Hechingen/Balingen - "Ich will nicht in den Teufelskreis zurück, ich will ein neues Leben beginnen", beteuerte einer der Angeklagten, bevor der Vorsitzende Richter das Urteil verkündete. Drei Mitglieder einer "Balinger Gruppierung" wurden gestern vom Hechinger Landgericht wegen schweren Bandendiebstahls zu Jugendstrafen verurteilt.

Zwischen einem Jahr und neun Monaten und drei Jahren und drei Monaten müssen sie in den Jugendvollzug, sollte sich herausstellen, dass sie erneut straffällig werden. Dieses Hintertürchen hat das Gericht zwei von ihnen offengelassen: Sechs Monate bleibt ihnen Zeit, zu beweisen, dass sie es verdienen, auf Bewährung freizukommen. Für die kommenden sechs Monate sind sie auf Vorbewährung. "Es ist ein Angebot an Sie", kommentierte der Vorsitzende Richter Herbert Anderer das Urteil. "Sie entscheiden, wie es weitergeht." Der dritte Angeklagte, der schwer drogenabhängig ist und zurzeit in Haft sitzt, muss in ein psychiatrisches Krankenhaus auf die Reichenau. Einschließlich "Übergangsphase" für 24 Monate – oder er muss drei Jahre und drei Monate sitzen.

Zu Gunsten der jungen Männer wertete das Gericht, dass sie umfassende Geständnisse abgelegt hatten. Zu ihren Ungunsten, dass sie selbst nachdem Anklage erhoben worden war, erneut straffällig geworden sind. Auch nachdem die Gerichtsverhandlungen begonnen hatten, waren die jungen Männer, die nicht nur in Balingen, sondern auch in Ofterdingen, Grosselfingen, Dormettingen und Rottweil aktiv gewesen waren, erneut "auf Tour" gegangen: Sie hatten Mofaroller geklaut, waren in Wohnhäuser und Firmengebäude eingestiegen, hatten Verkehrsstraftaten begangen und mit einer gestohlenen EC-Karte Geld abgehoben, kaum ein Jahr ohne Straftat. "Das ist astreine Kriminalität", resümierte der Vorsitzende Richter. Vor Gericht hätten die "jungen Herren" zudem keinen guten Eindruck gemacht, zuweilen habe es den Anschein gehabt, dass sie die Instanz gar nicht ernst nahmen. Und bei den Briefen, die sie aus der Vollzugsanstalt geschrieben hätten, habe er "schon tief durchatmen" müssen. Angesichts der Tatsache, dass sie zu guter Letzt auch noch Polizeibeamte beleidigt hatten, prophezeite Anderer: "Es wird der Tag kommen, an dem Sie froh sein werden, dass es die Polizei gibt. Sie zu beleidigen, nachdem man eine Straftat begangen hat – wie sackdoof ist das?"

Fakt ist: Auf Gruppendynamik sind gewiss nicht alle, aber sicher viele Taten zurückzuführen. "In der Gruppe ist es schwerer, nein zu sagen", räumte der Richter ein. Ziel war es auch, die "Balinger Gruppierung" zu zerschlagen: Ein Mitglied geht an den Bodensee (Kommentar Anderer: "Andere Leute zahlen Geld dafür, dorthin zu kommen"), der Zweite ist bereits auf Kosten des Landkreises in einer Wohngruppe in Freiburg, wo er auch eine Ausbildung absolviert, und der Dritte legte den Nachweis vor, dass er demnächst eine Entgiftung in Bad Schussenried beginnen werde.

Mit dem Strafmaß folgte das Gericht weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, bis auf die Geldauflage, die Staatsanwalt Markus Engel bei dem Auszubildenden gefordert hatte. Sie wurde in 50 gemeinnützige Arbeitsstunden umgewandelt. Die Verteidiger hatten in einem Fall für eine geringere Geldauflage, in einem anderen für eine kürzere Jugendstrafe plädiert.

Das Verfahren gegen zwei weitere Mitglieder der Diebesbande wird heute fortgesetzt.