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Balingen - "Stencil" nennt man es im Fachjargon. Das kommt aus dem Englischen und steht für "Schablonenkunst", eine Form von Graffiti. In Balingen hat ein Sprüher in den vergangenen Monaten wiederholt Hauswände verziert, ob der Eigentümer es wollte oder nicht. Meist wollte er es nicht, etliche Anzeigen gegen Unbekannt liegen vor.
Und so läuft es normalerweise ab: Der Graffiti-Künstler kommt nachts, versteckt sein Gesicht hinter Brille und Atemschutz, hält seine Schablone an die Hauswand, sprüht das Bild auf und ist Sekunden später verschwunden. Zum einen ist es der Kick des Verbotenen, der Gedanke, dass man möglicherweise erwischt werden könnte. Insider wissen aber auch, dass Gleichgesinnte zuweilen Zeichen oder Nachrichten hinterlassen wollen.
"Hey Dias, tell your brother to stop hanging out in the front yard" (Hey Dias, sag deinem Bruder, er soll nicht mehr im Garten vor dem Haus rumhängen.) steht an einer Hauswand in der Neuen Straße. Darunter ein Schriftzug, den man als "Mobe 75" deuten könnte. "Hello, you aren’t Mobe", heißt es auf einem bunten, runden Schild, das weit oben an der Wand des gleichen Hauses klebt. Eine Antwort auf den Schriftzug?
Ein anderes Schablonenbild wirkt wie eine Signatur: Ein Buch, darauf ein Gesicht, daneben das Symbol des Sozialnetzwerks Facebook – und ein unleserlicher Schriftzug. Besucht mich auf Facebook, scheint der unbekannte Künstler sagen zu wollen. Und wieder andere gemeint. "Woop woop, that’s the sound of da police", ruft der farbige Gangster-Rapper am Eingang zum Parkhaus an der Stingstraße.
Was für die einen Kunst ist, ist für andere Sachbeschädigung und Sache der Polizei. In Deutschland werden nach Angaben der Polizei zur Beseitigung illegaler Graffiti pro Jahr Millionen Euro ausgegeben. Zur Hälfte müssen private Eigentümer die Kosten tragen.
"Wenn es sich um städtische Gebäude handelt, erstattet die Stadt Anzeige gegen Unbekannt", erklärt Ordnungsamtsleiterin Renate Witzemann: "Dann hoffen wir, dass die Polizei die Sprüher irgendwann kriegt."
Eine "ganze Reihe von Taten" sei in den vergangenen Monaten angezeigt worden, sagt Polizeisprecher Peter Mehler auf Anfrage. "Wenn die Substanz der Gebäude verletzt ist, ist es Sachbeschädigung." Zum derzeit unbewohnten Haus in der Neuen Straße liege keine Anzeige vor. "Vielleicht weiß der Eigentümer es gar nicht", vermutet Mehler.
Seit Monaten sei sein "Schablonenkünstler" unterwegs, habe beim Bahnhof Hauswände verziert und ein metergroßes "WHO" aufs City-Center gesprüht. Ermittlungen gestalten sich in solchen Fällen schwierig, gehen oft über Jahre, sagt der Polizeisprecher und erinnert an die Sprüh-Attacken vor zwei, drei Jahren, die schließlich aufgeklärt werden konnten.