Bitz - Eine Bar auf Abwegen, eine tote Ratte und ein fettfreier letzter Platz: An Originalität war das Blue Tupper Race nicht zu schlagen.

Gefühlte 30 Grad unter Null – da mag die Sonne über Bitz lachen, wie sie will: Es ist einfach saukalt an diesem Samstag Nachmittag, da das Blue Tupper Race ein Höhepunkt des Partywochenendes zu werden verspricht. Doch bevor die seltsamen Gefährte – Konstruktionen rund um die blaue Tonne – den Skihang hinunter sausen, rollen richtige Fahrzeuge an: Oldtimer aus der Zeit noch vor dem Zweiten Weltkrieg kommen über die planierte Schneefläche. Oder bleiben stecken. Doch die Fahrer sind Freunde. Kaum dreht eines der Räder durch, springen alle zu Hilfe.

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Weiter oben am Skilift haben das Team des Inline-Hockey-Clubs Bitz und der Abteilung Lift und Loipe im Turnverein in den Zelten und Buden Heizstrahler, dampfende Getränkekessel und Bräter angeworfen. Nicht, dass Glühwein gegen die Kälte helfen würde – nur macht man sich nach dem dritten Becher weniger daraus.

Schaulustige stehen um selbst gebaute Bobs herum und begutachten Konstruktion und Originalität. Da lässt Markus Ringle gleich mal ein Ohr rüberwachsen: Der Moderator von "Dilari Events" in Albstadt muss sich ein Bild von Volkes Meinung machen. Denn nicht nur die Zeit der Bobfahrer, in der sie den Hang bewältigen, zählt am Ende, sondern auch die technischen und optischen Qualitäten des Blautonnenrenners.

Was Letztere angeht, so haben Sin-Moo Choi und seine Familie ihren Flitzer besonders pfiffig gestaltet: Ein lachendes gelbes Gesicht, schwarze Zöpfe und ein Chinesenhut – der Bitzer Gemeinderat nimmt seine asiatischen Wurzeln auf die Schippe. Schade, dass er im zweiten Renndurchgang umkippt. Doch sein Bob ist nicht der einzige, den es zerlegt: Auch der Sponsorenbob der Volksbank Ebingen stürzt spektakulär und landet am Ende auf Platz fünf, nur noch gefolgt vom Team "Fettfrei".

Höllenritt im Sarg

Neuer Blue-Tupper-Weltmeister wird "Mahles Friedhofsklause", die den Zuschauern am Hang – die Kulisse ist dicht, als wäre es warm – doch einen Schauer über den Rücken treibt mit Geistermasken und schwarz gewandeten Körpern, die in einem Sarg sitzen. Wie auf Kommando verliert einer der Jungs den Helm. Trotzdem: Der Höllenritt erweist sich als Siegesfahrt.

Auch die Bluebar, das wohl größte und ungewöhnlichste Gefährt, verliert etwas: Kurz bevor die Bar mit Flaschen und Barhockern mitten auf der Strecke stehen bleibt, schleudert eine tote Ratte heraus, die Co-Moderator Stephan Salscheider dem johlenden Publikum präsentiert. "Sie war offensichtlich erfroren", mutmaßt Markus Ringle und hat auch eine Erklärung dafür: Weil das Rennen 2011 wegen Schneemangels ausgefallen war, standen einige der Bobs schon länger in den Bitzer Scheunen herum.

Apropos länger: Nach dem Rennen mit "Audi Quattro" und "Born to be yellow" punktgleich auf Platz zwei, "Bluebar" und "Puff Piano" auf Platz drei sowie "Tiger Panzer Pfeffingen", dem "Team Caribic" und "Die zwei aus Bitz" auf Platz vier geht es an den Ständen und in den Zelten noch länger lustig zu. Heizstrahler und heiße Rote machen die Kälte vergessen, und bei Nacht strahlen die beleuchteten Bobs.