Balingen Verteidigung: kein Menschenraub

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Von Birgit Fechter

Auf einen kreativen Umgang mit dem Jugendstrafrecht hoffen die Verteidiger der vier jungen Männer, die einen Hechinger wegen Drogenschulden verschleppt haben. Sie sind der Ansicht, dass der Vorwurf des erpresserischen Menschenraubs nicht haltbar ist.

Hechingen/Balingen. Anders sieht dies Staatsanwältin Nicole Luther: "Wie freiwillig kann das sein, wenn einen vier Leute zusammenschlagen und in ein Auto zerren?", fragte sie. Die Angeklagten hätten die Gewalt eingeplant, was nicht zuletzt aus den Chat-Protokollen hervorgegangen sei Der "Entscheidungsspielraum" des Opfers sei gleich Null gewesen, der junge Mann hätte nicht ohne weiteres flüchten können. Dessen Vater habe das Opfer freikaufen sollen.

Die Angeklagten hätten erst nachgegeben, als die Polizei aufgetaucht sei. Alle Angeklagten hätten sich somit der versuchten räuberischen Erpressung, des erpresserischen Menschenraubs und der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht. Wegen der geringen Geldforderung und auch weil das Opfer kein Verfolgungsinteresse gehabt habe, sei von einem minderschweren Fall auszugehen. Die jungen Männer hätten zudem vor Gericht Reue gezeigt und dem Oper Schmerzensgeld gezahlt.

Bewährung wollte die Staatsanwältin nicht gewähren, zumal zwei der Angeklagten noch unter Bewährung standen, was sie, so Luther, nicht von Straftaten abgehalten habe. Alle vier sind vorbestraft, drei davon auch wegen Körperverletzung.

Für die beiden Angeklagten forderte die Staatsanwältin Jugendstrafen von drei Jahren und zehn Monaten beziehungsweise zwei Jahren und sechs Monaten. Für den 20-Jährigen beantragte sie eine Strafe von zwei Jahren und sechs Monaten und für den 21-Jährigen drei Jahre und sechs Monate, jeweils nach Erwachsenenstrafrecht.

Die Verteidiger hingegen nannten die Aktion eine typische jugendliche Verfehlung, die auch nach Jugendstrafrecht zu ahnden sei. Es handle sich um eine Milieutat, die Gruppendynamik habe eine große Rolle gespielt. Das Opfer habe keine schweren Verletzungen davongetragen und sei an einer Verfolgung und an einer Aufklärung der Straftat nicht interessiert gewesen. Weder habe es einen klaren Tatplan gegeben, noch sei die Entführung mit "großer Ernsthaftigkeit" ausgeführt worden, was auch der Vater des Opfers bestätigt habe. Dazu komme die geringe Geldforderung.

Die Anwälte wollten die Tat dabei keineswegs bagatellisieren: "Das ist keine harmlose Geschichte", gaben sie angesichts der gemeinschaftlichen Körperverletzung zu, baten das Gericht aber, die vielfältigen Möglichkeiten des Jugendstrafrechts zu nutzen und den "erzieherischen Gedanken" bei der Bestrafung in den Vordergrund zu stellen.

Sie plädierten für Bewährungsstrafen auch für die beiden "Bewährungsversager". Man könne sie so an die Kandare nehmen, auch eine Bewährungsstrafe sei kein Zuckerschlecken. Vor allem ihre Drogenprobleme müssten die Angeklagten durch entsprechende Auflagen in den Griff kriegen, dann sei auch die Rückfallgefahr nicht mehr so groß. Zudem könnten Geldbußen und Arbeitsstunden kommen, denkbar sei auch gelegentlicher Jugendarrest.

Drei der Angeklagten machen derzeit eine Lehre, einer arbeitet als Geselle. Alle betonten, es sei ihnen wichtig, ihre Ausbildung zu beenden und ihre Arbeitsstelle zu behalten. Laut Jugendgerichtshilfe bekommen sie von ihren Arbeitgebern gute Zeugnisse ausgestellt.

 Das Urteil wird am 1. Februar verkündet.

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