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Balingen Gäbe es sie nicht - er würde sie gründen

Schwarzwälder-Bote, vom 27.01.2012 18:00 Uhr
Der Musikprofessor Ulrich Molsen ist Gründungsmitglied der Freien Waldorfschule Balingen. Nächste Woche feiert die Einrichtung ihr 25-jähriges Bestehen. 
Foto: Klebitz Foto: Schwarzwälder-Bote
Der Musikprofessor Ulrich Molsen ist Gründungsmitglied der Freien Waldorfschule Balingen. Nächste Woche feiert die Einrichtung ihr 25-jähriges Bestehen. Foto: Klebitz Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Julia Klebitz

Balingen. "Elterninitiativkreis strebt den Aufbau einer freien Schule an". Das stand vor über 25 Jahren in einem kleinen Zeitungsinserat. Für Ulrich Molsen kam es genau zur richtigen Zeit: Der Musikprofessor wurde zum Mitbegründer der Waldorfschule Balingen.

"Es war keine Kritik an den allgemeinen Schulen", sagt Molsen, "vielmehr die Suche nach einem neuen Horizont". 33 Jahre alt war er, als er den Aufruf in der Zeitung las. Er hatte gerade begonnen, sich mit Homöopathie und Heilpflanzen zu beschäftigen, bereitete für seine beiden kleinen Kinder biologische Lebensmittel zu.

Es war das Interesse für "ein anderes Menschenbild", das ihn 1980 motivierte, zum ersten Treffen des Initiativkreises zu gehen. Fast 60 Interessierte kamen damals in einer Balinger Gaststätte zusammen. "Lauter bärtige Leute in Sandalen und indischen Gewändern", erzählt der emeritierte Musikprofessor heute mit einem Schmunzeln. Alle hatten sie die Vision einer freien Schule in der Stadt. "Dass es eine Waldorfschule werden würde, stand dabei nicht einmal fest", sagt Molsen. Das habe sich aber schnell herauskristallisiert.

Genauso schnell seien auch viele der Eltern wieder abgesprungen. "Wir müssen arbeiten und uns mit der Waldorfpädagogik beschäftigen" habe einer der Lehrer, die Mitglied des Kreises waren damals angekündigt, erinnert sich Molsen. Einigen sei das zuviel gewesen.

Dennoch schaffte es der harte Kern, sein Ziel durchzusetzen: 1982 gründet sich der "Initiativkreis zur Förderung der Waldorfpädagogik im Zollernalbkreis". Drei Jahre später konkretisieren sich die Schulpläne. "Jedes Jahr haben wir gezählt, wieviele Kinder es gebe, die die Schule besuchen könnten, falls es denn konkret werden würde", so Molsen. Kritikern musste vermittelt werden, dass die Einrichtung keine anthroposophischen Lehrinhalte zum Ziel habe, dass es lediglich das besondere Menschenbild sei, das die Lehranstalt prägen sollte. "Menschen sind, wenn sie auf die Welt kommen, kein unbeschriebenes Blatt. Sie haben eine natürliche Anlage", fasst Molsen dieses Bild zusammen. Kinder mit dem zu fördern, was sie in sich tragen und wollen, sei das Ziel der Eltern gewesen.

Drei Faktoren waren es schließlich, von denen abhing, ob sich der Wunsch dieser Erziehung für ihre Kinder erfüllen könnte: Ein Gebäude, Gründungslehrer und genügend Schüler.

Am 27. August 1986 feierten 121 Kinder in den Klassen eins bis vier und acht Lehrer ihren ersten gemeinsamen Schultag an der Waldorfschule in Frommern. Unterrichtet wurde in einem ehemaligen Fabrikgebäude, dem heutigen Werkbau.

"Unsere Kinder waren gerade in dem Alter, dass sie noch die zweite und vierte Klasse besuchen konnten", sagt Molsen. Wie er seien auch sie noch heute vom Waldorf-Konzept überzeugt, möchten auch ihre Kinder an dieser Schule unterrichten lassen.

Dass, trotz reger Kritik an der spezifischen Waldorfpädagogik, noch heute viele hinter ihr stehen, das Interesse sogar zunimmt, zeigen die aktuellen Schülerzahlen: 427 Schüler besuchen die Waldorfschule. 71 Kinder spielen im Kindergarten, der seit 1987 besteht. Dazu kommen neun Krippenschützlinge und 18 Kleinkinder in Eltern-Kind-Gruppen.

Für Molsen steht fest: "Gäbe es die Schule heute noch nicht, würde ich sie gründen", und: "Die Waldorfschule ist nicht für jeden das Richtige, aber für die, die sich dafür entscheiden ist sie eine gute Einrichtung".

Weitere Informationen: Die Waldorfschule feiert ihr Jubiläum mit einem Erlebnistag am Samstag, 4. Februar von 10 bis 15.30 Uhr.

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