Balingen Ziel: Gründung einer Frauengruppe

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Sie haben viel auf den Weg gebracht, doch sie wissen auch, dass noch viel zu tun ist (von links): Sayed Ahmed, Jean-Claude Canoine, Hans Wick, Felix Jetter, Claudia Schmid, Uwe Jetter und Sabine Gaiser-Jetter vom Arbeitskreis Asyl. Foto: Klebitz Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Julia Klebitz

Ein Fußball donnert gegen die Scheibe des katholischen Gemeindehauses. Kinder rennen über den Kirchhof, haben Spaß. Im Gemeindesaal herrscht ausgelassene Stimmung. Es gibt Kaffee und Kuchen. Überall wird getratscht und gelacht. Aber es gibt auch ernste Gespräche.

Balingen. "Hier steht, dass du dich bis nächste Woche beim Amt melden musst", erklärt ein Mann einem anderen. "Das ist eine Frist, daran musst du dich halten.". Bis zu 40 Besucher kommen jeden Mittwoch ins Café Asyl im Gemeindehaus. Es bietet Gesprächsmöglichkeiten, ist Anlaufstelle für Asylbewerber und Interessierte, die sich für eine gelungene Integration engagieren möchten.

Gleichzeitig ist das Café das größte und aktuell wichtigste Projekt des Balinger Arbeitskreises Asyl. Der lose Zusammenschluss von Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen besteht seit mittlerweile zwei Jahren. "Als wir damals gehört haben, dass das Landratsamt das alte Gesundheitsamt gekauft hat, wussten wir nicht, was auf uns zukommt", erinnert sich Uwe Jetter vom Arbeitskreis. Wieviele Flüchtlinge werden in der Beckstraße unterkommen? Aus welchen Ländern stammen sie? Und vor allem: Was werden diese Menschen auf der Flucht alles erlebt haben? Es gab viele Fragen.

Fest stand für die Engagierte – darunter auch den Grünen-Politiker Erwin Feucht – jedoch, dass etwas dafür getan werden muss, dass sich die Flüchtlinge willkommen fühlen und eine gute Integration stattfindet. Der Arbeitskreis Asyl gründete sich. Dabei bekennen sich die Mitglieder nicht nur zu Werten wie Gerechtigkeit, Menschenwürde und einem sozialen Miteinander, sie haben auch schon ganz konkret einige Projekte umgesetzt.

Eines davon ist das Café Asyl. "Während sich die Erwachsenen unterhalten und Kontakte knüpfen, gibt es für die Kinder eine Hausaufgabenbetreuung und ein Spielangebot", sagt die Koordinatorin Claudia Schmid.

Auch Ausflüge in die Wilhelma oder zur Burg Hohenzollern stehen auf dem Programm. Kooperationen mit Sportvereinen gibt es, ein Tanzprojekt und Schwimmkurse für Kinder und erwachsene Asylbewerber. "Viele der Flüchtlinge können nicht schwimmen", weiß Sabine Gaiser-Jetter. Damit sich das ändert, will der Arbeitskreis das Kursangebot noch weiter ausbauen.

Dass es sich bei Wasser und Schwimmen um durchaus sensible Themen handelt, nachdem viele Flüchtlinge in winzigen Booten übers Meer geflohen sind, ist den AK-Mitgliedern bewusst. "Die Kurse sind natürlich freiwillig", betont Gaiser-Jetter.

Nicht so gut laufe es dagegen bei den Sprachkursen. "Aktuell haben wir nur vier Teilnehmer in unserem Deutschkurs in der Beckstraße", sagt Koordinatorin Claudia Schmid. Das liege aber nicht etwa daran, dass die Asylbewerber kein Deutsch lernen wollten. Vielmehr gebe es quasi derzeit ein Überangebot an Kursen in der Stadt."Das ist aber kein Nachteil", betont Schmid. Denn wenn die Lea in Meßstetten tatsächlich geschlossen werden sollte, "werden wir die Sprachkursplätze dringend brauchen".

Ebenso dringend wie erschwinglichen Wohnraum. Viele Flüchtlinge würden nach ihrer Zeit in der Erstaufnahme nach Albstadt ziehen, weil die Wohnungen dort billiger seien, sagt Jean-Claude Canoine. Wenn sie dann aber aufs Amt müssten, dann fielen jedesmal Fahrtkosten an.

Bei den Veranstaltungen des Arbeitskreises bekommen die Flüchtlinge Hilfe, um den Alltag zu bewältigen. Dolmetscher Sayed Ahmed aus Ägypten hilft etwa beim Übersetzen von Behördenbriefen. Es sind auch Patenschaften zwischen Flüchtlingsfamilien und Ehrenamtlichen entstanden. "Durch die Kontakte bekommen die Flüchtlinge ein Gefühl von Sicherheit", ergänzt Uwe Jetter. Einigen Flüchtlinge hat der Arbeitskreis Asyl auch schon Jobs vermittelt.

Deshalb: Der Arbeitskreis ist zufrieden mit den vergangenen zwei Jahren. Jetzt möchte er sich auch noch vermehrt um die Frauen der Flüchtlingsfamilien kümmern. "Ins Café kommen vor allem Männer und Kinder", sagt Gaiser-Jetter. Das liege einerseits daran, dass derzeit mehr Männer in Balingen untergebracht seien, habe aber auch kulturelle Gründe. "Die Frauen sind es nicht gewohnt wegzugehen. Vor allem wenn sie aus kleineren Dörfern stammen, bleiben sie in der Regel im Haus", erklären die AK-Mitglieder. Eine speziellle Frauengruppe soll das schon nach Ostern ändern.

Weitere Informationen: www.ak-asyl-balingen.de

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