Balingen Massiver Widerstand gegen Arkaden

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Diskussion im Gemeinderat: Berthold Roller, Ulrich Teufel, Susanne Kieckbusch, Rainer Heinz und Günther Meinhold (von links) sprechen im Juli über das Eyach-Arkaden-Modell, das dazu in der Stadthalle aufgebaut worden war. Jetzt geht es in die entscheidende, umstrittene Phase. Foto: Maier

Balingen - Ohoh: Auf der Zielgeraden schlägt dem Projekt Eyach-Arkaden massiver Widerstand entgegen. Dem Gemeinderat liegt der Bebauungsplan am Dienstag zur endgültigen Entscheidung vor (17 Uhr, Stadthalle) – allerdings haben Anwohner der Beckstraße und Im Roßnägele ihre Anwälte in Stellung gebracht.

Vorgesehen ist, wie mehrmals berichtet, auf dem ehemaligen Strasser-Areal im Herzen Balingens ein Fachmarkt-, Dienstleistungs- und Wohnzentrum entstehen zu lassen. Im Anschluss an die Vorstellung der Planungen im Juli 2012 und deren öffentlicher Auslage sind die Entwürfe bereits teilweise geändert und ergänzt worden. Beispielsweise ist auf Anregung des Regierungspräsidiums Tübingen die Verkaufsfläche für den Schuhfachmarkt auf 400 Quadratmeter begrenzt worden; die Zufahrt zur Tiefgarage wurde so umgestaltet, dass geringere Lärmbelastungen zu erwarten sind; die Fassade hin zur Straße Im Roßnägele soll dauergrün sein. Die Grundzüge der Planung seien allerdings nach Meinung des Bauamts "nicht berührt" gewesen.

Ganz anders sehen das mehrere Anwohner-Parteien.

Zunehmender Verkehr bringe enorme Belastungen

Am massivsten und umfangreichsten gegen das Projekt Eyach-Arkaden vor geht Stefan Burghardt, der Im Roßnägele wohnt, unmittelbar gegenüber dem geplanten Neubau. Burghard hatte bereits im Juli große Bedenken angemeldet (wir berichteten): Die Eyach-Arkaden, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite direkt vor sein Wohnhaus gebaut werden sollen, seien mit 110 Meter Länge und einer Höhe von stellenweise 17 Metern erdrückend, nicht zumutbar, passten nicht zum Wohn-Mischgebiet Roßnägele; der durch die Ansiedlung der großen Gewerbeflächen zu erwartende zunehmende Verkehr bringe außerdem enorme Belastungen mit sich.

Mittlerweile hat Burghardt gleich zwei Anwälte mit der Wahrung seiner Interessen beauftragt: Wolfgang Ott (Hechingen) und Peter Kothe, Fachanwalt für Verwaltungs- sowie Bau- und Architektenrecht (Korntal-Münchingen). Burghard spricht sich gegen den Bebauungsplan Eyach-Arkaden aus – dieser sei insgesamt "fehlerhaft", schreibt sein Anwalt Kothe. Zudem lehnt er auch den Bau des Handels- und Dienstleistungshauses ab, weil schon der entsprechende Bebauungsplan unzulässig sei und zudem wegen der zu erwartenden Verschattung, der massiven Bauweise und der zu erwartenden Lärmbelästigung "rücksichtslos" gegenüber den Anwohnern sei.

Andrea Maucher-Funker (Beckstraße 2) wendet sich gegen das Projekt, weil sie unter anderem unzumutbare Lärmbelästigungen, eine durch den Neubau verschandelte Aussicht und damit einhergehend einen Wertverlust ihrer Immobilie befürchtet. Antwort der Stadt: Der geplante Neubau verschandelt nichts, das Lärmgutachten prognostiziere akzeptable Werte, und Wertänderungen durch Bebauungspläne seien nun einmal hinzunehmen – ob positiv oder negativ; zudem sei von einem Wertverlust nicht auszugehen.

Ebenfalls mit anwaltlicher Unterstützung geht Elfried Lämmle gegen das Projekt vor. Lämmle ist Eigentümerin des Flurstücks, über das zum Teil der geplante Fuß- und Radweg an der Eyach erschlossen werden soll. Offenbar hat es zwischen Lämmle und der Stadt nicht erfolgreiche Verhandlungen betreffs eines Verkaufs des Grundstücks gegeben – so dass die Stadt nun wohl den Weg der Enteignung beschreiten möchte. Begründung: "Die Beeinträchtigung (Anmerkung der Redaktion: der Interessen von Elisabeth Lämmle) kann als gering erachtet werden; sie kann gegenüber dem öffentlichen Interesse zurückgestellt werden."

Die Dimension des Vorhabens bringe es mit sich, das es einige Einwendungen gebe, sagte Baudezernent Ernst Steidle im Gespräch mit unserer Zeitung. "Wir sind optimistisch und wir sind sicher, dass wir die Belange sorgfältig berücksichtigt und abgewogen haben", so Steidle weiter. Möglicherweise aber geht das Verfahren noch länger als gedacht: Bebauungspläne können vor Verwaltungsgerichten angefochten werden, bis zu einem Jahr nach Bekanntmachung ist auch eine Normenkontrolle möglich.

 

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