Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Bioethikerin im Interview „Klonen birgt Missbrauchspotenzial“

Von
Die als Durchbruch bei der Behandlung von Herzkrankheiten, Parkinson oder Augenleiden gefeierte Herstellung von menschlichen Klon-Embryonen stößt bei deutschen Wissenschaftlern auf Kritik. Forscher in den USA (im Bild der Forschungsleiter Shoukhrat Mitalipov der Oregon Health & Science Universität) ist es erstmals gelungen, Stammzellen aus geklonten Embryonen zu gewinnen. Foto: dpa

Forscher im amerikanische Oregon haben erstmals menschliche Stammzellen geklont. Die Bioethikerin Eve-Marie Engels warnt jetzt vor einer Instrumentalisierung von Frauen und Embryos.


Frau Engels, hat Sie die Nachricht überrascht, dass durch Klonen die Herstellung menschlicher embryonaler Stammzellen gelungen ist?
Nein, überhaupt nicht.

Wie glaubhaft sind diese Meldungen?
Das kann ich leider nicht sagen, weil ich das nicht aus ersten Hand weiß.

Es gab 2004 ähnliche Erfolgsmeldungen aus Korea, die sich als Fälschung herausstellten.
Ich gehe davon aus, dass die neuen Forschungsergebnisse glaubhaft sind. Schon 2008 gelang es in den USA, durch Klonverfahren menschliche Embryonen herzustellen, die wenige Tage alt wurden.

Bedeutet das, dass nun das Klonen von Menschen gelungen ist?
Die Methode soll für die Therapien von Patienten eingesetzt werden. Der Weg dorthin führt aber über einen geklonten Menschen, denn es wird anfangs ein menschlicher Embryo hergestellt. Wenn man davon ausgeht, dass dieser Embryo von Anfang an ein Lebensrecht hat und eine Menschenwürde, dann ist das ethisch problematisch.

Die Forscher in Oregon betonen, sie wollten keine geklonten Menschen schaffen, sondern kranken Menschen helfen.
Ziel beim therapeutischen Klonen ist, fehlendes oder krankes Gewebe maßgeschneidert durch die Stammzellen eines menschlichen Embryos herstellen zu können.

Das berechtigt zu Hoffnungen.
Ja, in der medizinischen Entwicklung gibt es gewisse Hoffnungen. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, das ein und derselbe Embryo auch verwertbar ist für das sogenannte reproduktive Klonen.

Man kann ein Heilmittel herstellen – aber auch ein zweites Ich?
Wenn man einen solchen Embryo hat, der aus einer entkernten Eizelle und einem somatischen Zellkern von Herrn Müller hergestellt wurde, dann kann man aus demselben Embryo den Klon von Herrn Müller herstellen – wenn die Technik so weit ist und man den Embryo in einen weiblichen Uterus transferiert. Therapeutisches und reproduktives Klonen unterscheiden sich also nur in der Zielrichtung. Der Embryo ist derselbe.

Macht Ihnen das Angst?
Das reproduktive Klonen ist mit ganz großen Problemen behaftet. Wir wissen ja wie schwierig es ist, einen lebensfähigen Klon zu erzeugen. Bei Tieren hat man gesehen, wie viele Totgeburten und Missbildungen es gab.

Befeuert Klonen nicht den Traum vom ewigen Leben? Oder ist es ein Albtraum?
Man muss sich klarmachen, dass der geklonte Mensch sein Urbild vor sich hat. Wenn das beispielsweise ein 80-jähriger, gebrechlicher Mann oder eine alte Frau ist und der Klon denkt, das blüht mir auch, dann hat er keinen unbeschwerten Lebensweg vor sich. Es gibt auch ein Recht auf Nichtwissen.

Aber man kann vor der Entwicklung nicht die Augen verschließen.
Ich gehöre zu denjenigen, die das Vorsichtsprinzip anwenden. Wenn sehr hohe Risiken möglich sind, sollte man eine Technik nicht anwenden. Der Philosoph Hans Jonas nennt das die Heuristik der Furcht. Ich erinnere nur an Tschernobyl und Fukushima.

Ist denn jetzt, was sie Klontechnik angeht, die Büchse der Pandora geöffnet? Was müsste man tun, um den Deckel wieder zu schließen?
Das kann man nicht mehr. Das gelingt allenfalls in einzelnen Ländern. Bei uns in Deutschland ist das, was jetzt in Amerika passiert ist, verboten. Unser Gesetz über den Import embryonaler Stammzellen verbietet die Forschung an solchen Zellen. Importiert werden dürfen nur solche Zellen, die aus Embryonen gewonnen wurden, die endgültig nicht mehr für die Fortpflanzung zur Verfügung stehen.

Damals ging es um überzählige Embryonen aus künstlichen Befruchtungen. Jetzt sind geklonte Embryonen das Thema.
Ich kann mir vorstellen, dass nun die ganze Diskussionen erneut entfacht wird. Ich gehe davon aus, dass der Deutsche Ethikrat bald eine neue Stellungnahme verfassen wird.

Sehen Sie irgendwelche realistische Chancen, die das therapeutische Klonen bietet?
Ich wage da gar keine Prognose. Man ist immer noch im Stadium der Forschung.

Wie ist Ihre generelle Haltung zum Klonen?
Klonen als solches betrachte ich skeptisch. Ich lehne das ab.

Gilt das für alle Formen des Klonens?
Ja. Erstens ist das Missbrauchspotenzial sehr groß. Zudem wird der menschliche Embryo instrumentalisiert. Und für das Klonen nach dieser Methode werden weibliche Eizellen benötigt. Das heißt es entsteht auch die Gefahr, dass Frauen im großem Maßstab instrumentalisiert werden. Ich lehne das Klonen auch bei Tieren ab, etwa angesichts der Diskussion, Tiere für die Fleischproduktion zu klonen.

Sind Sie mit dieser Haltung die einsame Ruferin in der Wüste?
Es gibt zahlreiche Kollegen, die das auch so sehen. Ich bin da nicht alleine.
 
 

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Kommentarregeln

Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.

  1. Passwort vergessen?
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!
  1. null

loading