Balingen "Evangelisch ist bunt und vielfältig"
Schwarzwälder-Bote, 04.07.2012 18:00 UhrVon Gert Ungureanu
Balingen. Premiere für Balingen: Die württembergische Landessynode tagt von heute bis Samstag in der Eyachstadt. Pfarrerin Kristina Reichle bricht das Motto der Synode "Evangelisch in Württemberg" aufs Lokale herunter: "Evangelisch in Balingen".
Heute um 8.30 Uhr beginnt der Eröffnungsgottesdienst mit Landesbischof Frank Otfried July in der Balinger Stadtkirche, um 10 Uhr werden OB Helmut Reitemann, Landrat Günther-Martin Pauli und Dekan Anton Bock von der katholischen Kirche Grußworte sprechen.
Pfarrerin Reichle ist froh, dass die Landeskirche nicht nur in Stuttgart tagt, sondern dieses Mal in eine andere Gemeinde geht. Zusammen mit Roland Beck aus Endingen und Werner Pichorner vom Haus Bittenhalde wird Kristina Reichle die Balinger Kirchengemeinde vertreten.
Die "einzige Landessynode, die direkt per Urwahl von den Gemeinden gewählt wird" hat – "ähnlich wie im Landtag", wie Kristina Reichle bemerkt –, eine große Tagesordnung abzuarbeiten. Dabei geht es, wie Kristina Reichle verrät, einerseits um die Vorgaben der Landeskirche, andererseits aber auch um Finanzen. "Die Synode muss zum Beispiel Sparbeschlüsse umsetzen", sagt die Pfarrerin. In einer Angelegenheit sei man schon "am Rudern": Es gelte, im Kirchenbezirk dreieinhalb Pfarrstellen einzusparen, "und wir wissen noch nicht, welche". Insgesamt hat der Kirchenbezirk Balingen, der über Sigmaringen und Ostrach bis fast an den Bodensee reicht, zurzeit 44,75 Pfarrstellen.
Was ist evangelisch? Die Kirche mit ihrer Geschichte, ihren Persönlichkeiten, sagt Kristina Reichle. Die Landeskirche habe interessante Gestalten hervorgebracht wie den Reformator Johannes Brenz, Johann Tobias Beck, Menschen, die sich in der Diakonie engagiert haben wie Gustav Werner, oder die in der Mission eine wichtige Rolle spielen.
Wichtig sei die Ökumene, wichtig sei es, angesichts des demografischen Wandels, der zunehmenden Altersarmut die Kirche "in die Zukunft zu tragen, trotz des gesellschaftlichen Wandels tragfähige Strukturen zu schaffen".
Die Landessynode soll aber nicht ausschließlich "hinter verschlossenen Türen" tagen. Am Freitag ab 19.30 Uhr ist auf dem Marktplatz ein Abend der Begegnung unter dem Motto "Kunst, Kultur und Köstlichkeiten": Die ganzen Kirchengemeinden und Einrichtungen stellen sich an ihren Ständen vor.
"Wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen und informieren, aber auch Anliegen von Gemeindegliedern aufnehmen", sagt Kristina Reichle. "Nicht alle Gemeinden sind gleich." Die evangelische Kirche wolle sich bei dieser Gelegenheit zeigen, wie sie wirklich ist: bunt und vielfältig. Kirchenchöre werden auf der Bühne singen, die Gemeinden werden bewirten – mit schwäbischen Spezialitäten und Gebäck, aber auch mit afrikanischem Essen und mehr. Das afrikanische Essen soll an die langjährige Partnerschaft mit der Kirche in Nigeria erinnern: "Wir wollen nicht Kirche in Balingen oder in Württemberg, sondern weltweit sein", sagt Reichle.
Zugegeben, als Gastgeberin bedeutet die Landessynode für sie auch eine gehörige Portion Arbeit: "Abschalten kann man woanders", resümiert die Pfarrerin den Organisations- und Logistikstress. Die 95 Synodalen aus ganz Württemberg müssen nämlich allesamt in Hotels untergebracht und zwei Tage lang versorgt und verköstigt werden.



