Bisingen Die Walz-Pleite geht erneut vor Gericht

Schwarzwälder-Bote, 29.06.2012 18:02 Uhr

Von Volker Rath

Bisingen-Steinhofen. Die skandalumwitterte Pleite des ehemaligen Wäsche- Herstellers Walz GmbH aus Steinhofen geht wieder vor Gericht. Der Prozess wird neu aufgerollt.

Die 11. Kleine Strafkammer des Landgerichts Hechingen verhandelt den Fall ab Dienstag, 3. Juli, von vorne. Vier Prozesstage sind angesetzt, elf Zeugen und ein Sachverständiger sollen vernommen werden. Grund für die Neuaufnahme des Verfahrens: Der Chef der Horbert Management GmbH, ominöse Unternehmensberatung, hat Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil vom Amtsgericht Hechingen eingereicht, die Staatsanwaltschaft ebenfalls.

Am Dienstag geht der Fall damit weiter, der die Hechinger Strafermittler und Justizbehörden über Monate hinweg beschäftigt hatte. Der ehemalige Geschäftsführer und Gesellschafter des Textilunternehmens sitzt dabei nicht mehr auf der Anklagebank. Er hatte sein Urteil vom 14. Februar 2011 akzeptiert.

Seinerzeit hatte das Amtsgericht den einstigen Gesellschafter des Familienbetriebs zu einer Geldstrafe von 7200 Euro verurteilt (240 Tagessätze), wegen Insolvenzverschleppung und Verstößen gegen die Bilanzpflichten. Der Unternehmensberater aus dem Raum Stuttgart erhielt zweieinhalb Jahre Haft, wegen Untreue, Betrugs, versuchten Betrugs, Nötigung und Urkundenfälschung. Mit einer Anfechtung des Urteils will er offenbar vermeiden, ins Gefängnis gehen zu müssen. Haftstrafen können nur bis zu einer Höhe von zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden. "In schätzungsweise 80 Prozent aller Fälle von Berufungsverhandlungen geht es nur ums Strafmaß", so Herbert Anderer, Pressesprecher und Richter am Landgericht, auf Nachfrage.

Die Walz-Insolvenz spielte sich im Jahr 2005 ab. Das Steinhofener Unternehmen hatte sich für zahlungsunfähig erklärt und wurde im Zuge des Insolvenzverfahrens zunächst saniert. Allerdings ging der Betrieb nicht lange weiter: Der Unternehmensberater, den der Inhaber in seiner Not angeheuert hatte, übernahm das Kommando in der Steinhofener Firma. Rund 430 000 Euro zweigte er von Firmenkonten ab und wollte noch mal 500 000 Euro auf seine eigenen Konten umleiten. Um an Walz-Geld zu kommen, machte er einen Verwaltungsmitarbeiter der Firma Walz laut Gericht "so rund", dass er ihm einen Blankoscheck ausstellte.

Nach Informationen unserer Zeitung ist die Horbert Management GmbH in weitere Fälle verstrickt, die ähnlich gelagert scheinen. Auch in Hessen und Bayern heuerte der Unternehmensberater an, angeblich mit dem Versprechen, frisches Kapital und Geschäftskontakte ins notleidende Unternehmen einzubringen. Die Erwartungen erfüllten sich offenbar auch dort nicht. Eine leitende Mitarbeiterin eines Unternehmens erklärte, Buchhalter seien dazu gedrängt worden, zweifelhafte Transaktionen vorzunehmen.

 
 
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