Callboy Ein Mann für gewisse Stunden
Uwe Bogen, 21.08.2012 17:02 Uhr
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Stuttgart - Frauenhelden, Frauenparkplätze, Frauenpower, Frauenquote, Frauenüberschuss, Frauenkenner, Frauenzimmer. Es gibt so viele Worte mit Frauen.
Gibt es auch ein Frauenauto? Im Duden steht es nicht. Die Automobil-Hersteller verneinen unisono diese Frauenfrage. Gerade den jüngeren Menschen seien beim Autokauf die gleichen Dinge wichtig, ist zu hören, gleich ob Frau oder Mann. Auf dem Killesberg, der noch immer teuersten Wohnlage Stuttgarts, weiß man es besser. Dort klemmen seit Tagen kleine Karten unterm Scheibenwischer kleiner Autos wie Fiat 500, VW Polo, Renault Twingo, Fiat Panda, Peugeot 207. Die Karten sind mit Rosen verziert.
Eine Kollegin aus der Sportredaktion wohnt auf dem Killesberg und fährt eine Knutschkugel, einen Fiat 500 also. Sie hat diese Rosenflyer in der Größe von Visitenkarten in die Redaktion gebracht. Innerhalb von zwei Wochen bekam sie vier davon. Erst dachte sie, die habe ein Autohändler rangehängt, der Gebrauchtwagen sucht, um sie zu verscherbeln. Auffällig war, dass diese Karten niemals an dem Auto ihres Freundes hingen. Der Aufdruck erklärt warum: „Callboy für die Dame, diskret, seriös, bestes Niveau.“
Killesberg-Ladys aufgepasst. Da will einer an euer Geld und verspricht Niveau. Im Gewerbe, das als das älteste der Welt gilt, gibt’s neue Werbeideen. Direktmarketing würde man das in anderen Branchen nennen. Wer ist dieser Rosen-Lover?
Vergeblich habe ich Kolleginnen gebeten, nur zur Recherche bei diesem „Marc, 38 Jahre“ anzurufen. Sie zierten sich. Also musste ich selbst wählen, auf die Gefahr hin, dass der Mann bei einem Mann gleich auflegt. „Marc, 38“ jedoch ist freundlich. Ob ich denn auch in seinem Beruf einsteigen wolle?, fragt er. Es gehe mir nur um ein kleines Telefoninterview, beruhige ich ihn. Keine Konkurrenz. Und das verrät er mir: Von Beruf ist er Fitnesstrainer, verdient seit sechs Jahren als Callboy für Damen dazu (ein Abend mit ihm kostet 250 Euro) und bringt seine Reklame an Autos an, die er als Frauenautos einstuft.
Früher habe er in München seine Lustdienste angeboten – da gehe das Geschäft wesentlich besser. „In Stuttgart ist’s mau“, sagt er. Seine Kundinnen seien im Schnitt 35 bis 45 Jahre, darunter viele Geschäftsfrauen. „Die meisten sind attraktiv“, sagt er, „wenn sie’s nicht sind, hilft nur Augen zu und durch.“ Außerdem gäbe es ja kleine blauen Pillen, um die Arbeitsfähigkeit herzustellen.
Die gab es vor 32 Jahren noch nicht, als Richard Gere den Edel-Callboy im Hollywood-Hit „Ein Mann für gewisse Stunden“ spielte. Die gewissen Stunden mögen mitunter gewisse Minuten sein – doch auch der Killesberg-Gigolo unserer Tage weiß: In diesem Beruf sind’s nicht nur schöne Sünden, die es zu entdecken gibt. Man könnte Stoff für eine Sozialstudie sammeln – über Einsamkeit von Frauen, über Geschäftsfrauen, die taff im Job sind, aber privat das Glück nicht finden.
Frauenleiden, Frauenbuchladen, Frauensache, Frauenwahlrecht. Es gibt so viele Worte mit Frauen. Warum nicht auch den Frauenbegleiter? Als Frauenversteher nehmen wir einiges hin. Immer mehr Flyer am Wischer aber nerven. Müssen wir bald ein Verbot wie an Briefkästen auf die Frontscheibe kleben? Aufschrift: Keine Werbung ans Auto bittschön!




