Freiburg/Illmensee - Am Bodensee geht die Angst um. Bürger, Vertreter von Umweltorganisationen und die Bodenseewasserversorgung wehren sich gegen Pläne von zwei britischen Unternehmen, die Erdgas mit einer umstrittenen Methode fördern wollen.

Schon das Wort klingt irgendwie gefährlich, unheimlich, gewalttätig: Wenn vom »Fracking« die Rede ist, packt vor allem im Bodenseeraum manchen Bürger das sorgenvolle Grausen. Denn »Fracking« meint die unterirdische Erschließung von »unkonventionellem Erdgas«. Auch das ist ein Begriff, der Rätsel aufgibt.

Von »unkonventionellem Erdgas« ist die Rede, wenn Experten von kleineren Vorkommen in der Erde sprechen, die nicht wie eine große »Gasblase« angezapft werden können. Um an den Rohstoff zu kommen, muss man in drei Kilometer Tiefe unterirdische Sprengungen mit einem Gemisch aus Wasser und Chemikalien vornehmen. Diese Technik nennt man »Fracking«. In den USA ist sie weit verbreitet, und von dort gibt es dann auch Horrorberichte von verseuchtem Trinkwasser, das mit Erdgasgeschmack aus dem Wasserhahn kommt.

Auch im Bodenseeraum sind als einer von weltweit rund 50 Regionen »unkonventionelle Erdgasvorkommen« vorhanden, mit denen man angeblich die Gasversorgung Deutschlands für ein Dutzend Jahre sichern könnte. Zwei britische Firmen sind seit drei Jahren mit Voruntersuchungen zugange, das Landesamt für Bergbau (LGRB) am Regierungspräsidium (RP) Freiburg ist als Genehmigungsbehörde im Boot. Kein Wunder, dass bei einer Infoveranstaltung des LGRB jüngst in Illmensee der Andrang mit rund 300 besorgten Bürgern groß war. Selbst aus Österreich und der Schweiz waren Journalisten angereist.

Vertreter der Firmen Parkyn Energy und Bell Exploration Ltd. hatten sich zur Teilnahme bereit erklärt. Die englischen Gassucher wurden von einem besorgten Bürger mit den Worten »go home« begrüßt. Umweltverbände und Bürgerinitiativen sind aufgeschreckt und haben sich informiert, während einer der anwesenden Firmenvertreter zu beschwichtigen versucht, indem er die beim »Fracking« eingesetzten Chemikalien mit Kosmetika und Haushaltsreinigern vergleicht.

Die Firmen Parkyn Energy und Bell Exploration Ltd. wollen die Möglichkeiten des »Fracking« im Bodenseeraum ausloten. Das LGRB hat in einem Fall die Konzession für Voruntersuchungen zuletzt verlängert, im zweiten Fall steht die Verlängerung noch aus. »Das sind aber keine Bohrgenehmigungen«, betont RP-Sprecher Joachim Müller-Bremberger.

Ralph Watzel, der Präsident des LGRB, bilanzierte nach der Diskussion in Illmensee: »Die betroffenen Bürger konnten ihre diversen Sorgen und Be­fürchtungen zum Thema ›Erdgasexploration am Bodensee‹ äußern.« Der Ge­nehmigungsbehörde sei sehr daran gelegen, einigen Sorgen durch Sachinformation zu be­gegnen. Die »kritische Aufmerksamkeit« der Bevölkerung sei bei dem Thema verständlich. »Uns liegt daran, dass wir alle Genehmi­gungsverfahren, an denen wir beteiligt sind, transparent und mit der erforderli­chen Fachkunde gestalten«, so Watzel weiter. »Wir prüfen gründlichst und schludern nicht.«

Die Bodensee Wasserversorgung (BWV) hat die Öl- und Erdgassuche am Bodensee scharf kritisiert: Die BWV ist für die Wasserversorgung von 5,5 Millionen Menschen in über 300 Kommunen im Land verantwortlich und befürchtet, dass durch das »Fracking« das Trinkwasser gefährdet werden könnte. Marcel Meggender, Technischer Geschäftsführer der BWV, kritisiert zudem, dass die BWV von den Voruntersuchungen im Bodenseeraum nicht einmal informiert worden sei – eine Kritik, der das LGRB nun mit seiner Informationspolitik entgegentreten will. »Fracking« und Trinkwasser seien zwei Dinge, die nicht zueinander passen, sagt der Wasserversorger.

Bohrgenehmigungen sind noch nicht beantragt worden

Ähnlich hat im vergangenen Jahr bereits die Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke Bodensee/Rhein (AWBR), eine Vereinigung von über 70 Wasserwerken aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Österreich und Liechtenstein, argumentiert. Auch Ver­bandsdirektor Wilfried Franke vom Regionalverband Bodensee-Oberschwaben ist besorgt, dass »Fracking« am Bodensee Risiken berge, die nicht vollständig ausräumbar seien. Der Regionalverband, die BWV und die AWBR lehnen das »Fracking« daher ab.

Das Thema ist derzeit in aller Munde: Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) sagte zu Wochenbeginn gegenüber der dpa, dass »Fracking« in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland gegen den Willen der Bevölkerung nicht machbar sei. Es gibt in der Union jedoch auch Stimmen, die »keine Tabus« beim Thema Gasversorgung fordern. Auch das Land Baden-Württemberg steht dem Thema kritisch gegenüber, wie Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) im Sommer bei einer Veranstaltung der AWBR betonte.

Bohrgenehmigungen sind im Regierungsbezirk Freiburg weder beantragt noch erteilt worden. Und LGRB-Abteilungsleiter Axel Brasse betonte in Illmensee: »In jeden Genehmi­gungsschritt wird die Wasserbehörde eng eingebunden«. Nicht nur das Bergrecht zähle, sondern auch der Wasserschutz habe ein hohes Gewicht, so Brasse.

 
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