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Balingen Matteos Luftblasen bringen viel Spaß

Schwarzwälder-Bote, vom 18.08.2010 18:35 Uhr
Mit seinem Therapeuten schwimmt Bobby-Joe auf dem Bauch von Delfin Matteo. Das ungewohnte Gefühl macht ihn noch etwas unsicher. 
Fotos: Privat Foto: Schwarzwälder-Bote
Mit seinem Therapeuten schwimmt Bobby-Joe auf dem Bauch von Delfin Matteo. Das ungewohnte Gefühl macht ihn noch etwas unsicher. Fotos: Privat Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Olivia Kaiser

Balingen/Glatten. Das Spitzerfestival in Ostdorf, das am Wochenende wieder stattfindet, sorgt immer für Unterhaltung. Im vergangenen Jahr wurde aber auch für einen guten Zweck gesammelt. Der Erlös wurde gut eingesetzt.

Aufgrund der Verbindungen zur Feuerwehr Glatten hatten die Ostdorfer Feuerwehrleute erfahren, dass ein Junge eines Feuerwehrkameraden schwer erkrankt sei und Geld für eine teure Delfintherapie gesammelt werde. Auch mit Hilfe der Ostdorfer kam ein so großer Betrag zusammen, dass der Junge die Therapie antreten konnte.

So weit die Vorgeschichte. Wer den sechsjährigen Bobby-Joe Wörner kennt und nach der Delfintherapie auf Curaçao wieder sieht, merkt sofort, dass es ein Erfolg war. Der kleine Junge hat einen wacheren Gesichtsausdruck, er scheint seine Umgebung bewusster wahrzunehmen, seine Bewegungsabläufe sind koordinierter, und er wirkt zufrieden. "Wir sind einfach überglücklich", freut sich Dieter Wörner, Bobby-Joes Vater. "Die Delfintherapie war für uns ein voller Erfolg." Auch Markus Stiletto, Bobby-Joes Kinderarzt, bestätigt die positive Entwicklung des Jungen, der an einer Entwicklungsstörung leidet. Bobby-Joe kann nicht sprechen, alleine essen oder sich anziehen und ist bei allem auf die Hilfe seiner Eltern Sandra und Dieter angewiesen. "Er hat enorme Fortschritte gemacht", so Stiletto. "Er ist kommunikativer, begreift mehr und lacht öfter."

Eine Woche war Bobby-Joe mit seinen Eltern auf der niederländischen Antilleninsel Curaçao. Die Anreise war allerdings mit einigen Schwierigkeiten verbunden: Auf der Insel angekommen, fehlte ein Koffer, und der Bus, der die Wörners ins Hotel bringen sollte, war fort. Zudem hatte Dieter Wörner schon seit einer Woche starke Schmerzen im Unterleib. "Der Arzt hatte nichts gefunden. Ich wollte die Reise nicht gefährden und bin eben mit Medikamenten ausgestattet nach Curaçao geflogen." Wieder in Deutschland angekommen, sollte sich herausstellen, dass Wörner sich einen Leistenbruch zugezogen hatte.

Doch die Unannehmlichkeiten waren schnell vergessen. Schon allein die Sonne, der Strand und das Meer gefielen Bobby-Joe. Er war guter Stimmung und hatte keine Problem in der für ihn fremden Umgebung. Am ersten Tag sprachen die Therapeuten mit den Wörners, gingen die Arztberichte durch, während Bobby-Joe mit einer Praktikantin spielte. Dann ging es für den Jungen zum ersten Mal ins Wasser.

"Das hat ihm schon so gut gefallen, da hat er den Delfin erst gar nicht richtig bemerkt", erinnert sich Sandra Wörner. Doch das sollte sich schnell ändern. Zusammen mit seinem Therapeuten näherte er sich Delfin Matteo und durfte ihn anfassen. "Als Bobby-Joe Matteos Luftloch entdeckte, war er fasziniert, und als auch noch Blasen herauskamen, war er total begeistert", so Dieter Wörner. Von da an waren Bobby-Joe und Matteo ein Herz und eine Seele.

"Die Therapie setzte sich zusammen aus der Zeit im Wasser mit dem Delfin und einer Bewegungstherapie auf dem Dock", erklärt Bobby-Joes Vater. Mit Bürsten und Massagestäben setzten die Therapeuten den Jungen verschiedenen Reizen aus. Anhand von Bilderkarten auf einer Tafel durfte er entscheiden, was er machen wollte. "Bald hat er nur noch die Delfinkarte gezogen, auch wenn sie immer wo anders war. Er hat gelernt, das zu unterschieden."

Körperkontakt spielt eine große Rolle

Bobby-Joe durfte sich auch aussuchen, was der Delfin tun soll: tanzen, springen, ihn mit der Schnauze schieben oder Bauch an Bauch schwimmen. Ein Therapeut war immer im Wasser dabei. Der Trainer gab dem Delfin die entsprechenden Anweisungen und belohnte das Tier mit Fisch. Auch Bobby-Joe durfte Matteo füttern. "Der Körperkontakt mit dem Delfin spielt eine große Rolle", erklärt Dieter Wörner. "Dabei wurden die Reaktionen meines Sohnes dokumentiert."

Doch auch Sandra und Dieter Wörner waren eingespannt. Es gab Gespräche mit den Therapeuten und die Möglichkeit, sich mit den anderen Eltern auszutauschen. "Das hat uns sehr viel gebracht", betont Sandra Wörner. "Man sieht, dass man nicht allein ist." Die Experten hätten sie zudem bestärkt, die Behandlungen, die Bobby-Joe zu Hause macht, zum Beispiel eine Reittherapie, weiter zu betreiben. "Es ist gut zu wissen, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagt die Mutter.

Die Therapie dauerte einen halben Tag, danach hatte die Familie freie Zeit zur Verfügung. Sie gingen an den Strand oder machten Ausflüge in die Stadt. Bobby-Joe genoss vor allem die Zeit am Strand. "Früher hatte er Probleme, im Freien barfuß zu laufen", so sein Vater. "Jetzt läuft er ohne Probleme über Sand und Gras. Es sei einfach wunderschön, diese Fortschritte zu beobachten: "Wir möchten uns bei allen Menschen bedanken, die uns dabei geholfen haben."

Die Therapie war durch Spenden möglich geworden. Nachdem der Schwarzwälder Bote im vergangenen Jahr über Bobby-Joes Schicksal berichtet hatte, war so viel Geld zusammengekommen, dass die Wörners eine zweite Delfintherapie finanzieren können. "Wir haben uns auf die Warteliste für 2011 setzen lassen", erklärt Dieter Wörner.

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