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Calw Als die Eisenbahn wieder zum Leben erwachte

Schwarzwälder-Bote, vom 10.01.2012 21:00 Uhr
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Von Calw aus machte sich der erste Zug der Nagoldtalbahn auf den Weg Richtung Wildberg (großes Bild). Die geladenen Gäste der "Jungfernfahrt" stellten sich in Wildberg zum Gruppenfoto (oben). Die provisorischen Brücken waren vor der Fahrt einem Belastungstest unterzogen worden. 
Foto: Kreisarchiv Foto: Schwarzwälder-Bote
Von Calw aus machte sich der erste Zug der Nagoldtalbahn auf den Weg Richtung Wildberg (großes Bild). Die geladenen Gäste der "Jungfernfahrt" stellten sich in Wildberg zum Gruppenfoto (oben). Die provisorischen Brücken waren vor der Fahrt einem Belastungstest unterzogen worden. Foto: Kreisarchiv Foto: Schwarzwälder-Bote

Kreis Calw (mf). Ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk der besonderen Art erhielt dieser Tage das Kreisarchiv im Landratsamt. Von privater Seite bekam Kreisarchivar Martin Frieß eine Serie von außergewöhnlichen Fotos der Nagoldtalbahn zur Aufbewahrung. Die Aufnahmen zeigen die Wiederinbetriebnahme der Nagoldtalbahn im Dezember 1945.Bahnstrecken und Bahnhöfe waren im Krieg ein bevorzugtes Ziel für Luftangriffe. Bis Kriegsende gab es im Landkreis keine gravierenden Schäden an Eisenbahnanlagen. Am 31. März 1945 jedoch trafen Bomben, die eigentlich den Calwer Eisenbahnbrücken galten, das große Eisenbahner-Wohnhaus in der damaligen Uhlandstraße. Sieben Menschen wurden dabei getötet. Im April 1945 wurde beim Einmarsch der Franzosen die Nagoldbrücke in Kentheim zerstört. Von Calw aus war zu diesem Zeitpunkt somit weder Stuttgart noch Pforzheim noch Horb mit der Eisenbahn zu erreichen.

Der von der französischen Besatzungsmacht als Landrat eingesetzte Calwer Textilfabrikant Emil Wagner bezeichnete in einem Interview zum Jahreswechsel 1945/1946 die Situation im Landkreis als "ausgezeichnet". Es herrsche eine Ruhe und Ordnung, um welche man allseitig beneidet werde. Probleme gäbe es aber im Bereich der Versorgung mit Nahrungsmitteln, Bekleidung, Wohnraum, Kohlen und Elektrizität. Umso wichtiger war der Wiederaufbau der Verkehrswege.

Kleines "Banquet" in der Bahnhofsgaststätte von Wildberg

Als ein erster Erfolg erwies sich die Wiederherstellung der Nagoldbrücke bei Kentheim mit einfachsten Mitteln. Nachdem der Belastungstest mit zwei Dampflokomotiven bestanden war, stand der Sonderfahrt mit mehreren Vertretern der französischen Regierung, mit Landrat Emil Wagner und weiteren geladenen Gästen am 22. Dezember 1945 nichts mehr im Wege. Die Fahrt des mit Tannenreisig geschmückten Sonderzuges begann um 11 Uhr in Calw. Gegen 13 Uhr traf man in Wildberg ein, wo es in der Bahnhofswirtschaft ein kleines "Banquet" gab. Anschließend ging es zurück nach Calw.

Landrat Wagner hatte also allen Grund, "erfreuliche Fortschritte" im Verkehrswesen festzustellen. Das Nagoldtal hatte nach einer Seite hin wieder Anschluss an das große Eisenbahnnetz – immerhin durchgehend bis Rottweil. Mit der Inbetriebnahme des Würmtalviadukts bei Weil der Stadt am 18. März 1946 war auch Stuttgart wieder direkt erreichbar. Erst ab dem 13. Dezember 1948 konnte man wieder bis Pforzheim fahren, als die provisorische Enzbrücke bei Brötzingen wieder in Betrieb ging.

Calw war damals Sitz eines Eisenbahn-Betriebsamts (bis 1955). Es wurde geleitet von Reichsbahnrat Kurt Alber, der später Chef des in Calw ansässigen Baugeschäfts Alber war. Aus dessen Nachlass stammt die Serie von zwölf Fotos, die sein Sohn, Peter Alber, nun dem Kreisarchiv Calw übergeben hat.

Die Aufnahmen aus dem Dezember 1945 zeigen noch weitere Brücken und Tunnels entlang der wieder instand gesetzten Strecke. Die Bildunterschriften sind in französischer Sprache gehalten und stehen direkt auf den Fotos.

Für Kreisarchivar Martin Frieß sind die Fotos wichtige Dokumente zur Verkehrsgeschichte des Landkreises und eine willkommene Ergänzung der Fotosammlung des Kreisarchivs. Und das umso mehr, da Fotos aus der unmittelbaren Nachkriegszeit sehr selten sind.

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