Bitz Kapitän in der Wirtschaftswunderzeit

Schwarzwälder-Bote, 02.08.2012 17:02 Uhr

Bitz (key/lh). 30 Jahre lang war Theodor Ambacher Bürgermeister in Bitz und hat maßgeblich die heutige Gestalt der Gemeinde geprägt. Am Dienstag ist er im Alter von 93 Jahren gestorben.

"Noch heute kann man in der Gemeinde ablesen, was Theodor Ambacher alles geleistet hat", sagt Bürgermeister Hubert Schiele über den Mann, der 30 Jahre lang das gleiche Amt ausgeübt hat.

Geboren in Owen unter Teck, hatte Theodor Ambacher nach dem Gymnasium in Kirchheim die Ausbildung zum gehobenen Verwaltungsdienst eingeschlagen, ehe er zum Reichsarbeitsdienst und zur Wehrmacht eingezogen wurde. Dass er nach seinen Einsätzen im Zweiten Weltkrieg am Westwall und in Russland 1945 in Danzig verwundet wurde, hat ihm wohl das Leben gerettet – so konnte er nach seiner Genesung heimkehren, 1947 Rosa Tränkle heiraten und seine Ausbildung fortsetzen, die er 1948 mit der Staatsprüfung zum Diplomverwaltungswirt abschloss.

Starker Rückhalt für die Amtszeit

Gegen vier Konkurrenten ist Theodor Ambacher bei den Bürgermeisterwahlen am 5. Dezember 1948 in Bitz angetreten – und hat dennoch nicht weniger als 75,2 Prozent der Stimmen bei 88 Prozent Wahlbeteiligung geholt – ein starker Rückhalt für seine Amtszeit, die am 2. Januar 1949 begann und nach zwei Wiederwahlen erst am 5. Januar 1979 endete.

Die Aufgaben während dieser Zeit unterschieden sich teilweise gravierend: Während der Wohnungsnot der ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg galt es, zahlreichen Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf zu verschaffen. Dann kam die Zeit des Wirtschaftswunders, in der sich Ambacher darum kümmerte, die Infrastruktur der boomenden Trikotindustrie anzupassen. Der Ausbau der Wasserversorgung und die Gründung des Zweckverbandes Wasserversorgung Zollernalb im Jahr 1950 – nach den trockenen Sommern 1947 und 1949 – fallen in diese Zeit.

1964, nach Missständen bei der Abwasserbeseitigung, folgte die Gründung des Abwasserverbands Scher-Lauchert, dem Ambacher bis 1979 vorstand.

Zu Ambachers maßgeblichen Verdiensten gehören außerdem die Erweiterung des Bitzer Stromnetzes, die Flurbereinigung in den 1950er-Jahren sowie die Schaffung neuer Baugebiete, sowie der Bau der Grund- und Hauptschule, der Schulturnhalle und der Festhalle. Neben dem Rathaus entstanden Gebäude für Apotheke und Arztpraxis, Feuerwehr und Rotes Kreuz. Er förderte den Bau von Vereinsheimen und gründete 1969 die Jugendkapelle.

Dass Ambacher ein Mann gewesen sei, der sich durchsetzen und hart verhandeln konnte, wenn es um das Wohl seiner Gemeinde ging, bescheinigt ihm Hubert Schiele heute. Daher sei er auch zum Ehrenbürger von Bitz ernannt und mit dem Ehrenring der Gemeinde, der Ehrenmedaille des Gemeindetags und dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Erst zu seinem 90. Geburtstag hatte ihn der Baden-Württembergische Luftfahrtverband mit der Wolf-Hirth-Medaille in Gold, seiner höchsten Auszeichnung, geehrt. Auch jenseits seiner politischen Tätigkeit hat Theodor Ambacher viel bewirkt. Schon in seiner Heimat war er begeisterter Segelflieger gewesen und förderte die Fliegergruppe Bitz seit ihrer Gründung 1952, besorgte ihr eine Werkstatt und trat 1955 dem Verein bei.

1966 bewirkte er den Zusammenschluss der Fliegergruppen Ebingen, Tailfingen und Bitz zum heutigen Luftsportverein Degerfeld, den er von 1970 bis 1976 leitete und dessen Ehrenvorsitzender er war.

Selbst im Ruhestand hatte sich der Schultes noch in vielfältiger Weise eingesetzt, hatte im Auftrag des Regierungspräsidiums Tübingen den Grunderwerb für Straßenbauprojekte abgewickelt, Heimatbücher – zum Beispiel über "Landräte und Bürgermeister im Zollernalbkreis" – geschrieben, ein Bilderarchiv angelegt, Seniorenausflüge organisiert und die pensionierten Bürgermeister im Zollernalbkreis betreut.

Außerdem machte er mit seiner Familie gerne Urlaub im Süden – am liebsten mit dem Wohnwagen und auf dem Segelboot. Im Jahr 2000 übergab Ambacher sein Haus im Guckenbühl an seine Tochter und zog mit seiner Frau in eine Wohnung der Gemeinde im ehemaligen Lehrerwohnhaus. Doch schon bald nach dem Einzug starb Rosa Ambacher. Spätes Glück fand der umtriebige Pensionär mit seiner Lebensgefährtin Luise Alber, mit der er zahlreiche Reisen unternahm, so lange es seine Gesundheit noch zuließ.

Nun hat ihn nach einem erfüllten, reichen Leben die Kraft verlassen. Am Samstag, 4. August, ab 11 Uhr, nimmt die Gemeinde auf dem Friedhof in Bitz Abschied von ihrem Altbürgermeister. Anschließend findet ein Requiem in der evangelischen Kirche statt.

 
 
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