Balingen-Ostdorf - Der Ostdorfer Jakob Herrmann hat bereits mit 17 Jahren die Ausbildung zum Feuerwehrmann abgeschlossen – ein neues Gesetz macht es möglich. Auf den ersten Einsatz muss er aber trotzdem noch warten.

"Zur Jugendfeuerwehr wollte ich eigentlich nie", sagt Jakob Herrmann. "Aber ich wollte schon seit Jahren direkt zu den Aktiven, wenn ich volljährig bin." Für ihn ist daher die Änderung des Feuerwehrgesetzes ideal, die bereits 17-Jährigen erlaubt, in die aktive Abteilung einzutreten. Herrmann ist der erste und einzige Ostdorfer, der bislang in den Genuss dieser Regelung gekommen ist.

"Das neue Gesetz ist dazu gedacht, die Jugendfeuerwehr attraktiver zu machen", erklärt Joachim Rebholz, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Balingen. Damit habe man in Balingen auch bereits Erfolge erzielt. "Vom Eintritt mit elf oder zwölf Jahren bis zum Alter von 18 ist es eine sehr lange Zeit. Jetzt können Anwärter schon mit 17 die Grundausbildung machen, eine ziemlich umfangreiche Geschichte, und an den Übungen der Einsatzabteilung teilnehmen. Zum Stichtag, ihrem 18. Geburtstag, sind sie dann schon einsatzfähig."

Vorher, das betont das Kreisbrandamt des Zollernalbkreises, dürfen die jungen Feuerwehrmänner nicht an den Einsätzen teilnehmen, auch nicht, wenn sie die Grundausbildung schon absolviert haben.

Zu ihnen zählt auch Jakob Herrmann. Er hat bereits im November 2012 die Ausbildung abgeschlossen, ist jetzt "fertiger Feuerwehrmann" – aber bis er im September volljährig wird, muss er bei Einsätzen zuhause bleiben. Obwohl er theoretisch schon teilnehmen könnte: "Wir haben in der Ausbildung alles durchgenommen: Erste Hilfe, Standard-Löschangriffe, Verhalten bei Verkehrsunfällen und so weiter."

Dass er zur Ostdorfer Feuerwehrabteilung wollte, war für den 17-Jährigen von Anfang an klar: "Bei uns im Dorf ist eigentlich jeder bei der Feuerwehr." Seine ganze Nachbarschaft sei praktisch in der Abteilung, sagt Herrmann, darunter auch Abteilungs-Kommandant Frank Haug, der direkt neben ihm wohnt. Er habe auch oft bei Einsatzübungen im Dorf zugesehen, erinnert sich Jakob Herrmann. "Man kennt einfach jeden. Die Kameradschaft in der Abteilung ist toll." Kameradschaft ist überhaupt ein großes Thema für ihn. Bei der Balingen Jugendfeuerwehr ist er im August 2011 nur eingetreten, weil ein Freund ihn überredet hat: "Vorher kannte ich da niemand, und Ostdorf hat ja keine eigene Jugendfeuerwehr." In die Balinger Einsatzabteilung zu wechseln, kam für ihn aber auch aus anderen Gründen nicht infrage: Die Balinger haben sehr viel mehr Einsätze als die Ostdorfer. "Ein Freund von mir ist in der Balinger Abteilung, der musste sogar schon in der Schule aufstehen und los zu Einsätzen." Auch auf Nachteinsätze müsse man sich einstellen, selbst wenn am nächsten Morgen eine Klassenarbeit auf dem Stundenplan steht: "Man muss eben entscheiden, wie weit man sein Hobby an sich und in sein Leben lässt", meint der Schüler.

Dass man es ernst nehmen muss, ist für ihn aber keine Frage: "Das ist jetzt kein Hobby wie Leichtathletik, man muss schon richtig dahinterbleiben und sich engagieren. Und es macht ja auch Spaß."

Immerhin kann es durchaus auch mal um Menschenleben gehen, vor allem bei Verkehrsunfällen. "In Ostdorf haben wir aber eher Unwettereinsätze, Bäume über der Straße, vollgelaufene Keller oder technische Hilfeleistungen." Das ist ihm allerdings auch lieber, denn der frisch gebackene Feuerwehrmann kann eigentlich kein Blut sehen: "Ich denke aber, beim Einsatz vergisst man das."

Ob das stimmt, wird Jakob Herrmann wohl irgendwann noch herausfinden. Denn bei der Feuerwehr will er noch lange Jahre bleiben.