Balingen Feucht geht für die Grünen ins Rennen

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Smalltalk vor der Flüchtlingsunterkunft in der Beckstraße (von links): Thorsten Müller, Leiter des Rechts- und Ordnungsamts beim Zollernalbkreis, Landtagskandidat Erwin Feucht und die Bundestagsabgeordnete Agnieszka Brugger (Bündnis 90/Die Grünen). Foto: Ungureanu

Balingen - Anfang der 1980er-Jahre saß er bereits für die damals "noch ganz frische Partei" im Balinger Gemeinderat – jetzt will es Erwin Feucht noch einmal wissen: Er geht bei der Landtagswahl im Wahlkreis Balingen für die Grünen ins Rennen.

Bereits in seiner Jugend sei er "politisiert" worden durch den Vietnam-Krieg, sagt der 57-Jährige. "Das hat bei vielen von uns Eindruck hinterlassen." Danach sei die Richtung ziemlich klar gewesen: "Friedensbewegung, Atomkraft – nein, danke, wir waren voll auf dieser Schiene." Dabei habe es klare Differenzen gegeben zur damaligen Linie der SPD unter Bundeskanzler Schröder.

Nach einer zehnjährigen Unterbrechung ist der gelernte Konditormeister 2009 wieder in die Kommunalpolitik eingestiegen – "und 2011 war die Sensation perfekt: Wir waren zum ersten Mal in der Regierung und hatten einen grünen Ministerpräsidenten".

Was seine Kandidatur und den Politikstill der grün-roten Landesregierung angeht, steht Erwin Feucht "voll dahinter": Ministerpräsident Winfried Kretschmann habe gute Umfragewerte, und es gebe keine großen Kritikpunkte an der Arbeit der Regierung. In fünf Jahren Regierungszeit sei schon viel erreicht worden. "Und was von der Opposition kommt, ist ziemlich dürftig herbeigezogen."

Warum er bei der Landtagswahl antritt? "Es wäre ein guter Abschluss meiner politischen Karriere", sagt er, "es würde von meinem Werdegang und meiner politischen Reife her gut passen." Er sieht sich als "Regionalisierer" und "Weitblicker", will sich für ökologisches Wirtschaften und solidarisches Miteinander im Zollernalbkreis einsetzen.

Als Stichworte nennt er den Ausbau regenerativer Energien und des öffentlichen Personennahverkehrs, schnelles Internet, sanften Tourismus als wichtigstes Zusatzeinkommen für die Landwirte in der Region, Stärkung der regionalen Landwirtschaft, mehr Bürgerbeteiligung und den sozialen Wohnungsbau.

Für junge Familien brauche man Infrastruktur, um eine ländliche Region wie den Zollernalbkreis für sie attraktiver zu machen. Und aktueller und wichtiger denn je sei derzeit die gute Integration von Flüchtlingen.

Was Letztere angeht: "Der Arbeitskreis Asyl in Balingen ist ein Kind von mir", sagt Feucht. Es ist kein Zufall, dass er beim Besuch der grünen Bundestagsabgeordneten Agnieszka Brugger die Gemeinschaftsunterkunft in der Beckstraße als erstes Ziel gewählt hat. Er kennt die Bewohner, er kennt das Team und die Ehrenamtlichen. Eine Wohnung und die Fahrradwerkstatt werden vorgezeigt, im Gemeinschaftsraum wird bei Hefezopf und Kaffee darüber diskutiert, was besser gemacht werden könnte, um junge Flüchtlinge schnell in Ausbildung und Arbeit zu bringen.

Aber nicht nur dafür macht sich Erwin Feucht stark. Er wolle versuchen, im Ohrmarkenstreit zwischen Ernst Hermann Maier auf der einen Seite sowie Bund, Land und EU auf der anderen zu schlichten, sagt er. Auch bei Maiers mobiler Schlachtbox gebe es noch Hürden: "Wenn sie vermietet wird, muss eine neue Zulassung beantragt werden", sagt er. Das will nicht in seinen Kopf.

Und zum Thema Plettenberg betont er: Da müsse man die Anliegen der Bürgerinitiative ernst nehmen und entsprechend handeln. Apropos Bürgerinitiative: Wie mit Familie Banzhaf in Sachen "kleine Farm" umgegangen worden sei, habe er nicht ganz verstanden: "Das hatte mit vernünftigen Argumenten und Bürgerwillen nichts zu tun."

Dabei sei ihm schon klar, dass seine Kandidatur im Wahlkreis 63 Balingen "ein wenig schwierig" sein werde: "Es ist ein schwarzer Wahlkreis, die Leute wählen hier CDU. Aber dieses Mal werden die Karten neu gemischt, Hans-Martin Haller und Günther-Martin Pauli hören auf, da sind die Chancen gleichmäßiger verteilt."

Er weiß: Bei der Landtagswahl hat jeder eine Stimme. "Im Wahlkreis 63 Balingen heißt das: Wer Grün wählen will, wählt Erwin Feucht."

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