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Burladingen Den Mut der Burladinger unterschätzt

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Dicht gedrängt und interessiert: Viele Burladinger und Bürger aus dem ganzen Zollernalbkreis sind nach Melchingen zur Podiumsdiskussion gekommen. Foto: Rapthel-Kieser Foto: Schwarzwälder-Bote

Die Diskussion unter dem Titel "Farbe bekennen gegen braun" im Melchinger Theater Lindenhof hätte eine tiefschürfende Polit-Veranstaltung werden können.­ Dass genügend Interesse und nicht überall Scheu besteht, sich in Burladingen und dem Landkreis gegen Rechtspopulismus und -extremismus zu bekennen, bewies nicht nur die bunte Mischung auf dem Podium.

Burladingen-Melchingen. Bonita Grupp von Trigema saß neben der CDU-Gemeinderätin Dörte Conradi und dem Melchinger Fasnets-Büttenredner und Ortschaftsrat Gregor Götz, dem Lindenhof-Intendant Stefan Hallmayer und der ehemaligen ehrenamtlichen Bürgermeister-Stellvertreterin Rosi Steinberg, die im Vorfeld vermutet hatte, die Leute würden womöglich "nur mit hochgeschlagenem Kragen" zu dem Abend kommen.

Weit gefehlt – sogar die Theatermacher haben sich ebenfalls gehörig ver- und den Mut der Burladinger wohl auch deutlich unterschätzt. Der kleine Saal wurde viel zu klein, und Diskussionsleiterin Susanne Stiefel musste aus den hinteren Reihen dringend darum gebeten werden, doch ein Mikro zu benutzen – man hörte sie hinten kaum.

Gut getan hätte es der Veranstaltung auch, wenn die Themen wirklich angegangen worden wären. Stattdessen gab es von der Stuttgarter Journalistin Stiefel zu lange überwiegend rückwärtsgerichtete Fragen, die in Burladingen in epischer Breite bereits diskutiert wurden. Die Ebert-Kritik stand viel zu sehr im Mittelpunkt.

Stiefel fragte die Burladinger Gemeinderätin Rosi Steinberg (Freie Wähler) und die Burladinger CDU-Frontfrau Dörte Conradi immer wieder nach längst Bekanntem, ließ sie lange berichten vom im Gemeinderat offen entbrannten Kampf gegen "Zündeln mit rechtspopulistischem Gedankengut" und einem Bürgermeister, den, so räumte Steinberg ein, "wir viel zu lange gewähren ließen".

Bonita Grupp, deren Bruder Wolfgang und Mutter Elisabeth auch unter den Zuschauern saßen, ist bei Trigema für E-Commerce zuständig. Sie berichtete vom Valentinstag vor zwei Jahren, jener netten, arglosen Werbeidee, das Foto eines Pärchens aus der "Trigema-Familie" bei Facebook zu posten. Beide arbeiten in der Firma, beide haben sich lieb und posierten vor einem roten Herz. Nur: er hat schwarze Haut.

Wie viele Hasskommentare aus der rechten Szene danach im Trigema-Postkasten landeten, hat die weltoffene junge Frau, die so wie ihr Bruder in der Schweiz ein Internat besuchte, in London studierte und in ganz Europa Freunde hat, doch fassungslos gemacht.

"Die Kommentare kamen aus ganz Deutschland", betonte sie; es sei kein Burladinger Phänomen gewesen.

Gregor Götz, Ortschaftsrat aus Melchingen, der in einer Büttenrede Harry Ebert als Bonsai-Trump bezeichnet hatte, blieb Schelm und augenzwinkernd, auch auf dem Podium. Er verlangte nach dem "König von Burladingen" – gemeint ist Wolfgang Grupp –, der jetzt ein Machtwort sprechen müsse.

Der Linken-Kreisrat Andreas Hauser aus Oberdigisheim erzählte von seinem Kampf ums Meßstetter Waldhorn: Der Verkauf der Traditionsgaststätte an die NPD stand einst im Raum, eine Landeserstaufnahmestelle mit NPD vor der Haustür wollte aber keiner wirklich, und die aufrechten Bürger setzten sich durch. Lindenhof-Intendant Stefan Hallmayer wurde von Moderatorin Susanne Stiefel gleich drei Mal gefragt, was Theater in einer Gemeinde wie Burladingen ausrichten könne, wie es gegen einen Bürgermeister wie Ebert aufstehen könne.

Hallmayer wies darauf hin, dass nach den Schmierereien am Kino auf Wunsch des Ensembles der "Elser", das Stück über den Hitler-Attentäter, wieder ins Programm genommen worden sei. Theater im Lindenhof sei und wolle auch "immer ein Stück Auseinandersetzung mit den realen Verhältnissen im Hier und Jetzt" bleiben.

Eine Fernsehreporterin aus der Landeshauptstadt fragte angesichts so viel Ebert-Schelte schließlich kritisch: "Und wenn der Ebert morgen zurücktritt, ist dann in Burladingen alles gut?" Teil der Antwort könnten jene Burladinger sein, die im Publikum saßen und sich fanden an diesem Abend. Sie standen auf, stellten Fragen, standen nach der Veranstaltung noch lange beieinander, um gemeinsam zu überlegen, wie es weiter gehen soll in dieser Stadt.

Die Reittherapeutin Tipsy Peucker war da, sammelte Unterschriften, kündigte eine Aktion mit 1000 bunten Luftballons unter dem Motto "Burladingen ist bunt" an. Sie bekam vom Pfarrer Christoph Dinkelacker die Erlaubnis, die Unterschriftenlisten, die in keinem Geschäft liegen dürfen, in seiner Kirche auszulegen. Der Kreisrat und ehemalige Burladinger Unternehmer Helmut Barth redete Tacheles, die in Hausen wohnende Ute Tatzel-Nowel sprach über die Angst der vielen Fehlastadt-Einwohner, mit denen sie Gespräche geführt hatte. Die, die Häusle haben, kleine Geschäfte haben, die Anträge stellen müssen oder eben mal falsch parken und die angewiesen sind auf Wohl und Wehe der Stadtverwaltung und des Chefs im Rathaus, der, so die Sorge, gerne mal nachtritt. Es könne nicht sein, betonte Tatzel-Nowel, dass der Gemeinderat für die schweigende Mehrheit alleine einen Kampf ausfechte. Sie bekam von der ehemaligen CDU-Fraktionssprecherin Dörte Conradi den Rat: "Besuchen Sie die Gemeinderatssitzungen, unterstützen Sie Ihre gewählten Bürgervertreter."

Ein Rezept gegen Populismus kam von der Burladinger Medizinerin Martina Scheytt-Lempp, die klar sagte: "Dass wir Angst haben, das geht nicht, das hatten wir alles schon mal, das darf auf keinen Fall wieder sein."

 
 

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