
Von Matthias Badura
Burladingen-Gauselfingen. Auf gewaltiges Interesse stieß ein Informationsveranstaltung in Gauselfingen zum Thema "Internet-Zugang per Funk".
Wer bestreiten wollte, dass das Internet inzwischen auch auf dem Land alle Alters- und Berufsschichten durchdrungen hat, der sah sich am Montagabend im Gemeindesaal des Gauselfinger Rathauses widerlegt. Gewaltig war das Interesse an einer Präsentation, die ab sofort Internet-Zugang per Funk anbietet (LTE, Long Term Evolution). Wie man aus den Fragen heraushören konnte, saßen Firmeninhaber und mittelständische Unternehmer im Saal, die das Internet für ihren Betrieb und geschäftlich nutzen, da saß mindestens ein Netz-Junkie, dem es eher um das Herunterladen von Spielfilmen geht und da saßen Menschen, die das Netz für ihren privaten Brief- und Nachrichtenverkehr nutzen. Keineswegs durch die Bank junge Leute, im Gegenteil.
Bis zum Dezember 2011 war der Stand der Dinge der, dass der Zugang zum weltweiten Netz in Gauselfingen – ebenso wie in allen anderen Ortsteilen der Stadt – schleppend verlief. Kein schneller Zugriff, langsames Aufbauen der Seiten. Nervtötend.
Daraufhin ließ die Stadt vor Kurzem mit Hilfe von Landeszuschüssen in den Ortsteilen Leerrohre verlegen, um die Breitband-Verkabelung (DSL) in Gang zu bringen. Dadurch wäre ein optimaler Zugang gewährleistet. Doch fehlt es bisher allenthalben an einem Anbieter, der diese Rohre befüllt, die Kabel verlegt, den Service anbietet, den Netzbetrieb unterhält. Man ist derzeit weiterhin auf der Suche – gibt sich aber nicht allzu großen Hoffnungen hin.
Das Geschäft auf dem flachen Land ist für die Mega-Unternehmen zu wenig lukrativ. Zunächst werden die Zentren versorgt, wo die größeren Umsätze winken. So nährte man sich auch in Gauselfingen einstweilen von der Hoffnung, es werde halt doch noch irgendwie klappen, möglicherweise mit der Hilfe von Fördergeldern des Landes, welche die großen Kommunikationsfirmen vielleicht ins Boot locken könnten.
Dann ging kurz vor Ende des vergangenen Jahres eine schriftliche Gratulation Bürgermeister Harry Eberts im Gauselfinger Rathaus ein: In Gauselfingen sei offensichtlich "das ganze Jahr Weihnachten", ulkte der Schultes und erklärte, die Stadt habe soeben ein Angebot der Vodafone erhalten, die jetzt von einem Sendemast in Neufra Internet per Funk ermöglicht. Das Sendegebiet reiche bis nach Gauselfingen und für Bürger, die daran interessiert seien, bestünde die Chance, diese Neuerung zu nutzen.
Filippo Cardaci, Projektmanager der Vodafone, erläuterte am Montag im Gemeindesaal zunächst die technischen Hintergründe (Funktioniert von der Übertragung her im Wesentlichen wie Fernsehen), führte außerdem aus, dass mit demselben System auch Telefon- und Handybetrieb möglich sind und erläuterte die einzelnen Vertragsmöglichkeiten. Unübersehbar ist die Vodafone bestrebt, möglichst schnell, möglichst viele Kunden zu gewinnen. Darauf deuten die zumindest auf den ersten Blick günstig wirkenden Tarife hin, sowie zahlreiche Vergünstigungen. Messungen etwa, ob der Standort eines Interessenten nicht vielleicht doch in einem "Funkloch" liegt, gibt es und bei geschickter Verhandlung gratis. Und wer durch einen längerfristigen Vertrag an andere Telefonanbieter gebunden ist, zahlt bei Vodafone das erste halbe Jahr keine diesbezüglichen Gebühren.
Man sah das Glitzern in den Augen vieler Zuhörer, Goldgräberstimmung. Doch meldeten sich auch kritische Stimmen zu Wort. Das Ganze sei, meinte einer, verglichen mit DSL "doch bloß eine 1b-Lösung". Dem wurde von anderen, darunter Ortsvorsteher Rudi Kanz, entgegen gehalten, es sei halt momentan die einzige Lösung.
In kommenden Tagen können sich Gauselfinger an einem Stand des Anbieters informieren. Er sollte ursprünglich vor dem Rathaus stehen. Inzwischen ist abgemacht, dass er im Rathaus Platz findet. "Wenn es um so wichtige Belange geht, lassen wir die Bürgerinnen und Bürger nicht in der Kälte stehen", meinte Rudi Kanz mit Verweis auf die frostigen Temperaturen.