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Burn-out "Gut zu sein ist ein Risiko"

Tatiana Morlock, vom 09.05.2011 10:47 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - Immer mehr Menschen leiden unter andauernder geistiger und emotionaler Erschöpfung: dem Burn-out-Syndrom. Wolfgang Senf erklärt, wer besonders gefährdet ist und wie man den Ausstieg aus der Belastungsspirale findet.

Herr Senf, Burn-out sei keine Krankheit, sagen Sie. Wie kann man das Syndrom bezeichnen?

Burn-out ist nicht im klassischen Sinne eine psychiatrische Erkrankung wie eine schwere Depression, sondern eher eine psychische Verletzung. Vergleichbar mit einer körperlichen Verletzung, wo durch Einwirkung von außen ein Problem entsteht. Der Mensch ist nicht mehr in der Lage, die Anforderungen, die von außen an ihn gestellt werden, mit seinen Fähigkeiten und Ressourcen zu bewältigen.

Gibt es Frühwarnsignale für einen drohenden Burn-out?

Die Leute fangen an, private Interessen hinter die beruflichen zu stellen. Wir sprechen von einem Burn-out-Belastungszyklus. Es fängt an mit dem Gefühl: "Es ist zwar viel Arbeit, aber es wird schon gehen." Dann kommt ein verstärkter Einsatz von Kräften, das ist auch noch in Ordnung. Es gibt Zeiten, wo die beruflichen Anforderungen höher sind. Aber wenn jemand anfängt, die eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen, sich nicht mehr mit Freunden trifft, nicht mehr entspannt, die Familie vernachlässigt oder große Arbeitspakete mit in den Urlaub nimmt, dann ist es höchste Zeit, darüber nachzudenken, was passiert da gerade?

Gibt es Menschen, die besonders Burn-out-gefährdet sind?

Gut sein ist ein Risiko. Es trifft vor allem die Leistungsfähigen. Leute, die Multitasking-Vermögen haben, die viel bewältigen können. Das sind zum Beispiel viele Leute in der IT-Branche oder anderen komplexen Arbeitsfeldern. Wenn der Chef merkt, sie sind um 17 Uhr fertig und haben ihre Leistung gebracht, dann packt er noch was oben drauf. Wenn sie so gut sind, dass sie das auch noch wegschaffen, wird noch was draufgepackt. Da können sie nicht gegensteuern.

Dann liegt es also am Beruf?

Nicht nur. Auch Müllmänner können Burn-out entwickeln. Es gibt Menschen, die sind Problem-Löser, andere sitzen Probleme aus. Burn-out-gefährdet sind vor allem diejenigen, die den Ehrgeiz haben, für jedes Problem eine Lösung zu finden. Desinteressierte Menschen, die nur darauf schauen, dass sie ihren Job irgendwie rumkriegen, wird es sicher nicht treffen.

Würden Sie also empfehlen, einfach schlechtere Leistung zu erbringen?

Wenn Ihnen die wohlwollenden Augen Ihres Chefs egal sind und Sie die Befriedigung nicht brauchen, die Sie aus der Leistung ziehen, können Sie das schon machen. Eigentlich ist es aber nicht sinnvoll, Eigenschaften wie Ehrgeiz, die sich im bisherigen Leben bewährt haben, einfach abzuschalten. Vielmehr kommt es auf die Sichtweise des Problems an. Wenn Burn-out-Patienten ihr Arbeitspensum nicht mehr bewältigen können, denken sie oft: "Ich bin schuld, weil ich krank bin." Besser sollten sie aber die Umstände betrachten und sich fragen, ob die Anforderungen überhaupt erfüllbar sind.

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