Von Achim Stiller

Blumberg. Berkan Günartan ist 16 Jahre alt. Er ist Rapper, Gangsta-Rapper. Der Schüler aus Blumberg macht sich derzeit als Talent in der Szene einen Namen. Sein Ziel: Als BIGDOGG ein erfolgreicher Rapper zu werden.

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Da sitzt er nun in der Redaktion, ein höflicher und gepflegter junger Mann, der sich auszudrücken weiß, aufmerksam und freundlich. Das soll der Gangsta-Rapper sein, der in seinem Musik-Video auf Youtube so cool rüberkommt? Fast nicht zu glauben, wäre da nicht der für die "Blackheads" charakteristische Schnitt der schwarzen Haare, seitlich ganz kurz und oben gestylt. Oder auch die für die Szene typische schwarze Thug Life Jacke mitsamt übergroßer Uhr am Handgelenk. Doch wenn er anfängt zu erzählen, wie er zur Musik und im Speziellen zum Gangsta-Rap gekommen ist, dann tritt ein Glühen in seine dunklen Augen. Dann vollzieht sich eine Wandlung. Dann wird aus dem Schüler Berkan Günartan der Rapper BIGDOGG. Unter diesem Künstlernamen kennen ihn in der Region immer mehr Jugendliche.

Berkan Günartan ist ein Blumberger. Hier geboren, hier aufgewachsen und mit türkischen Wurzeln, wie auch schon seine Eltern, Vater Okan und Mutter Birgül, die in der Tevesstraße den Frisörsalon "CreHaartiv" betreibt. Musik fasziniert ihn von klein auf. Sehr früh kristallisierte sich dabei die Sympathie für den Rapp heraus.

Vorbild "Snoop Dog"

Der amerikanische Rapper "Snoop Dogg" wurde für ihn geradezu zur Ikone. Ihm eiferte er nach, wie auch Szene-Größen wie "2Pac" oder "Ice Cube". "Die haben es geschafft aus dem Ghetto auf die große Bühne." Dort will er auch hin. Dabei fasziniert den Nachwuchsmusiker nicht etwa das Gewalt-Milieu, sondern die Kreativität, die Coolness und Zähigkeit, mit der seine Idole ihren Weg gemacht haben. Sich selber hat er allerdings auch des Öfteren unverstanden bis diskriminiert empfunden, zum Beispiel in der Schule, wenn Lehrer auf seine ersten Rapper-Schritte mit Ablehnung reagiert haben. "Mir ist es schon passiert, dass ich im Zug nach Villingen dreimal kontrolliert worden bin, weil ich wie ein Blackhead aussehe. Da wird man schnell in eine bestimmte Ecke geschoben."

Berkan begann bereits mit neun Jahren eigene, einfache so genannte House-Mouse-Raps zu schreiben und auf eigene Beats, also den typischen Rap-Rhythmus zu singen. So richtig ins Geschäft stieg Berkan Günartan mit 13 Jahren ein. Zwar hatte er da erst zwei Jahre Englisch auf der Schule, versuchte sich aber dennoch in der Analyse englischsprachiger Rap-Songs, wobei der Google-Übersetzer gute Hilfe leistete. Der junge Blumberger fing an, wieder eigene Texte zu schreiben und nahm sich vor, spätestens mit 14 einen eigenen Track, ein Musikvideo, für die Internet-Videoplattform Youtube zu produzieren. Materielle Unterstützung gab es von den Eltern, denn die Produktion musste in Eigenregie laufen. Für ein professionelles Studio fehlte dem Schüler einfach das Geld.

Die Sache lief. "Freunde sagten, ich soll den Track raushauen", erzählt Berkan, der dann auch einen eigenen Youtube-Kanal anmeldete. "I’m a Gangster" hieß der Song, ein typischer Gangsta-Rap, dessen Textinhalt der musikalischen Umsetzung eines amerikanischen Gangsterfilms gleicht. Der Erfolg war beachtlich. 4000 Klicks für diesen Track waren durchaus beachtlich. Das fanden auch Rapper aus Villingen-Schwenningen, die mit ihrem Profi-Studio und dem Label "V-Musik" in der Region einen Namen haben. Sie boten dem jungen Nachwuchs-Rapper an, bei ihnen zu produzieren.

Track rausgehauen

"Dann ging’s richtig los. Ich bin denen sehr dankbar", schwärmt Berkan. "I’m a Gangster" war noch sehr laienhaft produziert, was ihm auch einige Kritik einbrachte. "Mir schrieben Leute, ich könnte nicht rappen". Berkan machte seinem Ärger darüber in dem Song "Haterz" Luft, der nunmehr professionell aufgenommen wurde. "Danach war Ruhe", merkt er mit sichtlicher Genugtuung an.

