Bräunlingen - Er gilt als Hoffnungsträger der personell ausgebluteten Südwest-CDU. Mit seinem klaren Sieg (502 zu 230 Stimmen) gegen den langjährigen Abgeordneten Siegfried Kauder im Kampf um die Bundestagskandidatur geht der Aufstieg des Thorsten Frei weiter. Sein Wahlkreis Schwarzwald-Baar ist tiefschwarz und damit ein sicheres Sprungbrett. Die politische Karriere von Siegfried Kauder hingegen steht vor dem Ende.

Als das Ergebnis verkündet wird, ist Kauder schon nicht mehr da. Er verlässt den Saal, kurz bevor der Sieg seines Kontrahenten öffentlich wird. Siegfried Kauder bildet mit seinem Bruder, Unions-Fraktionschef Volker Kauder, das einzige Geschwisterpaar im Bundestag. Es wird bald getrennt sein. In seinem Wahlkreis war es zuletzt einsam geworden um den Juristen, der im Berliner Politbetrieb Ansehen genießt. Die Basis nahm ihm so manche Eigenmächtigkeit übel.

Frei hingegen fliegen die Sympathien zu. Vor Kurzem überraschte er bei seiner Wiederwahl zum Oberbürgermeister in Donaueschingen mit einem fast sozialistischen Ergebnis: Der 39-Jährige erhielt rund 99 Prozent der Stimmen. Landesweit hat sich Frei als Vize-Chef der CDU Baden-Württemberg und als Landesvorsitzender der Kommunalpolitischen Vereinigung seiner Partei einen Namen gemacht.

Frei war in seiner Karriere immer einer der Jüngsten. Als er 2001 den Chefposten des Kreisverbandes Waldshut übernahm, war er der jüngste CDU-Kreisvorsitzende in Deutschland. Bei seiner ersten Wahl zum OB vor acht Jahren war er der jüngste Rathauschef im Südwesten.

"Wir Kommunalpolitiker haben einen direkten Draht zu den Bürgern. Von den Erfahrungen, die wir an der Basis machen, können auch die Landes- und die Bundespolitik profitieren", sagte der verheiratete Vater von zwei Kindern kürzlich.

Nach der Bundestagswahl 2013 wird er sich aller Voraussicht nach im Berliner Parlament beweisen können. Als Herausforderer des populären grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann bei der Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg komme er aber nicht infrage, erklärte Frei nach seiner Nominierung.#

Siegfried Kauder spielt in den Planungen der Partei indes keine Rolle mehr. Sie sucht nun einen neuen Kreisvorsitzenden. Den Posten, den Kauder seit 1993 inne hat, möchte Frei nicht. Er sieht sich als Teamspieler. Mit einer erneuten Kandidatur Kauders wird nicht gerechnet.