Balingen (rd). Den Spiegel vorhalten oder doch in den Rückspiegel blicken? Der Kabarettist Boris Retzlaff wollte sich zunächst nicht festlegen. Mit seinem Jahresrückblick im Balinger "Sonnenkeller" am ersten Weihnachtsfeiertag verschaffte er dem Publikum dann aber doch noch den Durchblick.

Er könne es kaum fassen, dass er schon wieder auf dieser Bühne stehe, begann Retzlaff sein Programm. Das Jahr sei so "unglaublich hektisch" gewesen, dass die Zeit wie im Flug vergangen sei. Dabei habe er zuerst gedacht: "2012 – was für ein langweiliges Jahr." Er war davon ausgegangen, dass 2011 bereits alles passiert sei und 2012 "nur zum Aufräumen da ist".

Bei genauerer Betrachtung habe er aber festgestellt, dass sich doch einiges getan hatte. Dem "blitzschnell vergessenen" Bundespräsidenten attestierte er eineinhalb Jahre "eitles Nichtstun" und riet ihm und damit allen Politikern, die Wahrheit lieber im Ganzen zu präsentieren, als immer nur portionsweise.

"Das ist wie Zuckererbsen im Kotzeimer", sagte er. Doch nicht nur Politiker und Großköpfe packte er am Kragen, auch das Weltgeschehen nahm er unter die Lupe. Sport und Eurokrise beleuchtete Retzlaff mit mikroskopischer Genauigkeit und trat nebenbei der Kirche auch gleich in den Allerwertesten.

Für launige und entspannte Klänge sorgten die beiden Musiker der Formation "Jazz Dog and the Gardengirls", mit denen Retzlaff noch ein Liedchen anstimmte.