Der junge Rapper gab sich fünf Monate Pause und plante darin sein erstes Mixtape, das kostenlos heruntergeladen werden konnte. Der nächste Schritt war jüngst ein Musik-Video auf Youtube mit dem Song "Business". Idee, Drehbuch und Song, alles von Berkan Günartan, der mittlerweile eine eigene Fan-Page auf Facebook hatte mit 400 Freunden. Die wächst übrigens immer weiter. "V-Musik" sorgte für den professionellen Dreh auf dem Hof der Blumberger Realschule. Autos von Freunden und der Verwandtschaft im Hintergrund, Freunde als Statisten und geschickte Einstellungen, bei denen die Absperrgitter der Feuertreppen am Schulgebäude Ghetto-Atmosphäre vermitteln. Provokation, wenn ein Jugendlicher mit einem Elektroschocker hantiert, provokant auch der Text, der schonungslos mit so genannten "Chabos" abrechnet, die auf der Straße und auf Schulhöfen dealen. Selber Drogen zu nehmen, käme für Berkan übrigens niemals in Frage.

"Business" kam an. Nur eine Stunde nachdem das Video auf Youtube online gestellt war, gab es schon 1300 Klicks. Mittlerweile sind es über 7200.

Seit Oktober gibt es auch das erste Album von BIGDOGG mit zwölf Songs. "Business" gehört dazu aber auch "Ghetto-Admiral", "Mach ihn groß" oder "Ich bin der Boss". Die Titel sind Programm, die Inhalte für manchen Erwachsenen zum Teil irritierend mit ihren Aussagen, in die man auch auch ein wenig differenziertes Verhältnis zur Gewalt interpretieren könnte. "Da fließen eigene Erfahrungen ein aber auch das, was mir Freunde berichten", erläutert Berkan. Wenn er in "Business" vom Ghetto singt, dann ist damit eben nicht Blumberg gemeint, sondern eher Großstadtbereiche, etwa Frankfurt. Auch dort hat er nämlich Freunde.

"Ich interessiere mich für viele Themen, die Szene, und ich führe viele Gespräche. Daraus entwickele ich meine Texte." Die in "Mach ihn groß" zum Beispiel hören sich nach Abwertung von Frauen an. "Wenn einer Erfolg hat, dann läuft ihm ein bestimmter Typ von Frauen nach und die tun alles dafür", erklärt der Jung-Rapper die Intension dieses Songtextes. Allerdings fließt auch ein Teil Wunschdenken mit ein, etwa der coole Boss zu sein, umschwärmt von Frauen, aber nur solche die er mag, und natürlich mit viel Geld in der Tasche.

Neues Video kommt

Berkan, alias BIGDOGG, schreibt gerade an einem neuen Musikvideo und hat Tracks in Planung. Neben der Musiker-Karriere, an die der junge Blumberger intensiv glaubt, besucht er aber auch die Kaufmännischen und hauswirtschaftlichen Schulen in Donaueschingen (KHS), um seinen Realschulabschluss zu machen. Die Noten sind überdurchschnittlich, weshalb als nächster Schritt die Fachhochschulreife angepeilt wird.

Auf seiner Fan-Page gehen derweil Reaktionen ein, auch aus Spanien, der Türkei und sogar aus China. "I like your music", schrieb ihm jemand von dort. Aber auch auf der Straße ist er schon angesprochen worden. In Singen, wo er mit Freunden unterwegs war, kamen plötzlich sechs Mädchen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren auf ihn zu. Er sei doch BIGDOGG, der in dem Video auf Youtube und zeigten ihm auf ihren Handys seine Songs als Uploads. Berkan erzählt’s und dass ihm das gefallen hat, ist ihm anzumerken.

Weitere Informationen: Wer BIGDOGG auch Youtube sehe und hören möchte, hier die Netz-Adresse: http://www.youtube.com/watch?v=QpC7iR8kP9Q Auf Facebook ist er zu finden unter: Bigdogg (Official)

u Gangsta-Rap ist ein Genre der Rapmusik, das zunächst gewaltorientiert, mittlerweile aber klischeehaft das Lebensumfeld eines Gangsters im Sinne von "Mitglied einer Gang" beschreibt. Diese Form des Hip-Hop entstand in den Ghettos der US-amerikanischen Großstädte, und so waren die dortigen sozialen Probleme wie Gewalt und Drogen von Beginn an wichtiger Teil der Liedtexte. Stars der Szene sind unter anderem "50 Cent", "2Pac", "Coolio", Ice-T" oder auch "Ice-Cube".