
Von Michael Klitzsch Bräunlingen. Für die LSG und Bräunlingen käme das einem personellen Erdbeben gleich: Der 61-jährige Klaus Banka denkt ernsthaft über eine frühzeitige Abgabe der Organisation des Schwarzwald-Marathons nach. "Die Belastung ist einfach zu groß", sagt er.Von 1400 auf 2600 Teilnehmer ist der Schwarzwald-Marathon in den vergangenen zehn Jahren unter dem Kommando von Klaus Banka gewachsen.
Die Bräunlinger Laufveranstaltung ist von einem netten Nischenlauf zu einem der markantesten Marathons des Landes aufgestiegen – und erntet jedes Mal Lob von allen Seiten für seine reibungslose Organisation: Wo man in Freiburg eine halbe Stunde auf eine Startnummer wartet, steht in Bräunlingen einer sportlichen Herausforderung in einer einzigartigen Landschaftskulisse nichts im Wege. Und der Marathon wächst weiter, 15 Prozent liegen die Anmeldungszahlen in diesem Jahr bereits über denen des Vorjahrs, gerade erst hat das Marathonbüro seine Räume um ein 70 Quadratmeter großes Büro im Nachbargebäude erweitert.
Den Löwenanteil an diesem beeindruckenden Trend darf man fraglos Organisations-Chef Klaus Banka zurechnen. Doch der 61-Jährige spürt die rund 1200 Stunden, die er im Jahr neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit in den Marathon steckt, immer stärker, erklärt er jetzt im Gespräch mit unserer Zeitung. "Die Belastung ist extrem."
Ein Teil dieser Belastung ist dem Lauffachgeschäft "City Sport" in Freiburg geschuldet, bei dem Banka seit November vergangenen Jahres hauptberuflich arbeitet. Täglich, auch samstags, pendelt er dafür in die Breisgau-Metropole. Nach der Arbeit setzt er sich dann regelmäßig noch eine Stunde an den Schreibtisch ins Marathon-Büro in der Sommergasse, am Wochenende besucht er Messen im ganzen Land, um für den Schwarzwald-Marathon zu werben. "Ich komme nicht mal mehr zum Joggen."
Mindestens zehn Marathons wolle er organisieren – das habe er bei seiner Wahl vor zehn Jahren der LSG versprochen, sagt Banka. Mit der anstehenden 44. Ausgabe 2011 hat der LSG-Chef dieses Soll erfüllt. Und Banka gibt zu: Gerne würde er den Marathon noch bis zum großen 50. Geburtstag 2017 begleiten. Doch bei der derzeitigen Belastung überlege er ernsthaft, nach dem kommenden Marathon aufzuhören.
Was müsste passieren, damit er weitermacht? Eine Hauptanstellung für den Marathon-Chef, wie ihn vergleichbare Läufe haben, wäre zwar die beste Lösung, aber aufgrund mangelnder Sponsoren-Gelder (circa 18 000 Euro insgesamt) derzeit unrealistisch, räumt der 61-Jährige ein. Hier würde nur ein deutlicher Aufwind bei den werbenden Unterstützern helfen, etwa, indem man den Titel des Marathons an einen Hauptsponsor verkaufe. Realistischer ist derzeit die zweite Option: die Arbeit im Vorstandsteam der LSG auf mehrere Schultern verteilen. "Ich hoffe, dass das klappt", sagt Banka.
Die Arbeit für den Marathon im Oktober 2011 läuft derweil weiter. Die angepeilte 3000er-Marke bei den Teilnehmern rückt auch dank der guten Voranmeldezahlen wieder in den Fokus. Läufer aus acht Nationen – darunter auch Singapur – sowie einige Favoriten sind schon mit an Bord: Vorjahressieger Josef Beha (Startnummer eins) aus Unterkirnach hat sein Kommen zugesagt und auch Profi-Läufer Hans-Jörg Dörr (Hatzenbühl, Startnummer zwei) ist dabei. Vorjahressiegerin Jaqueline Keller aus der Schweiz hat noch nicht definitiv zugesagt, Banka will sie bald treffen. Noch bis zum 30. Juni gelten für die Anmeldung günstigere Konditionen.
Aber es gibt auch ein paar Punkte, die den Marathon-Chef verärgern. Ganz vorne dabei ist der Umstand, dass der Sportgeschäft-Betreiber Sportscheck, erneut parallel mit dem Schwarzwald-Marathon am 8. Oktober den Halbmarathon in Freiburg startet.
Ein weiteres Sorgenkind ist der Nordic-Walking-Lauf, bei dem es immer wieder Beschwerden gibt über Läufer, die auf der Strecke irgendwann die Stöcke unter den Arm klemmen und regelwidrig anfangen zu laufen. Dabei gebe es bei den Nordic-Walkern gar keine Siegerlisten, zeigt Banka Unverständnis. Komme es auch in diesem Jahr zu solchen Regelbrüchen und darauf folgenden Ärger im Ziel, werde der Nordic-Walking-Lauf im kommenden Jahr gestrichen, droht der Organisations-Chef.