter Beweis gestellt, welch ausgezeichneter Ort dieses Gotteshaus für die Aufführung musikalischer Meisterwerke ist.

Calw. Bezirkskantor Martin W. Hagner hatte für den Palmsonntag die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach ausgesucht, um das Passionsgeschehen – hier den Passionsbericht aus dem Johannes-Evangelium – musikalisch erlebbar zu machen.

Eine denkwürdigere Einstimmung in die Karwoche mit Besinnung, lyrischem Ausdruck und dramatischen Impulsen konnte man sich kaum vorstellen. Die Calwer Kantorei und der evangelische Kirchenchor brachten zusammen mit den Musikern der Kammersinfonie Calw sowie einem Solisten-Quintett die 1724 in der Leipziger Nikolaikirche uraufgeführte "Passio Secundem Johannem" zu Gehör.

Neuere Entwicklungen

Zu Bachs Zeiten hat dieses Werk zu den bedeutendsten gezählt. Im Wesentlichen liegt ihm der Text der Kapitel 18 und 19 des Johannes-Evangeliums zu Grunde. Bachs Kompososition ist dem Typus der oratorischen Passion zuzurechnen und nicht dem modernen Passionsoratorium. Sie steht gleichwohl unter dem Einfluss neuerer Entwicklungen. Der Komponist verwendet Choräle, die den Passionstext ausbreiten und meditieren. Die Chöre und vor allem die Rezitative sind von einer starken Ausdruckskraft, die weit über die bloße Betrachtung hinausgeht. Den Ausführenden in der Stadtkirche ist es meisterlich gelungen, das Publikum mitzunehmen in alle Ebenen des Werks.

Neben den Arien in beschaulicher Versenkung wechselte sich das Geschehen des Evangelientextes mit den Chorälen des Gemeindegesangs und den Einwürfen des Volkes in den Turbae-Chören ab, die mit ihren Schreien die Gerichtsszene aufheizen.

Der Chor ist das tragende Fundament der packenden Aufführung. Mehr als 70 Choristen waren hier im Einsatz, konzentriert und punktgenau geführt von Hagner, so dass ein packendes biblisches Drama mit Menschen aus Fleisch und Blut zu hören war.

Die Aufführung verströmte so viel Energie und Konzentration, dass man gebannt den sehr textverständlichen Chören und Solisten lauschte. Eine Entdeckung war dabei auf jeden Fall der junge Tenor Maximilian Vogler als Evangelist, der sehr kurzfristig für den erkrankten vorgesehenen Tenor Sebastian Mory eingesprungen ist.

Dem Evangelisten kommt in der Johannes-Passion eine umfangreiche Rolle zu. Mit dem 24-Jährigen übernahm ein glänzender Sänger die erzählenden Partien. Die Klarheit seiner prägnanten Stimme und seine vorzügliche Textverständlichkeit haben das Publikum für ihn eingenommen. Vogler absolviert derzeit sein Masterstudium Gesang an der Zürcher Hochschule der Künste. "Den Namen muss man sich für die Zukunft merken", fanden die Besucher.

Barocke Praxis

Jeannette Bühler (Sopran) und Sarah-Lena Eytrich (Alt) gestalteten ihre Arien mit Eleganz sowie Flexibilität und beglückten in ihrem solistischen Part ebenso wie der Bass Richard Logiewa als Jesus und der Bariton Samuel Schick als Pilatus.

Auch die Musiker der Kammersinfonie Calw (Konzertmeisterin Benedetta Constantini), die auf zeitgenössischen Instrumenten spielten, fühlten sich gut in die barocke Praxis ein.

Eine angemessen lange Stille nach Verklingen der letzten Töne gönnten Publikum wie Akteuren eine Pause, um das Gehörte und Erlebte individuell nachklingen lassen zu können, bevor die anrührende und begeisternde Aufführung ihren großen verdienten Applaus erfuhr.

 
 

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