Burladingen Thoms freut sich "total" über Erfolg

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Andrea Ayen, deren Vater, Onkel und Großvater am Streik beteiligt waren, hat Thoms vor die Kamera geholt und durch Mössingen begleitet. Foto: Rapthel-Kieser Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Erika Rapthel-Kieser

Das Theater Lindenhof und seine preisgekrönte Inszenierung des Mössinger Generalstreiks ist nun bundesweit bekannt. Der Film "Widerstand ist Pflicht" der Tübinger Filmemacherin Katharina Thoms läuft im Internet bei Spiegel TV.

Burladingen/Tübingen. "Ich freue mich total", kommentiert die Tübinger Journalistin, Autorin und Filmemacherin Katharina Thoms ihren bisher größten Erfolg und erzählt, wie es dazu kam.

Nach der Berlin-Premiere ihres Streifens im Sommer postete einer der anwesenden Journalisten im Sozialen Netzwerk Twitter darüber. Ein anderer Kollege und Mitarbeiter von Spiegel TV las das und war interessiert. "Der Sender kam dann auf mich zu", berichtet die 36-jährige Thoms.

Bis Ende Februar wird ihr achtzigminütiger Streifen dort jetzt zu sehen sein und bundesweit ein großes Publikum erreichen. "Da gibt es schon Kommentare von Leuten, die weit weg wohnen und noch nie etwas über den Mössinger Generalstreik gehört haben. Die posten das weiter und es hilft enorm, den Film und die Geschichte dahinter noch bekannter zu machen", freut sich die ambitionierte Journalistin nicht nur über den medialen Erfolg, auch ein bisschen über den monetären.

Thoms bekommt für jeden Click zu ihrem Film eine bestimmte Summe von Spiegel TV und das ist, nachdem sie die Produktion und Werbung ihres Streifens fast gänzlich aus eigener Tasche vorfinanziert hat, eine große Hilfe. Denn lediglich die Rosa-Luxemburg-Stiftung hatte sich mit einer kleinen Summe an der Vorproduktion beteiligt.

Aber Thoms Ziel ist noch nicht erreicht: "Ich finde eigentlich, dass es längst überfällig ist, dass die Mössinger Widerständler auch in Berlin an der Gedenkstätte deutscher Widerstand erwähnt werden", sagt sie.

Mammutprojekt mit Philipp Becker und Franz Xaver Ott

Mit dem Film hat die SWR-Journalistin, Autorin und Filmemacherin den Generalstreikenden von 1933 und ihren Nachfahren ein Denkmal gesetzt, aber auch behutsam und eindringlich die Arbeit des Theater Lindenhofs in Melchingen gewürdigt, das das Thema 2013 aufgriff und mit Regisseur Philipp Becker und dem Autor Franz Xaver Ott ein Mammutprojekt wagte.

An historischer Stätte, in der Bogenhalle der Pausa-Fabrik in Mössingen, inszenierten die Theatermacher von der Schwäbischen Alb ein Stück über den fast vergessenen Generalstreik.

Unter den Mitwirkenden waren nur sechs Profischauspieler, der Rest Laien, viele Schüler, Musiker und Bürger aus Mössingen. Zum Teil waren dies Kinder und Enkel jener Menschen, die am 31. Januar 1933, dem ersten Tag der Regierung Hitler, in Mössingen in den Generalstreik gingen.

"Bürgertheater im besten Sinne" nannte es die Wochenzeitung Zeit und in Berlin gab es den mit 20 000 Euro dotierten "BKM Preis Kulturelle Bildung" für das ehrgeizige und gelungene Theaterprojekt. Auch für die SWR-Journalistin Katharina Thoms "hatte das Potential". Sie sollte zum 80. Jahrestag des Generalstreiks lediglich ein Radio-Feature machen, stieß dabei auf die Proben des Theaters Lindenhof und entschloss sich, einen Dokumentarfilm zu drehen.

Sie und ihr Kameramann Fabian Hennig begleiteten die Proben der Lindenhöfler und Laien in der Pausa-Bogenhalle monatelang mit ihrer Kamera und ließen den Regisseur Philipp Becker ausführlich zu Wort kommen.

Andrea Ayen, deren Vater, Onkel und Großvater maßgeblich am Streik beteiligt waren, hat Thoms vor die Kamera geholt und durch Mössingen begleitet. Ayen erinnert sich und läuft mit Martin Rottach, der im Theaterstück ihren Vater spielt, die historischen Stätten der Stadt ab. Sie erzählt im Film wie wütend sie wird, wenn Zeitgenossen die Leistung der Vorfahren, die den ersten Widerstand gegen Hitler geleistet haben, abtun. Und sie überlegt, was ihr Vater wohl dazu gesagt hätte, dass sie im Theaterstück mitspielt: "Er wäre stolz gewesen."

Die eisige Kälte in der Bogenhalle während der vielen Stunden des Probens, die Erschöpfung der Akteure und den Hauch der Verzweiflung des Regisseurs und der Choreographin, als drei Wochen vor der Premiere vieles noch nicht so klappt, wie es sollte, all das hat Katharina Thoms in ihrem Film eingefangen.

Film kommt ohne Stimme aus dem off aus

Ihr Streifen ist deswegen so eindringlich, weil er so behutsam daherkommt. Ein beobachtender Dokumentarfilm, der die Geschichte des Streiks und des Theaterstückes ganz ohne Stimmen aus dem off erzählt, unterlegt nur mit der Musik, die Johannes Hofmann auch für das Stück geschrieben hat.

Das achtzigminütige Filmwerk wurde vor fast genau einem Jahr, am 31. Januar 2015, in einer Vorpremiere in den Lichtspielen in Mössingen zum ersten Mal gezeigt – danach in Hechingen, Burladingen, Rottenburg und vielen weiteren Kinos im Südwesten. Die Berlin-Premiere war am 19. Juli im Bundesplatz-Kino. Jetzt wird Thoms’ Werk besonders geadelt.

Denn Spiegel TV gilt als einer der bekanntesten Kanäle für anspruchsvolle Dokumentationen und Features. "Widerstand ist Pflicht" läuft zusätzlich aber immer noch in den Kinos der Region. Am 31. Januar auch wieder in Mössingen.

Weitere Informationen: Link zum Film: http://www.spiegel.tv/filme/opendoku-widerstand-ist-pflicht/

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