Balingen Nach Entlassung: Eltern empört

Wolf-Ulrich Schnurr und Steffen Maier, 27.07.2012 08:32 Uhr

Balingen-Roßwangen - Nach der Entlassung der bisherigen Leiterin des Kindergartens St. Johannes Baptist in Roßwangen kritisiert ein Teil der Eltern die Kündigung als überzogen.

Dass es vor etwa zwei Wochen eine Auseinandersetzung zwischen der Frau und zwei Vierjährigen gegeben hat, bestätigt der Vorsitzende des Roßwangener Elternbeirats, André Plaetke, gegenüber unserer Zeitung. Ob diese verbal ausgetragen wurde oder handgreiflich – gerüchteweise soll die Erzieherin einem Jungen mit einem Klebestreifen den Mund verschlossen haben –, wüssten er und die anderen Eltern jedoch nicht.

Wohl aber kennen sie die Konsequenz des Vorfalls: Vorige Woche wurde der Beirat über die Entlassung informiert, am vergangenen Montag ein außerordentlicher Elternabend einberufen. Die Stelle der Kindergartenleiterin ist bereits neu ausgeschrieben.

Die gekündigte Erzieherin hat der Elternbeiratsvorsitzende Plaetke als "sehr kinderlieb und engagiert" erlebt. "Sie hat mit den Kindern wahnsinnig viel gemacht. Wir können nichts Schlechtes über sie sagen." Plaetke findet die Entlassung daher "maßlos überzogen". Er glaubt die meisten der Kindergarteneltern hinter sich, wenn er sagt, es müsse doch die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden.

Dass die Frau bei den Roßwangener Eltern beliebt ist, belegen empörte Anrufe auf dem Balinger Dekanat, in denen für sie plädiert wurde. Dem Vernehmen nach werden derzeit Unterschriften gesammelt, als Protest gegen die Entlassung.

Nach Informationen unserer Zeitung soll die Kindergartenleiterin selbst die Mutter der Kinder über den Vorfall informiert haben; diese wiederum informierte den Dienstherrn, Pfarrer Ewald Ginter, und der sprach der Erzieherin kurz darauf die fristlose Kündigung aus. Aus dem Kirchengemeinderat ist zu hören, dass Ginter diese Entscheidung ohne die Einbeziehung des Gremiums traf – und weiter, dass eine Abmahnung möglicherweise auch ausgereicht hätte.

Das sieht Anton Bock vom katholischen Dekanat Balingen jedoch anders: "Das war keine Willkür des Pfarrers", unterstreicht er. Ganz im Gegenteil habe dieser auf Grundlage des sogenannten Schutzparagrafen 8a im achten Buch des Sozialgesetzbuchs nach Rücksprache mit übergeordneten Stellen gar nicht anders handeln dürfen. Die Gesetzeslage sei eindeutig: Das Kindeswohl gehe vor.

Die geschasste Erzieherin jedenfalls nimmt laut Elternbeiratsvorsitzendem die ganze Angelegenheit sehr mit. Sie sei in ein tiefes Loch gefallen, so André Plaetke: "Die Kinder fehlen ihr".

 
 
Kommentare (11)
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OKT
08
fuchs, 01:11 Uhr

auweia

ich habe schon einmal hier geschrieben. jetzt muss ich sagen, dass die eltern der betroffenen kinder recht gehabt haben. wo war denn der elternbeirat all die tage ? hat der nichts von den sachen im kindergarten mitbekommen, oder wollte es ein rosswanger mal wieder nicht hören und vor seiner ? gut dastehen? So wie ich es jetzt mitbekommen habe, hat die erzieherin wohl seit längerer zeit die kinder mißhandelt, nicht ert seit einem halben jahr oder so. ich hoffe dass die sache vor das arbeitsgericht kommt und der fall ein für allemal aufgeklärt wird. auch wenn es zum nachteil der eltern sein wird. und noch etwas, wird da eigentlich anzeige gegen die erzieherin gemacht????? oh je ihr rosswanger, was macht ihr jetzt wieder? ich möchte nicht in dem ort wohnen und chon gr nicht beteiligter sein

JUL
30
Mami aus Roßwangen, 17:05 Uhr

Kindeswohl steht im Vordergrund

Ich bin froh darüber dass diese Misstände aufgedeckt wurden. Endlich haben Eltern den Mut gehabt für ihr Kind einzustehen. Sie wollten ihr Kind nur schützen. Aber dafür werden sie jetzt mit 'Dreck beschmissen'. Hier in dieser Gesellschaft überlegt man es sich besser mehrmals ob man hier Misstände aufdeckt oder zu seiner Meinung steht. Die meisten Eltern die hinter der Erzieherin stehen haben kleinere Kinder bis zur 1. Klasse und haben auch kein Kind dass von der gekündigten Erzieherin 'dementsprechend schlecht behandelt' wurde. Sie sollen froh sein dass ihr Kind es nicht ist. Bedenklich finde ich dass ca. 10 Kindergartenkinder aus R0ßwangen in anderen Kindergärten sind. An die zwei Elternpaare die die Mißstände bei entsprechender Stelle gemeldet haben: 'Hut ab vor euch, suuuper.'

JUL
30
Leser, 08:50 Uhr

Kindermund tut Wahrheit kund

Persönlich bin ich zwar nicht betroffen, aber wohl eine befreundete Familie. Ihr Kind wollte schon nach kürzester Zeit nicht mehr in den Kindergarten, weil 'die böse Frau' da ist. Solche Aussagen von Kindern werden zwar gern unterschätzt, aber wenn man sieht, dass selbiges Kind inzwischen gar nicht mehr zu bremsen ist. Selbst während der Ferien will das Kind in den Kindergarten, weil es dort jetzt 'so toll ist' und die 'böse Frau nicht mehr da ist'. Diese Aussagen sollten hier zu denken geben. Und unabhängig davon was wirklich passiert ist, ist das Wohl der Kinder in jedem Fall das Wichtigste!

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