Calw - Gleich zu Jahresbeginn fällt 2013 eine wichtige Entscheidung. In seiner Sitzung am 31. Januar wird der Gemeinderat über die Ansiedlung der Modekette H&M entscheiden.

Zunächst werde es darum gehen, ob H&M nach Calw kommen soll oder nicht, sagte Oberbürgermeister Ralf Eggert gegenüber unserer Zeitung. Danach werde auch über den Standort entschieden sowie über das Vorhaben der geplanten Bürgergenossenschaft.

Derzeit gibt es zwei Möglichkeiten. Der OB favorisiert, das alte Musikschulgebäude samt Vorplatz zu überbauen, um dort die schwedische Modekette anzusiedeln. Vor allem für diejenigen, die das historische Gebäude, die einstige Villa Wagner, nicht unter einer Glaskuppel verschwinden sehen lassen wollen, ist der Platz vor dem Kaufland am Unteren Ledereck eine Alternative.

Das Musikschulgebäude ist mittlerweile heiß begehrt. Nicht nur die Initiative Bürgergenossenschaft Villa Wagner interessiert sich für die Immobilie. Zum einen gibt es laut Eggert Investoren, die dort das H&M-Konzept umsetzen wollen, zum anderen welche, die dort ein Wohn- und Geschäftshaus planen.

Auf jeden Fall wird am 31. Januar auch über das Vorhaben der Initiative Villa Wagner entschieden. Ein offener Brief dieser Gemeinschaft hatte zu Verstimmungen mit dem OB geführt (wir berichteten). Wie Rainer Hofmann, einer der Sprecher der Gruppierung sagte, sei es da wohl zu einem Missverständnis gekommen. Man habe nicht mehr Bürgerbeteiligung eingefordert, sondern angeboten, in Form der noch zu gründenden Genossenschaft eine Plattform für eine solche Bürgerbeteiligung anzubieten. Zudem stehe ein weiteres Gespräch mit dem OB an.

Ursprünglich hatte der Gedanke im Vordergrund gestanden, eine in der ehemaligen Musikschule öffentliche Begegnungsstätte zu schaffen. Die sollte aus den Einnahmen aus Verpachtung und Vermietung finanziert werden. Dann allerdings hat sich der wirtschaftliche Aspekt in den Vordergrund geschoben. So sei nun "mittelfristig" daran gedacht, dafür einen Raum in der Remise und nicht im eigentlichen Gebäude zu schaffen, heißt es in dem offenen Brief.

An einer öffentlichen Nutzung, so betont Hofmann, soll auf jeden Fall festgehalten werden. Sie soll so bald wie möglich umgesetzt werden, zumal sie zum genossenschaftlichen Gedanken gehöre.

Es habe sich allerdings gezeigt, dass die Verpachtung der geplanten Gastronomie zum Dreh- und Angelpunkt geworden ist. "Wir brauchen die laufenden Einnahmen aus der Verpachtung", betont Hofmann. Man sei mit dem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga wie auch mit einzelnen Gastronomen im Gespräch.

Was die Genossenschaft anbelangt, liege eine ganze Reihe von Absichtserklärungen vor. Die Gründung könne, so Hofmann weiter, allerdings erst erfolgen, wenn das Signal von der Stadt kommt, dass die Immobilie an die Genossenschaft verkauft wird. Bei einer dann einzurufenden Versammlung entstehe zunächst eine "Genossenschaft in Gründung". Dort kommen Interessenten zusammen, die Anteile zeichnen wollen. Es wird eine Satzung erstellt sowie Vorstand und Aufsichtsrat gewählt. Dann prüfen Genossenschaftsverband sowie Industrie- und Handelskammer das Geschäftskonzept.

Ein Gespräch mit dem Genoverband habe gezeigt, dass "wir viel Unterstützung brauchen", sagt der Sprecher. Dabei werde vor allem an Partner aus der Geschäftswelt und dem öffentlichen Leben gedacht. Hofmann stellt klar, das ein anderes Objekt für die Initiative nicht in Frage kommt, weil es wirtschaftlich nicht darstellbar sei.