Stuttgart - Was für ein Engelchen-Bengelchen ist Hushpuppy! Frech und abenteuerlustig, sehnsüchtig und romantisch-verspielt. Mit einem Lächeln zaubert sie Fische aus dem Wasser, mit wildem Blick zähmt sie steinzeitliche Auerochsen.

Zwar ermisst sie ihre früh ­verloren gegangene Mutter (ist sie tot oder im Puff?), und mit ihrem ständig betrun­kenen Daddy liefert sie sich böse Ausein­andersetzungen. Doch wie jedes verwahrloste Kind ­fantasiert sich Hushpuppy eine heile Familienwelt. Willensstärke und Fantasie sind ihr reiches Potenzial. Zwischen Lastkähnen, im „Hinterhof“ von Houma, Louisiana, fand Regisseur Benh Zeitlin nach 4000 ver­geblichen Castings seine Hushpuppy: ­Quvenzhané Wallis, eine Sechsjährige mit blitzenden Augen, eine ­Naturgewalt. An ihre Seite stellte er Dwight Henry als Daddy, ­beide absolute Newcomer vor der Kamera. Und wie die zwei, umgeben von einer ­Ansammlung weiterer schräger Typen, das überbordende Script in Bewegung bringen, das hat alle Auszeichnungen verdient, die Zeitlins Erstlingswerk bei Festivals bekam.

Fotostrecke12 Fotos

Ein Jahrhundertsturm tobt über die Sümpfe der Südstaaten, Wassermassen ­brechen über die schäbigen Hütten der Bewohner, prähistorische Monster steigen aus ihren eisigen Gräbern, schnauben wütend vor der kleinen Hushpuppy, die die Ungeheuer mit der wilden Energie ihrer Augen auf ihrem Vernichtungsritt stoppt.

Das ist gewiss in höchstem Maße surreal, aber auch eine empathische, bild- und wort­gewaltige ­Geschichte, inspiriert von Traditionen, die die Menschen in den Bayous von New ­Orleans bis heute leben. Hushpuppy ist eine schillernde Figur, ihr Daddy ein labiler, sentimentaler Erzeuger. Die Welt, in der sie ­leben, mag formal hässlich sein, aber eine andere haben sie nicht.

Doch wenn die Filmanimatoren hinter ­jedem Baumstamm einen Geist platzieren, wenn in kruden Kneipen der Südstaaten-Blues gespielt wird, wenn der Urwuchs von Gefühlen ungebremst auf der Leinwand ­dominiert, dann ist das die beste Alternative zu noch so gut gemeinten und faktisch ­korrekten Aufklärungsfilmen über drohende Umweltkatastrophen.

„Beasts Of The Southern Wild“ ist ab 12 Jahren freigegeben und startet an diesem Donnerstag im Kino Delphi (Tübinger Straße 6, Telefon 29 24 95). Dort findet ­bereits an diesem ­Mittwoch um 20 Uhr die Stuttgart-Premiere statt. Mehr unter: www.beastsofthesouthernwild.com und unter: www.arthaus-kino.de.