Calw Aus Musikschule eine Marke gemacht

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Drei Standorte hatte die Musikschule seit ihrer Gründung. In der Villa Wagner an der Lederstraße hat Dieter Haag, der jetzt in den Ruhestands gegangen ist, als Leiter am längsten gewirkt. Foto: Fritsch

Calw - Er war ein Musikschulleiter der anderen Art. Weniger Künstler, mehr Manager und Macher. Und am Ende hat Dieter Haag damit Erfolg gehabt.

Wenn er von der Gründungsphase Ende der 70er-Jahre erzählt, bekommt der Musikschulleiter, seit ein paar Wochen außer Diensten, leuchtende Augen. Dieter Haag spricht von grenzenloser Experimentierfreude und Unbekümmertheit. Zusammen mit seinem Schulfreund Hans-Jörg Kalmbach, dem ersten Musikschulleiter, ging es los. "Keiner wusste, wie es geht", erzählt Haag. Das Vertrauen des damaligen Oberbürgermeisters Karl-Heinz Lehmann sei grenzenlos gewesen. Von den Musiklehrern am Gymnasium seien sie belächelt worden. Weil Kalmbach und er bei der Gründung am 1. Mai 1977 noch Studenten waren, wurden die Einrichtung vom Musikschulverband nicht anerkannt.

Von Hans-Jörg Kalmbach Leitung übernommen

Das ist heute alles Geschichte. Und zwar eine Erfolgsgeschichte, was damals die wenigsten erwartet hatten. 1982 hat Haag von Kalmbach die Leitung übernommen. Der wiederum kümmerte sich um den Aufbau der Aurelius Sängerknaben nach dem Vorbild des Tölzer Knabenchors. Auch das ist gelungen. Aurelianer singen heute auf den bekanntesten Opernbühnen weltweit.

Zu den besten Musikschulen zu gehören, das war für Haag die Vision nach der ersten Aufbauphase. Eine Marke und ein Image zu schaffen und damit Aufmerksamkeit zu erregen. Da ist ein Musikschulleiter einen ganz neuen Weg gegangen.

Auch wenn er sich selbst als Manager sieht, hat er den künstlerischen Aspekt nicht aus den Augen verloren. "Es war sicher kein Fehler, dass ich Musik studiert hatte", sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei ist er offensichtlich auch kein schlechter Musiklehrer gewesen, denn die allersten ersten Bundessieger der Musikschule Calw hatten bei ihm Blockflötenunterricht.

Ohne Moos nix los – das gilt auch für kulturelle Einrichtungen. Den ersten Sponsorenvertrag, auch das ein bundesweites Novum für eine Musikschule, hat Haag 1998 mit der damaligen Kreissparkasse Calw und deren Vorstandsvorsitzendem Jürgen Teufel geschlossen. Daraus entstand ein bis heute gut funktionierendes Netzwerk von Unterstützern. "Fundraising", so hat ihm mal ein Kollege gesagt, "das habt ihr in Calw schon betrieben, da wussten wir noch gar nicht, wie man das schreibt." Das ist schon deshalb wichtig, weil der Träger, die Stadt Calw, hoch verschuldet ist. "Die wirtschaftliche Situation des Trägers stand häufig diametral zu unseren Zielen und Vorstellungen", so Haag. Das habe auch schon mal zu Verwerfungen geführt. Am Ende habe man immer wieder zusammengefunden.

Kollegium war große Unterstützung

Zum Erfolg der Musikschule gehören viele, sagt Haag. Eine große Unterstützung in den mehr als drei Jahrzehnten, in denen er die Schule leitete, sei das Kollegium gewesen. Da habe er sich geborgen gefühlte, "da konnte ich nicht umfallen". Es fallen Worte wie Vertrauen, Zuneigung und Loyalität. Eine ganz besondere Freude ist es für Haag, wenn aus ehemaligen Schülern der Musikschule Lehrkräfte werden. Die unterrichten heute weit mehr als 2000 Schüler. Mit 400 hat es vor fast 40 Jahren angefangen. "Es ist ein Glück, ein solches Berufsleben gehabt zuhaben", sagt Haag. Als Abschiedsgeschenk gibt es ein Festkonzert am Sonntag, 10. April, ab 17 Uhr in der Stadtkirche.

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