
Zollernalbkreis. Deutschlandweit infizieren sich mehr als 500 000 Menschen im Jahr mit sogenannten multiresistenten Erregern (MRE). Etwa 20 000 bis 40 000 sterben an der Infektion. Betroffen sind meistens alte Menschen und chronisch Kranke, vor allen in stationären Einrichtungen. Das Gesundheitsamt des Landratsamts will durch die Vernetzung von Krankenhäusern, Pflegeheimen, ambulanten Pflegediensten und Ärzten die Ausbreitung der Keime stoppen.
Der häufigste antibiotikaresistente Erreger ist der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA). Während er für den gesunden Menschen kaum eine Gefahr darstellt, kann er bei Menschen mit Vorerkrankungen gravierende Gesundheitsfolgen bis hin zum Tode haben. Als Ursache nennt das Amt den unkritischen oder falschen Antibiotikaeinsatz, aber auch die sich verändernde Alterspyramide.
Das zukünftige MRE-Netzwerk Zollernalbkreis soll alle Beteiligten vernetzen, sie auf dem aktuellen Stand halten und durch Erfahrungsaustausch eine bessere Versorgung betroffener Personen gewährleisten. Einheitliche Überleitbögen im Falle der Verlegung eines Patienten können dazu betragen, dass auf allen Ebenen Hygienevorkehrungen gegen die Weiterverbreitung multiresistenter Keime getroffen werden können. Ziel ist es, die weitere Ausbreitung antibiotikaresistenter Keime zu stoppen und möglichst zu senken – wie das in Holland bereits gelungen ist. Gesundheitliche Sicherheit, aber auch Senkung der hohen Folgekosten, die in der Betreuung von infizierten Erkrankten entstehen, werden angestrebt.
Bereits Anfang Juli hatte das Gesundheitsamt bei einem Treffen des Arbeitskreises "Kontakt-Pflege" – ein selbstorganisiertes regelmäßiges Treffen aller Pflegedienstleitungen aus dem stationären und ambulanten Bereich des Zollernalbkreises – die Problematik und das zukünftige Netzwerk vorgestellt und eine Befragung gestartet. 40 von mehr als 65 informierten Einrichtungen (Krankenhäuser, Pflegeheime und ambulante Dienste) haben die zwölf Fragen beantwortet und den Fragebogen zur Auswertung an das Gesundheitsamt zurückgeschickt. Erste Auswertungen zeigen, dass die Bereitschaft, im Kampf gegen multiresistente Erreger mitzuwirken, nahezu bei 100 Prozent liegt, aber auch Schwierigkeiten im Kampf gegen die Bedrohung gesehen werden.
Das Gesundheitsamt plant die Einrichtung eines Beratungstelefons, über Internet abrufbare Informationstexte sowie Fortbildungen für die Beteiligten.
Der Zollernalbkreis wird damit übrigens ein Baustein im zukünftigen MRE-Netzwerk Baden-Württemberg sein.