
Von Sabrina Deckert
Bisingen. Klein, fein und persönlich: Kunden und Händler mögen den Bisinger Freitags-Wochenmarkt. Aber sie sehen noch Verbesserungsmöglichkeiten. Die Gemeinde will das Thema aufgreifen. Der Himmel ist an diesem Freitag voller Wolken, es nieselt und die nasse Kälte kriecht durch die Kleidung. Auf dem Marktplatz durftet es nach Knoblauch, frischem Brot und Äpfeln. Die fünf Händler, die in dieser Zusammenstellung seit vergangenen Herbst regelmäßig kommen, schreckt das Schmuddelwetter nicht ab. Das gehört zum Alltag eines Marktbeschickers. Was ihnen mehr auf die Stimmung drückt: Oft stehen Autos auf den Standplätzen, wenn sie frühmorgens zum Aufbau kommen. Der Marktplatz wird sonst als Parkplatz genutzt. Und es gibt kein Parkverbotsschild. "Meist haben wir Glück", sagt Pamela Heizmann aus Engstlatt, und steckt für eine Kundin zwei Plastikbecher voller Schafskäse in eine Tüte. "Aber manchmal auch nicht."
Ihr Standnachabar, Karl-Heinz Behnle aus Bodelshausen, bestätigt diese Erfahrung. Er ruft dann die Polizei an, mit der Bitte, den Halter zu ermitteln. Dann macht er sich rund um den Marktplatz auf die Suche nach dem Autofahrer. Aber das koste Zeit. Er und Heizmann sind sich einig: Die Gemeinde behandle den Wochenmarkt bislang "eher stiefkindlich". Es fehle nicht nur ein Parkverbotsschild. Auch etwas Werbung würde ihrer Ansicht nach nicht schaden. Behnle gegenüber sitzt Max Rist. Er fährt seit Herbst jeden Freitag von Ravensburg nach Bisingen, um eigenen Honig, Bodenseeobst und seinen selbstgebrannten Schnaps zu verkaufen. Ob es sich lohnt? "Ich finde, es könnten mehr Leute hier sein", sagt er.
Das sagt sich auch die Gemeindeverwaltung. Sie will die Ortsmitte beleben und im Zuge dessen auch den Wochenmarkt aufwerten. Erste Schritte sind bereits eingeleitet, der Gemeinderat hat im Dezember eine Marktsatzung erlassen. "Wichtigste Änderung", erklärt Hauptamtsleiterin Romina Burkhardt: der Markt soll zukünftig um 7 Uhr beginnen. Als Grund für die Änderung gibt Burkhardt "viele Anfragen von Marktleuten" an. Welche Stände zulässig sind und welche nicht, ist in der neuen Satzung aufgelistet. Ramsch wie Kurzwaren oder Plastikspielzeug soll es hier nicht geben. Dass weitere Händler dazukommen sollen, finden die fünf bisherigen Anbieter gut.
Der Bisinger Markt lockt vor allem Stammpublikum an. Jeder der bisherigen Stände hat seine treuen Kunden. Der Duft von frischen Brötchen verteilt sich von Andrea Perreaos Backmobil aus über den Platz. Seit 30 Jahren steht "D’r Sonnabeck" aus Onstmettingen auf dem Bisinger Markt. Perreao selbst verkauft seit zehn Jahren die Backwaren. Die Stammkunden schätzen das: "Wenn ich nicht selber backe, dann kauf ich nur hier ein. Hier schmeckt es mir und meinem Mann am Besten, weil alles frisch ist."
Seit 15 Jahren auf dem Markt ist der Stand von Geflügel-Fecker aus Steinhofen. Angelika Naso hat hinter der Theke alle Hände voll zu tun. "Zehn Eier und zwei Schwarzwürste, bitte", sagt eine ältere Frau und streckt der Verkäuferin den Eierkarton entgegen. "Geht es Ihnen wieder besser?", fragt sie. "Ja, man lebt", kommt als Antwort. Man kennt sich. Die Kundin kaufe hier ein, weil sie Vertrauen in die Wurst- und Fleischwaren und die Eier des Hofs habe. Es sei eben ein Betrieb aus der Region, der "seine Tiere ordentlich" halte. Im Fleisch sei "bestimmt kein Antibiotika".
Zeitweise ist der Marktplatz wie leer gefegt – zeitweise ist vor lauter schwatzenden Grüppchen kaum noch ein Durchkommen mehr. Gegen 12 Uhr ist Schluss. Die Händler packen ein. "Schönes Wochenende und bis nächsten Freitag", ruft es quer über den Platz. "Das macht einen Markt aus", sagt Petra Heizmann aus ihrem Feinkostwagen heraus, "ich kenne hier niemanden privat, aber trotzdem sind alle so herzlich zueinander, Kunden und Marktleute."