Von Christoph Holbein

Bitz. Es ist ihre zweite gemeinsame Reise gewesen und sie führte vier Monate lang durch West- und Nordwestafrika. Am Ende hatten Sonja Denkinger und Knut Kahrau aus Bitz circa 18 500 Kilometer zurückgelegt und jede Menge Erlebnisse und Erfahrungen im Gepäck.

Bestens ausgerüstet startete das Paar in sein Abenteuer: in einem selbst gebauten Fernreisemobil auf Lastwagen-Basis: "Wir verkaufen diese Lastwagen oder bauen sie im Auftrag um und restaurieren sie", erzählt Knut Kahrau. Um ein solches Auto auszuprobieren, ob auch alles funktioniert, entschlossen sich die Beiden, mit dem Gefährt nach Westafrika zu fahren, um dem Winter zu entfliehen und dort die idealen klimatischen Voraussetzungen vorzufinden.

Aus ihrer Erfahrung vergangener Jahre wussten sie: "Für Afrika kann man nichts planen." Ein Ziel war Marokko, wo ein Bekannter eine Kleiderkammer für Nomaden betreibt. Und so hatten sie "jede Menge Sachen" in ihrem Lkw verstaut – vor allem Schuhe und Kinderkleidung. Hauptfaktor auf dieser Reise war der Treibstoff: Rund 3500 Liter Diesel verbrauchten die Zwei, den bekamen sie in der Westsahara für 58 Cent pro Liter. "Wir sind durchschnittlich relativ günstig gefahren, haben nicht mal 20 Liter auf 100 Kilometer benötigt." Vor Ort kauften sie nur das Nötigste, kochten selbst und hatten für die vier Monate so Kosten um die 8000 Euro. Am teuersten war die An- und Abreise, denn es sind alleine 2500 Kilometer, bis Afrika erreicht ist, also 5000 Kilometer, die sie hin und zurück quer durch Europa zurücklegten.

An der Nordküste Marokkos entlang ging es in den Osten und dann kreuz und quer durch das Land, das für Sonja Denkinger "eines der interessantesten Länder Afrikas ist und gleichzeitig zwiespältig zwischen Armut und traumhaften Stränden, alten Burgen und Wüste". Nächste Station war Mauretanien, wo die Beiden einen Stellplatz auf dem Gelände "Les Sultanes" hatten – direkt am Meer – und keinerlei Probleme der Kommunikation: "Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt, ein paar Brocken Französisch, ein bissle Englisch und oft auch Deutsch."

Im Senegal wurde es bunt und grün. Die Menschen sind farbenfroher gekleidet: "Da fängt Afrika an", sagt Knut Kahrau. Ab dem Senegal ist Schwarzafrika. Mit dem 7,5-Tonnen-Allrad-Wohnmobil ging es durch einen Nationalpark mit Warzenschweinen, Schwarzstörchen und Pelikan-Kolonien. "Wir sind zu 90 Prozent wild gestanden, irgendwo, wo es schön war und uns gefallen hat, selten auf festen Plätzen" – dort immer dann, wenn Wasser zu fassen war. Selbst hatten die Beiden knapp 1000 Liter Trinkwasser mit dabei und 900 Liter Diesel. Zehn bis 15 Liter Wasser verbrauchten sie pro Tag und pro Person, insgesamt 1200 bis 1500 Liter für die vier Monate, zwischendurch tankten sie auf.

In Dakar fuhren sie auf "Tuchfühlung" mit den anderen Autos und schwammen mit im afrikanischen Lebensstrom nach dem Motto: "Die Afrikaner haben die Zeit und wir die Uhren." In Bandia besuchten sie einen Nationalpark, den ein Deutscher betreibt, und machten Safari. Die Affen turnten auf dem Lkw herum. Krokodile und Nashörner waren die Nachbarn; und Knut Kahrau erlebte in stockdunkler Nacht in kurzer Hose und mit Badeschlappen eine besondere Begegnung, etwas schwarzes, armdickes, 1,5 Meter langes Irgendwas schlängelte sich weg: "Ich habe noch einen Stein hinterher geworfen." Am darauffolgenden Morgen erfuhr der 53-Jährige, dass dies eine schwarze Mamba war, deren Biss sofort tödlich ist.

"Wir haben vor Ort das Land, die Menschen und die Geschichte Afrikas kennengelernt", sagt Sonja Denkinger. So suchten die Beiden den Kontakt mit den Einheimischen: "Du darfst keine Angst haben vor Berührungen." Von grünen Meerkatzen geweckt ging es mit dem Park-Besitzer auch mal auf Jagd, und Weihnachten verbrachte das Paar am Strand mit einer mit Bierbüchsen dekorierten Palme.

Im Nationalpark Niokolo-Koba im südöstlichen Senegal mieteten sie sich einen Führer und besuchten Löwen, Geparden und Elefanten. Tagsüber waren in der Sonne 40 bis 47 Grad auszuhalten, nachts kühlte es auf 20 bis 25 Grad ab: "Das war optimal zum Schlafen", sagt die 54-Jährige. Im Gambia-River machte sie sich frisch, vom Geschrei der Paviane begleitet.

Zwischen Wüste und subtropischem Sumpf

Es war eine Reise zwischen Wüste und subtropischem Sumpf, zwischen Strand und Lagerfeuer genährt von Treibholz und auch mit unliebsamen Erlebnissen, als nachts einer ins Auto steigen wollte: "Ich bin mit der Machete hinterher", erzählt Kahrau. Letztlich entpuppte sich der "Eindringling" als harmloser Jugendlicher, der nach Essen und Kleidung suchte. Eine Flusstour auf dem Gambia und der Abstecher an die Mündung des Flusses waren die letzten Stationen, ehe die Beiden "gemütlich" wieder die Heimreise antraten mit einem eigenen Bild von Land und Leuten.

Weit in den Osten oder den Westen soll es beim nächsten Mal gehen: Vietnam oder Mexiko – und ein Traum ist: Mit dem Auto nach Kuala Lumpur in die Hauptstadt Malaysias zu fahren: "Aber da brauchen wir ein halbes Jahr Zeit."