Balingen-Engstlatt - Der Islam ist ein heikles Thema, gerade nach dem Anti-Islam-Film, der weltweit gewalttätige Demonstrationen provoziert hatte. Daher wird im Engstlatter Rathaus der Wunsch des islamisch-bosnischen Vereins, ein Gemeindezentrum mit Gebetsraum im Ort zu errichten, mit Samthandschuhen angefasst.

"Es ist allen bewusst, dass hier bestimmte Gedanken, Überlegungen und vielleicht sogar Befürchtungen aufkommen können", meint Ortsvorsteher Hans Bitzer, der sich darüber im Vorfeld offen mit den Mitgliedern des Vereins unterhalten und auch die derzeitigen Gewalttaten angesprochen hat. "Mir wurde spontan geantwortet, dass sie sich uneingeschränkt von jeglicher Gewalt distanzieren."

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Beim Gedanken an eine Moschee hätten manche Bürger vermutlich Bilder von prächtigen Bauten mit Kuppeldächern und hohen Minaretten vor Augen – von denen fünfmal am Tag zum Gebet gerufen wird. Auch hier kann Bitzer beruhigen: Beschallung durch Lautsprecher um sechs Uhr morgens wird es nicht geben, anstelle der Minarette werde es lediglich eine "Andeutung" geben, die von Architekt Suljo Candic so schlicht wie möglich gehalten wurde.

Etwa sieben Meter hoch, zehn Meter lang und acht Meter breit soll das Gebäude werden, das in der Hölzlestraße neben dem Sportplatz entsteht. Ausgerichtet nach Mekka, sollen im Erdgeschoss Räume für Jugendliche entstehen, während das Obergeschoss für Gebetsraum und Versammlungsstätte gedacht ist. Das Gebäude ist nicht bewohnt, zehn Parkplätze sind vorgesehen.

Während der Verein zum täglichen Gebet mit etwa drei Personen rechnet – die Hauptgebetszeit ist am Freitagnachmittag – werden es an den beiden jährlichen Hauptfeiertagen, Fastenbrechen und Opferfest, mehrere hundert Gläubige sein. Die islamisch-bosnische Gemeinde allein zählt 100 Mitglieder, die aus dem ganzen Kreis kommen. Die Räumlichkeiten in einem Einfamilienhaus mit Garage, die seit 1992 als Gemeindezentrum genutzt wurden, seien mittlerweile zu eng geworden, so Candic.

Mevludin Bahovic, Vorsitzender des islamisch-bosnischen Vereins, erklärt, dass die sunnitischen Mitglieder, die aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen, mit ihren Familien schon lange im Raum Balingen leben und arbeiten – einer bereits seit 18 Jahren in einer Metallfabrik. Nun würden sie mit ihren Kindern Raum für ihre eigene Kultur und Weiterentwicklung suchen. Vor allem die Jugendlichen hätten bisher keine Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen.

Der Verein möchte sich jedoch auch nach außen öffnen und legt Wert auf gute Nachbarschaft – immerhin liegen der Sportplatz des ASV Engstlatt sowie die katholische Kirche St. Johann nur einen Steinwurf entfernt zum sieben Ar großen Grundstück. Die katholische Kirchengemeinde hatte ebenso wie die evangelische keine Einwände gegen die geplante Moschee; beide freuen sich auf ein gutes Verhältnis in gegenseitigem Respekt.

Der Vorstand des ASV verwies hingegen auf Fehlbälle und die Nähe zum Festplatzgelände, welche die Moscheebesucher stören könnten.

Im Frühjahr 2013 sollen die Bauarbeiten beginnen, wobei der Verein sich mit vielen Eigenleistungen einbringen will. Ein Jahr später wird die Moschee wohl bezugsfertig sein.