Balingen - Neue Wende in den Verhandlungen um den Balinger Bahnhof: Eigentümer Peter Seifert zieht sein Angebot an die Stadt, den Vorplatz zu verkaufen, zurück. Er sehe nicht ein, schreibt Seifert in einer Erklärung, dass er seine Kräfte und seine Zeit in Diskussionen verschwenden müsse, die dem Zweck, den Bahnhof aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken, in keiner Weise dienlich seien. Bislang sei die Stadt auf sein Angebot nicht eingegangen, sagte Seifert im Gespräch mit unserer Zeitung: "Wenn ihr etwas an dem Gelände liegt, dann soll sie jetzt auf mich zukommen."

Seifert hatte, wie berichtet, das Bahnhofsgebäude samt Vorplatz im Dezember von der Deutschen Bahn gekauft. Sein Ziel ist es, das Gebäude zu modernisieren. Den Vorplatz dagegen wollte er an die Stadt weiterveräußern, die in dem Bieterverfahren unterlegen war, dabei indes stets betont hatte, in erster Linie an dem Vorplatz interessiert zu sein. Anfang Januar hatte Seifert der Stadt den Vorplatz dann zum Kauf angeboten – bezahlt werden soll nach den Vorstellungen von Peter Seifert der Preis, den er rechnerisch laut Kaufvertrag für den Platz bezahlt hat: rund 110 000 Euro. Die Stadt brachte in den Verhandlungen eine Umwidmung des Geländes zu einem öffentlichen Platz ins Gespräch – bezahlt werden soll demnach kein Kaufpreis, allerdings würde die Stadt die Kosten für Unterhalt, Verkehrssicherung und die Sanierung übernehmen.

Darauf will Seifert allerdings nicht eingehen: "Es ist doch für jeden Außenstehenden nachvollziehbar, dass der Weiterverkauf des Vorplatzes einen Teil der nötigen Mittel freigestellt hätte, die das Haus dringend braucht. Das betrifft nicht nur die schnellstmögliche energetische Sanierung, sondern im besonderen Maß die Schaffung einer Barrierefreiheit durch einen Aufzug."

Insbesondere fuchst Seifert, dass die Stadt Balingen derzeit nicht bereit ist, das Bahnhofsgebäude in das Sanierungsgebiet aufzunehmen, in dem der Vorplatz enthalten ist. Baudezernent Ernst Steidle habe ihm für diesen Umstand "keine schlüssige Erklärung" geliefert. Wenn es bei diesem Status bleibe, dann entgingen ihm für die Sanierung des Gebäudes Mittel aus Förderprogrammen.

Nun wolle er eben "den für mich steinigeren, aber im Endeffekt vielleicht doch bequemeren Weg" gehen: Die Sanierung werde ohne Unterstützung allerdings mit Sicherheit einen viel längeren Zeitraum beanspruchen. "Den erkaufe ich mir aber mit dem nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass mir nicht auch noch Leute in das Konzept reinreden können, denen an einem für Balingen erwünschenswerten Endergebnis wohl offensichtlich nicht gelegen ist", schreibt Seifert, und weiter: "Damit hat die Stadt das Geld für den Vorplatz gespart und ich jede Menge Zeit, die ich sinnvoller einsetzen kann."

Voraussichtlich Ende Februar, so Seifert, werde der Gemeinderat über die sanierungsrechtliche Genehmigung für das Bahnhofsgebäude entscheiden. Für seine Konzepte und Ideen habe er während der Info-Veranstaltung im Bahnhof am Sonntag viel Zuspruch erfahren.