Balingen Opfer hofft auf späte Gerechtigkeit

Gert Ungureanu, 22.08.2012 05:02 Uhr

Balingen/Tuningen - Eine Tragödie, ein Krimi-Irrtum, Raub – und jetzt ist die Geschichte von Helmut Schwaibold wohl auch ein Fall für "Aktenzeichen XY… ungelöst". Harry Hurtz, Pressesprecher der Polizeidirektion Villingen, bestätigt auf Anfrage, dass die Unterlagen an die Redaktion der ZDF-Produktion weitergegeben wurden.

Was war geschehen? Wie berichtet, war es die Nacht vom 3. zum 4. Januar 2010, die kälteste Nacht jenes Jahres. Die Quecksilbersäule fiel auf minus 20 Grad. Am frühen Morgen war ein Zivildienstleistender in Tuningen unterwegs. Zufällig entdeckte er zwei Beine, die hinter einem Blumenkübel in einer Hausflucht hervorragten. Sie gehörten dem damals 77-Jährigen Helmut Schwaibold, der keine Lebenszeichen mehr zeigte. Ein Glück, dass sein Herzschrittmacher eine neue Batterie hatte: Er habe das Herz trotz Unterkühlung weiter schlagen lassen.

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Der hilfsbereite junge Mann verständigte seine Chefin, die einen mobilen Pflegedienst leitete. Die ausgebildete Krankenschwester erkannte den Ernst der Lage sofort, und der Rettungsdienst brachte den stark unterkühlten Mann ins Krankenhaus, wo ihm mehrere Gliedmaßen amputiert werden mussten. Seither ist der bis dahin rüstige Mann, der seinem Sohn zufolge asketisch lebte und körperlich fit war, schwerbehindert, hat Gedächtnislücken und Sprechstörungen und ist auf die Hilfe seines Sohnes in Frommern angewiesen.

Mit 75 hatte er Angehörigen zufolge noch ausgesehen wie einer, der gerade mal 50 war. Zurzeit ist er hilflos und gebrechlich.

In der Nähe der Stelle, wo der 77-Jährige entdeckt worden war, fand die Polizei einen Autoschlüssel. Er passte zu einem Fahrzeug auf einem 600 Meter weit entfernten Parkplatz. Über das Autohaus wurde der Halter ausfindig gemacht. Vermutlich ein Schlaganfall, so die erste Diagnose.

Das Auto war auf dem Parkplatz derweil aufgebrochen worden, vom Konto des 77-Jährigen wurde regelmäßig Geld abgehoben – 18 Abhebungen in sieben Städten und sechs Landkreisen. Die Karte wurde schließlich in Albstadt eingezogen. Von dem Unbekannten, der regelmäßig nach Mitternacht 1000 Euro abhob, gibt es ein Bild aus einer Überwachungskamera.

Versicherung übernahm nur läppische Beträge

Die Beträge wurden nach Angaben der Postbank "ordnungsgemäß" abgebucht, Helmut Schwaibold habe die Geheimzahl auf irgendeinem Zettel notiert und fahrlässig im Auto liegen lassen. Die Versicherung übernahm nur läppische Beträge.

Die Sache wäre für immer als "Unfall" und "Computerbetrug" bei den Akten geblieben, wäre da nicht der pensionierte Kripo-Beamte Hans Schmiederer aus Heselwangen gewesen. Zufällig hatte er von der Geschichte gehört: "Wir waren im Rosengarten, ein Bekannter hat gefragt, wie es meinem Vater geht", erinnert sich der Sohn des Opfers, der Frommerner Manfred von Au. "Der Hans hat mitgehört. Am anderen Tag ist er vorbeigekommen, hat die Unterlagen angeschaut. Und dann hat er drei Monate recherchiert wie ein Weltmeister."

Für Hans Schmiederer stand, nachdem er sich ein erstes Bild gemacht hatte, sofort fest: "Es muss was unternommen werden, denn der Verbrecher läuft immer noch frei herum." Seine Schlussfolgerung: Es war kein Unfall, sondern Raub und versuchter Mord. Bei der Kälte sei nämlich "billigend in Kauf genommen worden, dass er stirbt". Nachdem er die Ergebnisse seiner Recherchen vorgelegt hatte, wurde das Verfahren wieder aufgenommen, Staatsanwaltschaft und Polizei veröffentlichten das Foto aus der Überwachungskamera.

Die Staatsanwaltschaft Konstanz erklärte sich einverstanden, den Fall auch im Fernsehen darzustellen. Das bestätigte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, Christoph Hettenbach, auf Anfrage. Die Kriminalpolizei Villingen leitete die Informationen an die Redaktion von "Aktenzeichen XY… ungelöst" weiter. Ob und wann es einen Sendetermin für den Fall Schwaibold gibt, wird vermutlich erst nach der Sommerpause feststehen.

 
 
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