
Zollernalbkreis. Seit Jahren steigt die Anzahl der Krankheitserreger, gegen die keine oder nur noch wenige Medikamente helfen, weil sie gegen viele Antibiotika resistent geworden sind. Die multiresistenten Erreger (MRE) stellen für gesunde Menschen meist keine Gefahr dar, können bei chronisch kranken, pflegebedürftigen oder immungeschwächten Menschen aber schwerwiegende Folgen bis hin zum Tod haben.
Ursache für die zunehmende Ausbreitung multiresistenter Erreger ist nach Angaben des Gesundheitsamts häufig der falsche Einsatz von Antibiotika, die verschrieben werden, obwohl sie nicht nötig wären, oder die zu kurz genommen werden.
Auf der anderen Seite wächst der Anteil der älteren, pflegebedürftigen und in ihrer Immunität geschwächten Menschen.
Jetzt wollen die medizinischen und pflegerischen Einrichtungen den Keimen mit vereinten Kräften an den Kragen. Unter der Federführung des Gesundheitsamts des Zollernalbkreises werden sich Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, ambulante Pflegedienste, Ärzte, Rettungsdienst und weitere Beteiligte zum MRE-Netzwerk Zollernalbkreis zusammenschließen.
Das regionale Netzwerk ist Baustein eines vom Sozialministerium Baden-Württemberg initiierten und vom Landesgesundheitsamt vorangetriebenen Netzwerks Baden-Württemberg. Gemeinsames Ziel ist es, die weitere Ausbreitung antibiotikaresistenter Krankheitserreger zu bekämpfen. Auch sollen Informationsaustausch und Zusammenarbeit zwischen den Netzwerkbeteiligten, aber auch die Antibiotika-Anwendung verbessert werden. Einheitliche Standards für Hygiene, Screening, Sanierung und Behandlung sollen zugänglich gemacht werden, Informationen für die Öffentlichkeit werden auf der Homepage der Landkreisverwaltung veröffentlicht.
Am Mittwoch, 6. Juli, findet in der Krankenpflegeschule in Balingen in Zusammenarbeit mit den Kreisärzten, dem Zollernalb-Klinikum und dem Gesundheitsamt eine Fortbildung zum Thema multiresistente Erreger und Umgang in Arztpraxen, Krankenhäusern, stationären und ambulanten Einrichtungen der Pflege sowie beim Krankentransport statt. Jürgen Bohnert vom Antibiotikaresistenznetz Südwest, angesiedelt am Universitätsklinikum Freiburg, wird referieren.
Das MRE-Netzwerk wird zudem bei einem weiteren Vortrag am 11. Juli im Rahmen des Arbeitskreises Kontaktpflege vorgestellt. Der Arbeitskreis ist eine Vernetzung ambulanter und stationärer Pflegedienstleitungen der Krankenhäuser, Altenheime, der ambulanten Pflegedienste und des Rettungsdiensts.