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Blumberg NPD-Aktivist war Beisitzer im Boxsportverein

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Siegfried Pauly. Seit Januar dieses Jahres hat er sich nicht mehr im Blumberger Boxer-Point blicken lassen. Foto: Archiv

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Blumberg - Beim Fototermin nahm Siegfried Pauly im Blumberger Boxer-Point die Position eines Linksauslegers ein: Linkes Bein und linke Führhand richten sich gegen einen fiktiven Gegner, die Faust der rechten Schlaghand befindet sich auf Kinnhöhe.

Politisch ist Pauly aber ein Rechtsausleger. Er ist Mitglied der NPD, laut deren Internetseite Vorsitzender im Kreisverband Konstanz und kandidierte bei der Landtagswahl 2016 für die rechtsextreme Partei im Wahlkreis Singen.

Die Landtagswahlen 2016 bereits im Blick

Laut Kandidatenliste war er damals 40 Jahre alt und verheiratet. Der Berufskraftfahrer nannte als Hobbys Politik und Boxsport.

In Frankfurt/Oder sei er 2011 der NPD beigetreten. "Nach fast zwei Jahrzehnten in Freien Kameradschaften entschloss ich mich, auch politisch aktiv zu werden", ließ er sich im Internet zur Kandidatur zitieren. Bis Januar 2017 war Siegfried Pauly regelmäßig in Blumberg anzutreffen: als Jugendtrainer.

In Singen Wehrlosen ins Gesicht geschlagen

Michael Schäfer, Vorsitzender des Blumberger Boxsportvereins, wusste von der Parteizugehörigkeit seines Trainerkollegen. Ihm sei aber nicht bekannt gewesen, dass Pauly "zum aggressiven Block" gehöre.

Pauly kam schon häufiger mit dem Gesetz in Konflikt und im Augenblick ermittelt die Polizei erneut gegen ihn. Er soll Ende Januar dieses Jahres in Singen einem Wehrlosen brutal ins Gesicht geschlagen haben.

Das Opfer habe zuvor von einem Bekannten Paulys nach einer verbalen Auseinandersetzung unvermittelt einen Kopfstoß erhalten. Die Schläger flüchteten, konnten von der Polizei aber ermittelt werden.

Schäfer und Pauly kennen sich seit 1989

Michael Schäfer und Siegfried Pauly kennen sich schon seit vielen Jahrzehnten. Von 1989 bis 1993 trainierten sie gemeinsam beim Boxsportclub Blumberg, den damals Erich Schäfer, der Großvater von Michael Schäfer, leitete. Pauly kehrte dann in seine Heimatstadt Frankfurt/Oder zurück, wo er seine durchaus erfolgreiche Laufbahn als Amateurboxer fortsetzte.

Vor rund zweieinhalb Jahren tauchte Pauly wieder in der Region auf. Und zwar zunächst als Boxtrainer beim TV Bietingen. Nachdem seine Kandidatur für die vom Verfassungsschutz beobachtete NPD bei der Landtagswahl öffentlich wurde und es zu einiger Aufregung im Verein kam, legte Pauly laut dem dortigen Vorsitzenden Hansi Auer sein Jugendtraineramt auf eigenen Wunsch und nach Druck durch einige Eltern mit sofortiger Wirkung nieder.

"Der Vorstand respektiert diese Entscheidung und dankt Siegfried Pauly für sein Engagement beim Aufbau des noch sehr jungen und stetig wachsenden Sportbereichs", betonte Auer ausdrücklich.

Eine fachliche Kompetenz von Siegfried Pauly kann hingegen auch Michael Schäfer nicht von der Hand weisen. Als Trainer habe er sich immer korrekt gegenüber dem Boxnachwuchs verhalten, habe viel von seiner eigenen guten Technik weitervermitteln können.

Ausländerfeindliche oder rassistische Sprüche seien von Pauly nie im Vereinsheim zu hören gewesen. Auch nicht nach dem Training, wenn man bei einem Getränk noch zusammensaß.

