Balingen Auf Freiwilligkeit wird Wert gelegt
Schwarzwälder-Bote, 29.06.2012 17:00 Uhr
Ein Schüler werkelt in der Fahrradwerkstatt der Frommerner Schule. Bald könnte sie Teil der Schülergenossenschaft sein. Foto: PrivatFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Detlef Hauser
Balingen-Frommern. Schüler in Horb haben im Land eine Vorreiterrolle übernommen, Jugendliche in Ludwigsburg stehen schon in den Startlöchern, doch dann kommt schon die Grund-, Haupt- und Werkrealschule Frommern. Dort soll noch in diesem Jahr eine Schülergenossenschaft gegründet werden.
Immer wieder hatte sich die Schulleitung mit der Gründung einer Schülerfirma beschäftigt, berichtet Schulleiter Klaus Flockerzie – überzeugt davon, dass dadurch die persönlichen, sozialen und ökonomischen Kompetenzen der Schüler gestärkt werden könnten. Auch eine Gründermentalität sollte geweckt werden angesichts der Tatsache, dass Deutschland in Europa ganz hinten liegt, wenn es um Unternehmensneugründungen geht. Doch die Schule rückte davon ab, in dieser Einrichtung angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise zum Beispiel Aktien auszugeben
Als Alternative bot sich die Gründung einer Schülergenossenschaft an, sagt Flockerzie. Damit seien bereits gute Erfahrungen gemacht worden, wie er erfahren habe. 56 davon gebe es bereits in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen. Attraktiv an dieser Wirtschaftsform sei, dass "die Mitglieder im Vordergrund stehen". Und sie sei auch erfolgreich, wobei Flockerzie auf die Unternehmen Intersport und Edeka verweist, die genossenschaftlich organisiert seien.
Zunächst sei daran gedacht gewesen, eine Schülergenossenschaft im Rahmen des Wahlpflichtfachs Wirtschaft und Informationstechnik, das ab Klasse acht angeboten wird, zu gründen. "Doch dann hätte der Faktor Freiwilligkeit gefehlt", erklärt der Schulleiter, ein Faktor, der von den Personen, die sich bereits mit Schülergenossenschaften beschäftigt haben, immer wieder als Erfolgsgarant hervorgehoben worden sei.
Im kommenden Schuljahr wird den neuen Achtklässlern das Vorhaben vorgestellt. Mit den Freiwilligen wird danach ein Workshop abgehalten, der von Lehrern und Vertretern des Genossenschaftsverbands geleitet wird. "Und dann geht es schon an die Gründung", sagt Flockerzie, wobei ein zweiköpfiger Vorstand und ein Aufsichtsrat, den Vertretern des Fördervereins und des Schulträgers sowie Eltern, Schüler und Lehrer bilden sollen, installiert werden müssen. Auch die Volksbank Balingen wird vertreten sein, "bei der wir offenen Türen eingerannt haben und die uns unterstützen wird", wie sich Flockerzie freut.
"Genossen" suchen zum Beispiel unter den Schülern und Eltern, die Anteile kaufen, Projekte initiiern, mit denen Geld verdient werden kann wie Pausenverkauf oder Schüler-Catering, Partner von außen gewinnen – das werden die ersten Aufgaben der Schülergenossenschaft sein, deren Gründung für das Jahresende vorgesehen ist.
Flockerzie verspricht sich einiges von dem "Planspiel unter realen Bedingungen", zumal sich die Schüler mit ihren eigenen Ideen einbringen können. Und um den Schülern den Druck zu nehmen hält Flockerzie fest: "Auch Scheitern ist erlaubt."


