Bisingen "Leichtathletik richtet sich zu Grunde"

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Eine Abordnung des TSV Bisingen durfte nicht fehlen: James Lausmann (von links), Gerhard Dehner, Robert Heller, Jubilar Karl Kleinmann, Berthold Rager und Rolf Stauß Foto: Dehner Foto: Schwarzwälder-Bote

Bisingen. Kürzlich konnte das TSV-Urgestein Karl Kleinmann, langjähriger Leichtathletik-Abteilungsleiter und Trainer im TSV Bisingen, bei guter Gesundheit seinen 90. Geburtstag feiern. Unter den vielen Gratulanten waren natürlich viele seiner früheren Schützlinge, die unter seiner Trainingsleitung viele große Erfolge für den TSV Bisingen errungen haben. Anlässlich seines runden Geburtstages führte der TSV-Schriftführer mit dem Jubilar ein Gespräch, in dem Karl Kleinmann gerne aus seinem reichhaltigen Erfahrungs- und Erlebnis-Schatz plauderte.

Blicken wir mal lange zurück, wie bist Du als junger Mensch zum Sport gekommen und wie bist Du später zum leidenschaftlichen TSV-Leichtathletik-Trainer geworden?

Als kleiner Bub war ich dauernd in Bewegung. Als ich dann als junger Mann in die Kriegsgefangenschaft in ein Lager in der Nähe von Glasgow in Schottland geriet, wurde dort anfangs nur Fußball gespielt, und ich machte als Torwart mit. Doch irgendwann haben zwei Mitgefangene, ein Hesse, der die Kugel gut stieß und ein Wiener, ein guter Hochspringer, und ich beschlossen, die Leichtathletik voranzutreiben, indem wir dort eine Weit- und Hochsprunggrube bauten. Für die fehlende Kugel nahmen wir einen Stein, den wir etwas abrundeten.

Wie kam es dazu, dass Du Abteilungsleiter wurdest?

Ausschlaggebend für mein Engagement als Abteilungsleiter in der TSV-Leichtathletik war ein Erlebnis, als ich in Gammertingen als Torwart ein Fußballspiel bestritt und der frühere Abteilungsleiter Neubert ebenfalls beim Fußball weilte und demzufolge niemand die TSV-Leichtathleten bei der gleichzeitigen Kreismeisterschaft in Burladingen betreute, was aus meiner Sicht ein Unding war. So kam es, dass ich die Betreuung der jungen Leichtathleten übernahm.

An welche Erfolge in Deinem Trainerleben kannst Du Dich noch gut erinnern und welche davon haben für Dich den größten Stellenwert?

Grundsätzlich habe ich vordergründig nicht nur auf die Erfolge geschielt, sondern darauf, dass ich mich um alle Sportler gekümmert habe. Das galt sowohl für die Talentierten als auch für die weniger Talentierten. Mir war wichtig, dass die Sportler einen Willen, Ehrgeiz und Lust zum Sport hatten. Vor allem wollte ich, dass der Sportler an seiner eigenen Leistung Freude verspürt und begeistert bleibt.

Es gab doch aber trotzdem besondere Momente, oder?

Eine kleine erzählenswerte Anekdote lieferte Rolf Stauß zudem. Wir waren damals in Kirchheim Teck mit drei Sportlern am Start und standen neben 22 Sportlern aus Cannstatt. Da sagte er ganz keck: Drei Mann, zwei Titel, 22 Mann Null Titel! Für uns kleinen Verein waren dies überragende Erfolge. Einmal haben wir zudem bei den Kreismeisterschaften alle Staffeln gewonnen. Wir profitierten nach meiner Vorgabe von der alten Art der Wechselübergabe und haben damit nie ein Staffelholz verloren.

Warum ist es heute für kleine Vereine so schwer junge Sportler aufzubauen und sie eventuell in die Spitze zu bringen?

Zunächst ist natürlich mit ein Grund, dass bekanntermaßen viel weniger Kinder auf die Welt kommen. Dann kommt es darauf an, dass die jungen Sportler die erreichten Resultate akzeptieren lernen, denn anders als bei Mannschaftsportarten bekommt man in der Leichtathletik sofort messbare Ergebnisse. Zudem müssen Jugendliche ein ernsthaftes Eigeninteresse haben und vordergründig nach sich selber schauen. Mein Credo an die Jugendlichen war immer, dass jedwede Verbesserung der persönlichen Leistung ein Erfolg darstellt.

Wie siehst Du generell die Zukunft im Sport?

Bei uns in Bisingen kann ich mit Siegfried Mayer und Walter Mayer zwei Trainer benennen, die noch große Erfolge feiern konnten, weil sie die richtige Ansprache und die richtigen Trainings-Modalitäten. Gerade der jüngste Erfolg von Ida Mayer zeigt doch, dass es noch geht. Grundsätzlich ist meine Meinung, dass sich die Leichtathletik langsam selber zugrunde richtet, weil man immer nur noch auf neue Rekorde aus ist. Das hält viele junge Leute ab. Außerdem können die Kinder heute nicht mehr verlieren, und viele werden auch von den Eltern dazu gedrängt, egal wie viel Talent sie entwickeln.

Das liegt aber nicht nur an den Kindern, oder?

Es sind oft die Eltern, die es nicht mehr akzeptieren können, wenn das Nachbarkind zum Beispiel drei Zentimeter weiterspringt. Es lässt sich leider schwer vermitteln, dass man in der Leichtathletik die Kraft haben muss, die erzielten Ergebnisse und damit auch Niederlagen in Kauf zu nehmen. Mein Eindruck war öfters, dass selbst bei den Kindern, aus Sicht der Eltern, nur noch der Sieg zählt.

Wie siehst Du die Fabelzeiten zurzeit im Sprint von Usain Bolt oder anderen. Ist dies ohne Aufputschmittel überhaupt möglich?

Einzelne hochtalentierte Sportler kann man vielleicht noch durch gezieltes Training zu großartigen Leistungen führen, in der Masse geht es aber nicht. Ob ein Usain Bolt dies ohne Doping schafft, glaube ich nicht! Aber auch in Deutschland haben wir ja seit vielen Jahren ein Doping-Problem. Ich kann mich noch gut an den Diskuswerfer Lars Riedel erinnern, der dauernd wegen Kreuzschmerzen in der Uniklinik Freiburg war und trotzdem oft an die 70 Meter weit warf.

Kommen wir zurück zu Dir, was hat Dir persönlich in Deinem Leben der Sport gegeben?

Für mich war der Sport immer mein Hobby. Ich kann es bis heute nicht verstehen, dass jemand für das Sporttreiben Geld bekommt, auch wenn dies heute vielleicht eine antiquierte Meinung darstellt. Meine Devise war und ist, man muss sich bewegen, solange man kann.

Hast Du noch irgendeinen Wunsch für den TSV Bisingen oder den Sport im Allgemeinen?

Ich hoffe natürlich, dass die Leichtathletik wieder mal einen richtigen Aufwind bekommt und die Leistungen wieder besser werden. Das liegt natürlich vor allen Dingen am Training und den richtigen Umgang mit den Kindern. Es freut mich deshalb besonders und ist auch ein gutes Leitbild, dass Walter Mayer vor nicht allzu langer Zeit dies mal wieder mit seiner Tochter Ida gelungen ist.   Die Fragen stellte

Gerhard Dehner.

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