Schäfer unterstreicht auch, dass es beim Boxsportclub Blumberg multikulturell zuginge. Man trainiere Kinder und Jugendliche aus Russland, der Türkei, aus Ex-Jugoslawien und sogar zwei Flüchtlinge aus Syrien hielten sich im Boxer-Point fit.

Schäfer sagt, nicht gewusst zu haben, dass Pauly schon mehrere Male mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Vom Amtsgericht in Köln wurde er verurteilt, weil er an den Hooligan-Krawallen in der Domstadt im Oktober 2014 beteiligt war und Glasflaschen auf Polizeifahrzeuge geschleudert haben soll.

Vor dem Singener Amtsgericht hatte er sich wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zu verantworten. Für Pauly kein ungewohnter Termin.

Immer wieder wird gegen den strammen Kameraden ermittelt, beim Staatsschutz ist der Name bekannt; die Polizei hatte öfter mit ihm zu tun. Auch Gottmadingens Bürgermeister Michael Klinger hat seine Bekanntschaft gemacht. Und das nicht nur bei Mitgliederversammlungen des TV Bietingen.

"Er war mit der rechtsgerichteten Kameradschaft Höri/Bodensee an einer Stickeraktion 2013 in Gottmadingen beteiligt. Wir haben damals Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet", berichtet Klinger. Zu einer Verurteilung des bekennenden NPD-Mitglieds ist es in dieser Sache bislang aber nicht gekommen, wie Recherchen am Amtsgericht in Singen ergeben haben. Wie hätte Schäfer reagiert, wenn er davon gewusst hätte, dass Pauly nicht nur im Boxring gerne die Fäuste fliegen lässt? "Dann hätte ich ihn rausgeworfen", sagt der Vereinsvorsitzende. In der Satzung des Vereins sei klar geregelt, dass Straftaten von Mitgliedern mit dem Entzug der Mitgliedschaft geahndet würden. Einmal habe er davon auch schon Gebrauch gemacht. Und zwar bei einem Schüler.

Boxsport gerät durch Straftaten in Verruf

Auch wenn Schäfer seinen ehemaligen Trainerkollegen, was dessen boxerisches Know-how anbelangt, in Schutz nimmt, sauer ist er trotzdem auf ihn. "Ich war schockiert, als er mir gebeichtet hat, dass die Polizei erneut gegen ihn ermittelt. Er hat unseren Sport mit seinem Verhalten in Verruf gebracht. Das ärgert mich."

Uwe Hamann, Präsident des Boxverbands Baden-Württemberg, berichtet auf Nachfrage, dass man den Boxsportverein Blumberg abgemahnt habe. "Unsere Geschäftsführerin Marina Hermann hat bei dem Verein angerufen und deutlich gemacht, dass wir mit solchen Leuten wie Pauly nichts zu tun haben wollen."

Der Verband erwarte von seinen Trainern einen einwandfreien Leumund. Pauly sei verbandsmäßig nie groß in Erscheinung getreten. Hamann nennt Pauly ein "kleines Licht", der versucht habe, in einem kleiner Boxverein Fuß zu fassen. Nach Hamanns Kenntnisstand lebt Pauly heute in Berlin.

Vor dem Umzug in die Bundeshauptstadt habe Pauly beim Box-Verband Baden-Württemberg noch versucht, eine Ersatz-Trainerlizenz ausgestellt zu bekommen, weil er den Trainerschein angeblich verloren habe.

Hamann will jetzt seinen Präsidenten-Kollegen in Berlin anrufen und darüber informieren, wer da womöglich die Absicht hat, in einem Berliner Boxsportclub mitzumischen. Ausländerfeindlichkeit und Boxsport passen für den Sportfunktionär überhaupt nicht zusammen. Denn Boxen sei seit den 60er-Jahren, als die ersten Gastarbeiter aus Italien nach Deutschland gekommen sind, "gelebte Integration".

 
 

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